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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

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Vierteljahıs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Frühling 1887, 
„Lizzie & Kugenie“ mit je 47 und 48 Tagen die längste Zeit für ihre Reisen 
von allen im Verzeichnifs mitgetheilten Schiffen, Bewirkt wurde dies zum Theil 
schon durch die auf dem ersten Reiseabschnitt angetroffenen ungünstigen Ver- 
hältnisse. Die dort beobachteten, an mehreren Tagen heftig stürmenden Ost- 
winde waren die Folge jener auf Karte XIX verzeichneten Tiefdruckgebiete, 
welche im zweiten Drittel des Mai südöstlich vom Golfstrom erschienen. Erst 
nachdem die Wetterlage sich geändert hatte und die Wirkungen des Hochdruck- 
gebietes derselben Karte sich bei den Schiffen bemerkbar machten, kamen west- 
liche und südliche Winde durch, bei denen fast die ganze Breite des Oceans in 
ziemlich günstiger Fahrt überschritten werden konnte. „Columbus“ und „Alma“, 
die sich etwas nördlicher als die übrigen Mitsegler hielten, trafen dort anschei- 
nend günstigere Verhältnisse an und eilten jenen daher etwas voraus. Obgleich 
dies nur eine geringe Strecke war, genügte es doch, das Endresultat ihrer Reise 
zu einem günstigen zu machen. Denn als am 10, Juni bei allen Schiffen ein 
lang anhaltender Ostwind einsetzte, standen jene beiden Schiffe der Mündung des 
Kanals schon so‘ nahe, daß Zizard von ihnen nach einigen Tagen des Kreurens 
erreicht werden konnte, während die übrigen Mitsegler dazu weit längere Zeit 
gebrauchten. Die Länge dieses Vorgebirges überschritten: „Columbus“ am 12., 
„Heinrich & Tonio“ am 27., „Lizzie & Eugenie“ am 28., „Shakspere‘“ am 17., 
„Alma‘* am 9., „Dakota“ am 16. und „Maryland“ am 22. Juni. 
(Schlufs folgt.) 
Kleine Notizen. 
1. (D. S.) Abkühlung des Trinkwassers an Bord in den Tropen. 
Kapitän Ch. Le Moult von der Deutschen Bark „Oscar“ giebt zur Erreichung 
des genannten Zweckes ein einfaches Verfahren an, das, wie er meint, wohl 
vielfach angewandt wird, aber vielen seiner Berufsgenossen noch nicht genügend 
bekannt ist. Er schreibt: „Wenn ein Schiff sich lange in den Tropen aufhält, 
wird das Trinkwasser in den Tanks und Fässern, selbst wenn diese sich unter 
Deck befinden, oftmals lauwarm. Ich habe nun schon seit lange, um den ge- 
nannten Zweck zu erreichen, sowohl für meinen eigenen Bedarf als für den der 
Leute, einen sogenannten Wassersack aus Segeltuch im Gebrauch, der mit Wasser 
gefüllt an Deck im Schatten, wo er am besten dem Luftzuge ausgesetzt ist, auf- 
gehängti wird. In einem solchen Sacke kühlt das Wasser ganz bedeutend ab 
und wird bei frischem Winde, selbst wenn die Lufttemperatur 30° C. beträgt, 
geradezu kalt, so dafs der Genufs desselben für den Menschen, der sich vor 
Hitze kaum zu helfen weiß, eine wahre Erquickung ist. Meine Offiziere und 
Leute sind stets froh, wenn sie solches Wasser trinken können. Durch sehr 
geringe Mühe und Kosten ist solcherweise jeder Schiffsführer in der Lage, sich 
and seinen Leuten im gegebenen Falle eine Erquickung zu verschaffen“, 
Die Roccas.?) Derselbe Kapitän berichtet: Am 3. März 1889 erblickten 
wir um 4'/> a, m., bei mälsigem, ostsüdöstlichem Winde, ziemlich ruhiger See 
and etwas häsiger, doch feuersichtiger Luft das feste Feuer der Roceas (Low 
Cays) in rw. Nord, segelten darauf in einem Abstande von etwa 2 Sm in Lee 
der Inseln entlang und wechselten um 6!/* a. m. Signale mit dem Leuchtthurm- 
wärter. Auf der Nordinsel stehen außer dem eisernen Feuerthurm ein ungefähr 
12m (40 Fufß) hohes weißes Haus mit rothem Dache, ein grofser und mehrere 
kleine Schuppen; auf der Südinsel, welche sich wohl nur 3 bis 3'/ m über die 
Meeresoberfläche erhebt und sonst vollständig kahl ist, stehen zwei einsame 
Palmenbäume, die 4 Sm weit sichtbar sind. Die Insel war von einer grofsen 
Menge von Seevögeln belebt. Brandung war wenig oder gar nicht vorhanden, 
aur im Norden von den Inseln beobachteten wir einige sogenannte Roller, die 
gegen den Wind liefen. Die Klippen an der Ostseite der Gruppe waren über 
die südliche Insel hinweg zu sehen. Auf der Nordinsel ist einiger Pflanzenwuchs 
vorhanden. Das Feuer war 10, das große Haus 8 Sm vom Deck des „Oscar“ 
aus zu sehen. Um 7%4" a. m. waren die Insel und die darauf stehenden Gebäude 
aus Sicht. Aus der Ferne haben diese das Ansehen eines Dampfers. 
1) Die mit (D. S.) bezeichneten Notizen sind von der Deutschen Scewarte eingesendet. 
2) Siehe auch diese Annalen Jahrgang 1890. Seite 48.
	        
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