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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

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Segelanweisung für die Deli-Mündung. 
der Nähe der Ansegelungstonne ist die Stromgeschwindigkeit bei Fluth und Ebbe 
ca 1!/ bis 2 Sm die Stunde. Die Richtung derselben ist NNW—SOzS. Weiter 
nach innen zu hat der Strom die Richtung des Fahrwassers. 
An beiden Seiten der Mündung ist die Küste niedrig und hat keine Land- 
marken; die Küste besteht aus weichem Schlamm, auf welchem Bakan-Bäume 
stehen. Nur bei der Spitze Batoe Tjamal, 1'/2 Sm nördlich der Belawan-Mündung, 
befindet sich ein kurzes Ende Sandstrand, auf welchem einige Tjemara-Bäume sich 
als dunkle Punkte abheben. Diese Stelle kennzeichnet sich gut, und muß 
man dann bei südwestlichem Kurse auf den niedrigsten Berg zwischen der Deli- 
Mündung und der Langkat-Berggruppe zusteuern. Schiffe, welche von Penang 
nach Deli bestimmt sind, müssen besonders in den Monaten September und 
Oktober darauf achten, dafs in der Mitte der Malakka-Strafse dann starker süd- 
östlicher Wind einsetzt. Von dem Feuerschiff aus und nördlich des Fahrwassers 
sieht man die Deli-Mündung offen, doch darf man dieselbe nicht mit der weniger 
gut zu erkennenden Belawan-Mündung verwechseln. Die nördliche Einfahrtsspitze 
der Belawan-Mündung heifst Tandjoeng Belawan, und die Insel, welche von den 
Flüssen Belawan und Deli und dem diese Flüsse verbindenden Arm Yroesan ge- 
bildet wird, heifst gleichfalls Belawan; auf der Ostspitze dieser Insel liegt ein 
Fischerdorf, und die Insel selbst steht mit dem Festlande durch eine Eisenbahn- 
brücke in Verbindung. An der Westseite der Insel liegt der Versandhafen von 
Deli, und der vor diesem Hafen liegende Theil des Flusses wird Belawan-Rhede 
enannt. 
5 Das Befahren des Belawan-Fahrwassers und Flusses ist bei Tage durchaus 
nicht schwierig. Da jedoch die Untiefen südlich des Feuerschiffes sich weiter 
nordwärts ausdehnen, so müssen die Dampfer beim Einlaufen das Feuerschiff an 
B-B. in einem Abstand von 1000 bis 1500 m behalten. Die Ansegelungstonne 
ist gleichfalls an B-B. zu behalten, und in dem betonnten Fahrwasser mufßs man 
sich an der weißen Tonnenseite halten. Im Flusse selbst mufs man das Mitte- 
fahrwasser halten bis zu den rothen Tonnen, welche an der NW-Spitze der Insel 
Belawan liegt und die daselbst trocken fallende Bank kennzeichnet. Von hier 
halte man sich an der St-B.-Seite bis zur Rhede von Belawan. An der Westseite 
der Rhede befindet sich bei dem Holzschlägerdorf eine Bank, welche ınan ver- 
meidet, wenn man nicht innerhalb der auf 6,4 m Wasser liegenden weilßs-schwarzen 
Tonne geht. Diese Tonne bezeichnet eigentlich die Tongkan-Rhede, auf welcher 
noch zwei weiße eiserne platte Tonnen liegen. Die Wassertiefe auf dieser Rhede 
beträgt bis zu 12,8 m, aber ist nicht sehr grols. 
Für Segelschiffe ist die Einsegelung nicht besonders schwierig, denn es 
fällt Hochwasser mit der Seebriese stets zusammen. Mit nördlichen und östlichen 
Winden kann man die Rhede bequem erreichen, auch selbst mit NNW ist es 
noch möglich. Im letzteren Falle mufß man sich an der westlichen Seite zu 
halten suchen, da der Strom dann stark nach der ersten rothen Tonne setzt, 
welche bei einer flachen, steil abfallenden Sandbank liegt. Ein geregelter 
Schleppdampfer-Verkehr ist hierselbst nicht, ebenso besteht kein Lootsenzwang. 
Bei Nacht ist das Ein- und Auslaufen nicht anzurathen, und kann es nur 
von einem Dampfer ausgeführt werden, welcher beständig lothet. Da das 
Hochwasser nur bei Nacht mit ablandigen Winden zusammenfällt, so ist das 
Verlassen der Rhede unter Segel sehr beschwerlich und zeitraubend. Schiffe 
von geringem Tiefgang sowie die kleinen Küstendampfer haben nicht nöthig, das 
betonnte Fahrwasser einzuhalten, dieselben können gleich nördlich der dritten 
rothen Tonne recht Ost steuern. 
Der Ort Belawan bildet das Ende der Deli-Eisenbahn und ist von allen 
Seiten von mit Bakan-Bäumen bestandenem Schlamm umgeben, welcher bei Hoch- 
wasser zum grofsen Theil überschwemmt wird. Aus diesem Grunde halten sich 
hier nur sehr wenig Europäer auf. Die Bewohner sind meistentheils Inländer 
und Chinesen; die letzteren wohnen meistens als Holzfäller an dem- westlichen 
Flußufer gegenüber der Stadt und zum Theil am östlichen Ufer südlich von 
Belawan. Die Stadt vergrößert sich alljährlich und hat mehrere Landungs- 
brücken, an welchen die Dampfer anlegen können. Auf der einen dieser Brücken 
brennt ein rothes Laternenfeuer, Ebbe und Fluth sind hierselbst vollständig zu 
beobachten, und erreicht besonders die Ebbe zuweilen die Stromgeschwindigkeit 
von 2 Sm.
	        
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