Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Frühling 1887. 457
Mittage des letzteren Tages in 51° Nord und 37° West befindenden‘,, Andromeda
der Fall. ‚Elisabeth‘ stand gleichzeitig in 41,4 Nord und 34,4° West und „Marie“
Louise‘ in 22,6° Nord und 31° West. Dieser Sturm, welcher bei „Andromeda‘“
orkanartige Gewalt erreichte und bei dem eine Luftdruckabnahme bis auf 742 mm
beobachtet wurde, wehte in jenem Tiefdruckgebiete der Karte XX, dessen Mittel-
punkt am 25. Mai bei 50° Nord in 35° West verzeichnet ist. Nach diesem Un-
wetter wurden während des übrigen Theils der Reisen keine heftigen Winde wieder
beobachtet. Bei umlaufenden, mäfsigen Westwinden, die indessen verschiedentlich
östliche Winde unterbrachen, wurde der noch vorliegende Reiseabschnitt vollendet.
Ein kräftiger Ostwind führte beide Schiffe am 12. Juni zum Hafen von New- York,
„Marie Louise“, welche in der Nähe von 23° Nord und 30° West mehrere Tage
durch Windstille und leichte östliche Mallung verloren hatte, legte den ganzen
übrigen Theil der Reise bei mäfsigem, ziemlich beständigem Passat zurück. Sie
yelangte am 13. Juni in Sicht von San Domingo, umsegelte am 22. Juni die
Westspitze Cubas und gelangte am 28. Juni zur Mündung des Mississippi. Die
Reisedauer betrug 48 Tage.
2. Reisen von West nach Ost.
Unter den für die Seewarte arbeitenden Schiffen befinden sich 28, die
während der drei Frühlingsmonate des Jahres 1887 Reisen nach östlicher Richtung
hin über den Nordatlantik ausführten. Von denselben gingen 22 von den drei
bedeutenderen Häfen des nördlicheren Theils der Union aus in See. Drei traten
ihre Reisen von New-Orleans oder Galveston an, zwei hatten Maracaibo verlassen
und eins war von Wilmington abgefahren. Die verhältnifsmäfsig lange mittlere
Reisedauer jener 22 zuerst erwähnten Schiffe betrug 33 Tage; die schnellste der-
selben wurde von der „Friederike“ in 19 "Tagen zurückgelegt, während die
längste, von „Lizzie & Eugenie‘“ ausgeführte, 48 Tage in Anspruch nahm. Die
drei vom Golf von Mexiko aus begonnenen dauerten durchschnittlich 43, die
beiden Maracaibo-Reisen 36 Tage und das von Wülmington ausgegangene Schiff
erreichte den Kanal nach 39 Tagen.
„Hermann“, „Lagos“ und „Anna“, die in der betreffenden Liste zuerst er-
wähnten drei Schiffe, begannen ihre Reisen noch in der letzten Hälfte des Februar.
Nur „Anna“ that dies von einem nördlichen Hafen aus, während die anderen
beiden Mitsegler von südlicher gelegenen Plätzen aus in See gegangen waren.
„Hermann“, welcher nach der Durchsegelung der Bemini-Engen einen gut nörd-
lichen Kurs einhielt, erblickte später in der Nähe von der Neufundland-Bank noch
Eisberge und legte einen grofen Theil des Weges in geringer Entfernung
von der anscheinend langsamer segelnden „Anna‘“ zurück. Die Reisen beider
Mitsegler nahmen einen recht stürmischen Verlauf. „Anna“ hatte schon im
Februar, wenige Tage nachdem sie in See gegangen war, mehrere schwere Stürme
zu überstehen. Im März waren es dann besonders jene, auf Karte XI und XII
eingezeichneten, sich in den mittleren Breiten des Oceans nach Osten bewegenden
Tiefdruckgebiete, welche bei beiden Schiffen Stürme hervorriefen. Der die West-
spitze von Cuba umsegelnde „Lagos‘““ hielt sich, nachdem er östlich von 70° West
gelangt war, für längere Zeit zwischen 30° und 35° Nord. Dort wurden westliche
Winde angetroffen zu einer Zeit, in welcher die weiter nördlich, freilich auch
bedeutend östlicher stehende „Anna‘“ durch Gegenwinde zurückgehalten wurde.
Diese verschiedenen Winde waren eine Folge der entgegengesetzten Stellung
dieser Schiffe zur Bahn jenes Tiefdruckgebietes der Karte XII, dessen Mittel-
punkt am 12. März bei 43° Nord in 30° West zu liegen schien. In der Nähe
der Aufsengründe des Kanals wurde „Lagos“ mehrere Tage durch Ostwinde
zurückgehalten, während die anderen beiden Mitsegler dort günstigere Winde
fanden. „Hermann‘ erreichte den St Georgs-Kanal am 26. März, ‚Lagos‘ passirte
„Lizard“ am 2. April und „Anna“ that dasselbe am 27. März.
Sehr verschieden an Dauer waren die Reisen der beiden Schiffe „Dora“
und „Ferdinand“, von denen das erstere von New- York, das letztere von Wil-
mington aus in See gegangen war. Verursacht wurde dies durch die von „Fer-
dinand‘“ auf dem letzten Reiseabschnitt angetroffenen ungünstigen Verhältnisse,
denn bis nach 30° W nahmen beide Reisen einen fast gleichmälsigen Verlauf.
Nachdem die Schiffe während der ersten Tage ihrer Fahrt durch kräftigen Ost-
wind zurückgehalten worden waren, der in Begleitung jenes Tiefdruckgebietes der