AL
Vierteljahrs-Wetter-Rundschan der Deutschen Seewarte, Frühling 1887.
Von den beiden Mitseglern „Mozart“ und „Hermann“, von denen dieser
nach Philadelphia, jener nach New-York bestimmt war, betrat das letztere
den offenen Ocean vom Kanal, das erstere vom Norden Schottlands aus. Beide
Schiffe waren von Bremen ausgegangen, und zwar hatte „Hermann“ schon am
27. Februar die Wesermündung verlassen, während „Mozart“ dasselbe erst am
8, März gethan hatte; durch in der Nordsee angetroffene, anhaltende Gegenwinde
veranlafst, setzte der Kapitän des ‚Hermann‘ den Kurs auf Fair Island, während
„Mozart“ der durch den Kanal führenden Route folgte. Da auch in höherer
Breite von „Hermann‘“ keine günstigeren Windverhältnisse aufgefunden werden
konnten, mufßten auch die Schetlands-Inseln umsegelt werden, und wurde als
Folge davon am 21. März der mitten zwischen Island und den Orkneys liegende
Punkt von 63,5° N in 10° W erreicht. Zur gleichen Zeit befand sich der Mit-
segler „Mozart“ schon bei 46,5° N in 21,5 W. Dieser war, nachdem er am
16. März den Kanal verlassen hatte, durch einen beständigen, mäfsig starken
Üstwind begünstigt worden, welcher eine Folge jenes kleinen, vom 15. bis zum
19. März über Irland gelagerten Hochdruckgebietes war. Der gleichzeitig an der
nördlichen Seite dieser Erscheinung stehende „Hermann‘ wurde dagegen durch west-
liche Winde zurückgehalten. Die verschiedenen, im letzten Drittel des März im
nördlichen Theile des Atlantik erscheinenden, auf Karte XIIl zu findenden Tief-
druckgebiete brachten den Mitseglern indessen Winde, die für „Mozart‘‘ un-
günstiger, als für „Hermann‘ waren. Ebenso blieb dies letztere Schiff auch von
dem heftigen Weststurm unberührt, den „Mozart‘“ am 31. März überstand. Der-
selbe trat in Begleitung des Tiefdruckgebietes der Karte XII auf, dessen Mittel-
punkt an jenem Tage bei 54° N in 22° W zu liegen schien. Dasselhe verursachte
bei „Mozart“ eine Luftdruckabnahme bis auf 742 mm. ‚Hermann‘, welcher damals
und an den folgenden Tagen von mäfsigem Ostwinde begünstigt wurde, ver-
folgte bei demselben einen südwestlichen Kurs. Als er am 29. März nach 55,5° N
in 25° W gelangt war, befand sich gleichzeitig „Mozart“ in 44,3° N und 31° W.,
Hier stellte sich bei diesem Schiffe, in Folge der Lage des in Karte XIV ein-
gezeichneten Hochdruckgebietes, ein kräftiger nordöstlicher Wind ein, von dem
in diesem Falle der dem nördlichen Rande des Hochdruckgebietes nahestehende
„Hermann‘ nichts verspürte. Dagegen merkte dieses Schiff nur wenig von dem
schweren Nordweststurm, unter dem „Mozart“ am 13. und 14. April litt. Der-
selbe schien von jenem Tiefdruckgebiete der Karte XV herzurühren, welches sich
südwestlich von der Neufundlandbank auf höchst ungewöhnlicher Bahn bewegte
und dessen Mittelpunkt am 14. April bei 40° N in 49° West lag, „Mozarts“ Schiffs-
ort war an diesem Tage 37° Nord in 61,2 West, während „Hermann‘“ sich gleichzeitig
in 38° Nord und 47,5° West befand. Nachdem dieses Unwetter sich gemäfsigt hatte,
wurde der übrige Theil der Reisen beider Schiffe von Stürmen nicht weiter be-
unruhigt. Wie aus den Karten XVI und XVII ersichtlich, waren die in der zweiten
Hälfte des April im westlichen Theile des Atlantik auftretenden Tiefdruckgebiete
nur flache, die wenn von auch meist aus westlicher Richtung kommenden,
doch nicht von heftigen Winden begleitet waren. Mit ihrer Hülfe segelte „Mozart“
bis zum 26. April zum Hafen von New-York und „Mermann“ bis zum 4. Mai
zur Mündung des Delaware. Das Einschlagen der hoch nördlichen Route hatte
dem Schiffe keinen Vortheil gebracht. Denn es waren für dasselbe, um von der
Weser aus den Delaware zu erreichen, 66 Tage erforderlich gewesen, während
„Mozart“ die Strecke Wesermündung— New- York in 49 Tagen vollendete.
„Mozarts“ Reise, die im Vergleich zu der des „Hermann‘‘ eine ganz
günstige gewesen war, wurde an Schnelligkeit indessen weit übertroffen durch
die Reise der Bark „Alma“, welche nach nur zwanzigtägiger Fahrt gleichzeitig
mit „Mozart“ New- York erreichte. „Alma“ hatte am 6. April, einen Tag später
als das ebenfalls im Verzeichnifs angeführte Schiff „Paulme‘“ es that, den Kanal
verlassen. Vor der Mündung desselben wehte damals ein stürmischer Nordost-
wind, welcher theils eine Folge eines sich über dem Mittelmeer bewegenden Tief-
üdruckgebietes, theils durch die Lage des auf Karte XIV verzeichneten Hoch-
druckgebietes geschaffen worden war. „Alma“ segelte bei demselben in 6 Etmalen
bis nach 46,5° Nord in 39° West, während die einen etwas südlicheren Kurs
steuernde „Palme“ nur bis nach 43° Nord in 30° West von dieser günstigen Ge-
legenheit begleitet wurde. Beide Mitsegler geriethen dann in den Bereich jenes
Tiefdruckgebietes der Karte XV, dessen Mittelpunkt am 13, April in der Nähe