158 Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Frühling 1887.
Karte XII auftrat, dessen Mittelpunkt am 10. März in einiger Entfernung quer
ab von Kap Henry lag, wurden sie für längere Zeit von heftig stürmenden
Nordwestwinden begünstigt, die in Verbindung von Tiefdruckgebieten standen,
deren verschlungene, südwestlich von Neufundland verlaufende Bahnen ebenfalls
auf Karte XII dargestellt sind. Bei denselben nahmen die Reisen dann für län-
gere Zeit einen sehr günstigen Verlauf. Bis zum Mittage des 22, März segelte
„Dora“ nach 44,7° N in 31,5° W und „Ferdinand“ nach 418° N in 36,3° W.
Später wurden aber häufiger Ostwinde beobachtet, und wurde davon besonders
der sich einige Breitengrade südlicher als „Dora“ haltende „Ferdinand“ betroffen.
Diese Verschiedenheit wurde dadurch verursacht, dafs das letztere Schiff längere
Zeit unter dem KEinflusse jenes Tiefdruckgebietes stand, dessen gekrümmte, zu-
letzt nach Südwest gerichtete, zwischen Kanaren und Azoren verlaufende Bahn
auf Karte XIV zu sehen ist. Bei „Dora“, die nördlich aufserhalb des Einflusses
dieser Erscheinung stand, wehten jene Ostwinde nicht, weshalb sie auch ihre
Reise in bedeutend kürzerer Zeit beenden konnte. Dieselbe erreichte den Kanal
am 2, April, während „Ferdinand“ dasselbe erst am 16. April that.
Viel gleichmäfsiger als diese eben vorher erwähnten Reisen, wenn auch
keineswegs in rascher Weise, verliefen die Fahrten der vier in der Liste folgen-
den Schiffe „Port Royal‘, „Andromeda‘, „Georg“ und „Olbers‘‘. Das erstere der-
selben war von New-Orleans ausgegangen, während die übrigen drei New- York
als Abfahrtshafen hatten, „Port Royal‘ wurde zu Anfang der Reise dadurch un-
gewöhnlich begünstigt, dafs, anstatt der im Golf von Mexiko vorherrschenden
östlichen Winde, nördliche und westliche Winde, die an einigen Tagen selbst
stürmisch wehten, beobachtet wurden. Dieselben wurden verursacht durch jene,
ihren Einfluls sehr weit ausdehnenden Tiefdruckgebiete der Karte XII, deren
verschlungene Bahnen, wie schon an anderer Stelle erwähnt, im zweiten Drittel
des März über dem Golfstrom verliefen. Das Schiff erreichte daher 70° W nach
verhältnifsmäfsig rascher Fahrt, und auch nachdem diese Länge überschritten
worden war, nahm die Reise einen befriedigend raschen Verlauf. Dasselbe war
der Fall auf dem ersten Reiseabschnitt der drei Mitsegler, denn alle standen
unter dem Kinflusse jener im zweiten Drittel des März den Ocean auf östlicher
Bahn überschreitenden Tiefdruckgebiete. (Siehe Karte XIII.) Mit dem Ende
dieses Monats endeten aber auch diese günstigen Verhältnisse. Hervorgerufen
durch die Lage des Hochdruckgebietes der Karte XIV und der auf ihr und der
Karte XV angegebenen, südlich von 45° N im östlichen Theile des Nordatlantik
auftretenden Tiefdruckgebiete, fanden diese für den Kanal steuernden Schiffe
westlich von 35° W lang anhaltende Ostwinde, die nicht selten heftig stürmten.
Es war deshalb, um den letzten Reiseabschnitt zurückzulegen, eine ungewöhnlich
lange Zeit erforderlich. Zum Kanal gelangten „Port Royal“ und „Olbers‘“ am
22. April, „Andromeda“ und „Georg“ am 21. April.
In ihrer zweiten Hälfte zusammenfallend mit dem letzten Reiseabschnitt
der vorerwähnten vier Schiffe ist die Anfang April von New- York aus begonnene
Reise der „Friederike“, Dieselbe, welche in 19 Tagen vollendet wurde, ist die
kürzeste von allen in dieser Tabelle angeführten. Sie konnte deshalb so rasch
zemacht werden, weil „Friederike“ die lang anhaltenden Ostwinde, von welchen
jene Schiffe auf dem letzten Reiseabschnitte zurückgehalten wurden, nicht mehr
antraf, dafür aber fast während der ganzen Reise von westlichen Winden hegün-
stigt wurde. Am 15. April, als „Friederike“ sich unweit von 43° N in 40° W
befand, nahm der Westwind bis zum orkanartigen Sturme zu. Das Schiff wurde
dadurch zum Beidrehen gezwungen. Der Sturm begann aus Südost und verän-
derte sich, nachdem der Luftdruck auf 722,5 mm gesunken war, nach Südwest.
Seine Entstehung verdankte er jenem Tiefdruckgebiete der Karte XV, dessen
Mittelpunkt, dem „Friederike“ anscheinend nahestand, für diesen Tag bei 45° N
und 40° W niedergelegt worden ist. Nachdem der Sturm sich gelegt hatte, hielt
der Wind sich für den übrigen Theil der Reise dauernd in südlicher und west-
licher Richtung, das Schiff bis zum 24. April zur Kanalmündung führend.
Die in der Liste folgenden drei Schiffe „Julius“, „Rose‘“ und „Astronom“
können in eine Gruppe zusammengefafst werden, weil, wenn auch nicht der An-
fang ihrer Reisen, doch deren Ende in nahezu die gleiche Zeit fällt. „Julius“
war in den letzten Tagen des März von (alveston aus in See gegangen, „Rose“
hatte Maracaibo und ‚Astronom‘ New-York verlassen. „Julius‘‘, der auf dem