456 Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte., Frühling 1887,
südlichen Kurs einhaltende „J/. W. Wendt‘ segelte dabei bis zum 4. Mai nach
45° Nord in 38° West. „Felix Mendelssohn“ befand sich damals trotz angetroffener
nicht ungünstiger Winde erst in 39° Nord und 365° West. Am 7. Mai Mittags
stand das erstere Schiff in 44,4° Nord und 42,2° West und das letztere in
39° Nord und 42,7° West. An diesem und dem folgenden Tage konnte der von
irischem Nordwinde begünstigte „J. W. Wendt‘ 440 Sm nach Westen zurück-
legen, während „Felix Mendelssohn‘ mäfsige bis leichte Südwinde beobachtete,
bei denen nur 215 Sm gut gemacht werden konnten. Diese verschiedenen Ver-
hältnisse verdankten die Schiffe jenem flachen Tiefdruckgebiete der Karte XVII,
dessen Mittelpunkt am 7. Mai in etwa 43° Nord und 40° West zu liegen schien.
[m ferneren Verlaufe der Reise wurde der, dem „Felix Mendelssohn‘ allmählich
mehr und mehr voraufeilende J. W. Wendt“ noch wiederholt von den Winden
besser, als jenes Schiff begünstigt. So legte derselbe z. B. am 15. Mai bei
xräftigem Nordostwinde nicht weniger als 306 Sm zurück, während „Felix
Mendelssohn‘, bei dem ein Südwind von gleicher Stärke wehte, 183 Sm gut machen
konnte. Die Verschiedenheit der Winde scheint in diesem Falle einerseits durch
das am 15. Mai mit seinem Mittelpunkte unweit von 30° Nord in 63° West
liegende Tiefdruckgebiet und andererseits durch die Lage des einen Hochdruck-
gebietes der Karte XIX, nahe dessen westlichem Rande sich „Felix Mendelssohn“
befand, bewirkt worden zu sein. Jener Ostwind, bei dem der „J/. W. Wendt“
sich in 4 Tagen mehr als 900 Sm seinem Ziele nähern konnte, begleitete dies
Schiff bis nahe zu der am 18. Mai erreichten Mündung des Delaware. Die Fahrt
über den Ocean war in 24 Tagen vollendet worden.
Von den letzten beiden, ihre Reise im April antretenden Schiffen der Liste
umsegelte „Bremen‘“ die Nordspitze Schottlands, während „Betty“ die Kanalroute
benutzte. Beide Reisen nahmen anfänglich, obgleich „Betty‘‘ in Folge von süd-
westlich von ihr auftretenden, flachen Tiefdruckgebieten häufiger als „Bremen“ von
Ostwinden begünstigt wurde, einen ziemlich befriedigenden Verlauf. Nachdem
„Bremen‘ am 7. Mai 30° West überschritten, hatte das Schiff mehrere Tage an-
haltende Westwinde zu überstehen, die mit jenem Tiefdruckgebiete kamen, dessen
zekrümmte, von Grönland her zu verfolgende Bahn durch die Dänemark-Straße
nach Nordosten führte. (Siehe Karte XVII.) Im weiteren Verlaufe der Reisen
hatten beide Schiffe fast ununterbrochen gegen westliche Winde zu kämpfen, die,
weil sie bei „Bremen‘“ stürmischer als bei „Betty‘‘ auftraten, dem Fortgange
jenes Schiffes am hinderlichsten waren. Ein frischer Ostwind von mehrtägiger
Dauer stellte sich erst ein, als die Schiffe ihrem Ziele schon ziemlich nahe waren.
Am Mittage des 4. Juni, an welchem Tage derselbe durchkam, befand sich
„Bremen“ in 42° Nord und 60,5° West und „Betty“ in 40,5 Nord und 66,4° West.
Jenes Schiff ankerte im Hafen von New-York am 10. und dieses am 6. Juni.
Die drei letzten Schiffe der Liste, „Andromeda'‘, Marie Louise“ und
„Elisabeth‘‘, verliessen den Kanal in der ersten Hälfte des Mai. Von ihnen war
„Marie Louise“ nach New-Orleans, die andern beiden nach New-York bestimmt.
{hre Reisen nahmen alle einen verhältnifsmäßig günstigen Verlauf. Ueber dem
östlichen Theile des Atlantik lag, als der Ocean erreicht wurde, ein auf Karte XIV
verzeichnetes Hochdruckgebiet, dessen nördliche und östliche Winde besonders
die beiden zuerst genannten Schiffe begünstigten. Bei „Klisabeth‘‘ wehten die-
selben nur für kurze Zeit, weil sich wenige Tage, nachdem der Kanal verlassen
worden war, das Hochdruckgebiet nach Süden verschob, wodurch die beiden die
nördliche Route verfolgenden Schiffe sich an die Nordseite der Erscheinung ver-
setzt sahen und bei ihnen ein Umlaufen des Windes nach Westen stattfand.
Bei „Marie Louise‘, die zur Zeit, als jene Verschiebung erfolgte, schon ziemlich
weit nach Südwesten vorgerückt war, rief die veränderte Lage des Hochdruck-
gebietes kein Umlaufen des Windes hervor. Derselbe blieb vielmehr nordöstlich,
nahm noch an Stärke zu und ging später ohne vorherige Unterbrechung in den
Nordostpassat über. (Siehe Karte XIX.) „Andromeda‘ und „Elisabeth‘‘ fanden
dagegen auf dem ganzen übrigen Theil ihrer Reise keine beständigen Ostwinde
wieder. "Theils war dies eine Folge der eben erwähnten Lage des Hochdruck-
yebietes der Karte XIX, theils wurde es bewirkt durch das Auftreten jener
Tiefdruckgebiete der Karte XX, die sich im letzten Drittel des Mai inmitten
des Oceans von Nordwest nach Südost bewegten. Am 24. und 25. Mai wehte der
Westwind bei beiden Schiffen stürmisch. Besonders war dies bei der sich am