Hydrographisches aus dem Neu-Guinea-Schutzgebiet,
trieb. Noch vor Hellwerden am 16. wurde die Fahrt nach dem Wirbelwind-
Riff angetreten und erwiesen sich die Peilungen nach den allmählich in Sicht
kommenden Inseln etc. in der Nähe der Dampier- und Vitiaz-Strafse als zuver-
lässig. In Betreff der Vertonung, welche in der Karte Tit. XII, No. 117, 2. Blatt,
von Lottin-Insel gegeben ist, stellte sich heraus, daß der über die terrassenartige
Stufe des unteren Berges herausragende Kegel ungefähr dreimal zu hoch ge-
zeichnet ist. Im Uebrigen wurde die Orientirung durch Wolkenmassen, welche
über den südlichen Inseln lagerten, erschwert, aber schliefslich nicht verhindert.
Um 10520” Vormittags kam die Brandung des Wirbelwind-Riffes in Sicht. Die
Karte Tit. XII, No. 117, Blatt 1, giebt die Lage des Südendes dieses Riffes
nahezu übereinstimmend mit den diesseitigen Messungen an. Die Mittagsbreite
und Landpeilungen ergaben eine kleine Differenz, nämlich nach Landpeilungen
liegt das Südende in 4° 43,7 S-Br und 148° 11,6‘ O-Lg und nach dem observirten
Besteck in 4° 45,4‘ S-Br und 148° 12,2‘ O-Lg.‘ Ich bemerke hierbei, daß die
Insel Merite ungefähr 3 Sm östlich von dem Riff aus Sicht kam. Nur dem Um-
stande, dafs an der höchsten Spitze eine kleine Wolke hing, ist es zuzuschreiben,
dafs es möglich war, Merite als Peilungsobjekt zu benutzen. Dals dieselbe zu-
verlässig war, geht daraus hervor, dafs beim Zurückdampfen der Gipfel von
Merite genau unter diesem Wölkehen wieder in Sicht kam. Man bekommt im
Vebrigen durch die Darstellung auf der Karte eine falsche Vorstellung von der
Beschaffenheit des Wirbelwind - Riffes. Dasselbe besteht aus mehreren Atoll-
Ringen mit ungleichmäfsig gehobenen Rändern; östlich von dem eigentlichen
Riff sieht man es an den Stellen stark branden, wo in der erwähnten Karte
Kreuze eingezeichnet sind. Auf den Atollrändern brandet es nur zum Theil, je
nachdem dieselben tiefer unter oder näher der Wasserlinie liegen, beziehungs-
weise in Form siner kleinen Sandbank über dieselbe hinaustreten. Innerhalb der
südlichsten dieser Atollringe war tiefblaues Wasser zu sehen. An einer Stelle,
wo die Entfärbung nicht so stark war, lothete ein Boot, an dem entfärbten
Wasser beginnend, 28m, dann steil ansteigend 5m auf dem Atollringe und
ebenso steil abfallend wiederum 28m in der Lagune.
Es wurde hierauf die Rückreise angetreten und bei dieser Gelegenheit
aus dem Topp Brandung nach Nord hin gemeldet. Dieselbe mit dem Kompafs
eingeschnitten, würde ergeben, dafs sich auf 4° 34% S-Br und auf 148° 45'/%'
O-Lg eine Untiefe befindet (vermuthlich das Ottilien-Riff, vgl. „Ann. d, Hydr. ete.“,
1891, Seite 45), zu deren Untersuchung die Zeit leider nicht vorhanden war,
da ich die North-Insel noch gern vor vollständig eingetretener Dunkelheit
passiren wollte.
‘Aus den Peilungen der südlichen Inseln zu der Zeit, als North-Insel gleich-
zeitig in Sicht war, geht hervor, dafs diese letztere in ıhrer Lage an diejenige
der südlichen Insel angeschlossen ca 2 Sm weiter nach SOzS liegen mufs, als
sie in der Br. Adm.-Karte No. 2766 (Tit XII, No. 119a) angegeben ist.
Ich halte es nicht für wahrscheinlich, dafs auf dem Kurse, den S. M. Kr.
„Sperber“ zurücklegte, Gefahren aufgefunden werden. Ich glaube empfehlen
zu können, dafs ein Schiff, welches die Fahrt von Kaiser Wilhelms-Land nach
der Blanche-Bai nördlich von Neu-Pommern macht, ohne Gefahren zu begegnen
von der Astrolabe-Bai kommend Crown-Insel ansteuert und alsdann Kurs dicht
südlich von North-Insel vorbei und nördlich frei vom Vater- und Sohn-Riff nimmt.
Diese Fahrt ist wegen der geringeren Entfernung geboten, namentlich während
des SE-Monsuns, während dessen Neu-Pommern alsdann gegen den südlich dieser
Insel stehenden Seegang als Wellenbrecher dient. Schiffe dagegen, welche von
Finschhafen nach Blanche-Bai gehen wollen, werden nur bei sehr starkem SE-
Monsun diese Route wählen, welche weiter ist als diejenige an der Südküste
von Neu-Pommern. Abgesehen von der Inselgruppe bei Kap Merkus und Süd-
Kap soll diese Küste ganz frei von Gefahren sein und wenn man bei Kap
Orford angekommen, Kurs auf Kap Palliser setzt, so entgeht man zum grofsen
Theil dem starken Strom, welcher während des NW-Monsuns im St. Georges-
Kanal nach SO setzt. Dadurch, dafs Finschhafen gänzlich aufgegeben werden
dürfte, wird die Fahrt durch den Bismarck Archipel, welche bisher ‚nur sehr
selten von den Schiffen benutzt wurde, bedeutend an Wichtigkeit gewinnen.
Einige weitere hydrographische Notizen über im Schutzgebiete von Newu-
Guinea besuchte Gegenden sind in Nachstehendem niedergelegt:
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