Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der deutschen Seewarte, Frühling 1887. 455
von 44° Nord und 36° West zu liegen schien. Es kündigte sich bei den Schiffen
durch rasch abnehmenden Luftdruck und südöstlichen Wind, der bald heftig wurde
und nach Südwest drehte, an. Da kaum nachdem dieses Tiefdruckgebiet ver-
schwunden war, sich die Wirkungen eines anderen weit tieferen derselben Karte, das
sich südöstlich, von der Neufundliand-Bank bewegte, bemerkbar machten, wehten die
Winde bei beiden Schiffen für längere Zeit vorherrschend aus westlicher Richtung,
Bei der sich nördlicher haltenden „Alma‘“ war dieses indessen in geringerem
Mafse der Fall, als bei „Palme“. So wurde „Alma'‘, am 18. April in 43° Nord
and 51,5° West stehend, in Folge ihrer Stellung zu einem dritten Tiefdruckgebiete
der Karte XV, dessen Mittelpunkt an diesem Tage bei 40° Nord und 54° West lag,
von heftigem Nordostwinde begünstigt, während „Palme“ in 45,3° Nord und 36° West
gleichzeitig starken Südwestwind beobachtete. Bei dem sich am 18, April in
37,8° Nord und 62,2° West befindlichen „Mozart“, der im südwestlichen Viertel
dieses Tiefdruckgebietes stand, wehte zur selben Zeit ein stürmischer Nordwestwind.
In Folge dieser für „Alma“ günstigen Verhältnisse näherte sie sich dem „Mozart“
mehr und mehr und entfernte sich in demselben Verhältnils von „Palme‘, Am
24. April Mittags war der Schiffsort von „Alma“ 40,2° Nord in 68,5° West, der von
„Mozart“ 39° Nord in 71° West und der von „Palme‘ 42° Nord in 485° West. Der
kräftige, am 25. und 26. April wehende Nordostwind, der eine Folge jenes flachen
Tiefdruckgebietes war, dessen Mittelpunkt nach Karte XVI am letzteren Tage bei
40° Nord in 70° West lag, führte beide Mitsegler fast gleichzeitig zum Hafen
von New-York. Es waren für „Alma‘ bis dahin nur 20 Tage seit der Abreise
vom Kanal verflossen. Die allem Anschein nach nur geringe Schnelligkeit
besitzende „Palme“ erreichte die Mündung des Delaware am 8. Mai.
Im zweiten Drittel des April verliefsen die drei Schiffe „Johanne‘, „Theodor
Körner“ und „Felix Mendelssohn‘“, von denen das erstere nach New-Orleans, die
anderen beiden nach Philadelphia bestimmt waren, den Kanal. „Johanne‘“ und
„Theodor Körner‘ thaten dasselbe bei mäfigem Ostwinde, während „Felix
Mendelssohn‘ dabei gegen westlichen Wind zu kämpfen hatte. Jener Wind wurde
verursacht durch jenes flache Tiefdruckgebiet der Karte XV, welches sich vom
11. bis zum 13. April vom Busen vou Biskaya über Nordfrankreich nach Osten be-
wegte. Und die „Felix Mendelsohn‘‘ zurückhaltenden Winde traten in Begleitung
jener Tiefdruckgebiete der Karte XV auf, welche sich im letzten Drittel des April
über und in der Nähe von Schottland bewegten. Die im offenen Ocean sogleich einen
südlichen Kurs einschlagende „Johanne‘““ wurde auf demselben für längere Zeit
von leichtem Ostwinde begünstigt. Sie segelte dabei bis zum 22. April nach
32° Nord in 20° West. Bei „Z7heodor Körner‘ endete dieser, zuletzt fast stürmisch aus
Südost wehende Wind, als am 17. April 46° Nord in 20,5 West erreicht worden
war, worauf dann wieder vorherrschend westliche Winde folgten. Dasselbe war bei
„Felix Mendelssohn‘‘, bei dem die Westwinde nur selten und für kurze Zeit unter-
brochen wurden, der Fall. Verursacht wurden dieselben durch die Lage des
Hochdruckgebietes der Karte XVIII. „Johanne‘‘, welche südlich von 30° Nord zu-
nächst sehr lange durch leisen Zug und Windstille aufgehalten wurde, erreichte
erst am 1. Mai, bei 21,5° Nord und 25° West, die polare Passatgrenze. Und
da südlich derselben auch nur ein schwacher, nicht sehr regelmäfsiger Passat
angetroffen wurde, nahm die weitere Reise ebenfalls nur einen verhältnifsmäßig
langsamen Verlauf. Am 26. Mai wurde die Küste von Domingo erblickt und
am 11. Juni die Mündung des Mississippi erreicht. „Theodor Körner“ und „Felix
Mendelssohn‘ wurden westlich von 50° West in Folge der im zweiten Drittel des
Mai südlich von ihnen auftretenden, in Karte XIX verzeichneten Tiefdruck-
gebiete mehrfach von Ostwinden begünstigt. Von ihnen erreichte das erstere
Schiff am 14. und das letztere am 27. Mai die Mündung des Delaware.
Nach bedeutend schnellerer Reise, als diese beiden Schiffe, gelangte zu dem-
selben Ziel, der in den Atlantik vom Norden Schottlands einsegelnde „J. W. Wendt“.
Als dieses sehr grosse und schnellsegelnde Schiff am 24, April Fair Island
passirte, befand sich „Felix Mendelssohn‘ in 46° Nord und 10° West. Bei
„J. W. Wendt“ stellten sich nach einigen Tagen kräftige Nordwinde ein, die
anfänglich von dem damals laut Karte XVI in der Nähe Schottlands sich be-
wegenden Tiefdruckgebiete herrührten, später aber von der Lage des auf
Karte XVII angegebenen Hochdruckgebietes verursacht wurden. Der, mit Rück-
sicht auf unweit der Neufundland-Bank etwa anzutreffende Eisberge, einen ziemlich