Reisen der deutschen Schiffe „Columbus“ und „Eleanor Margaret“ nach Yokohama. 435
dauer von 80° O-Lg bis hier von 30 Tagen wär etwas geringer, als die Seewarte
angenommen hatte, und war dieser Gewinn wohl hauptsächlich auf der Strecke
von Java Head her entstanden. Nördlich der Linie war der Wind vorherrschend
westlich, später veränderlich zwischen W durch S bis E, blieb aber immer sehr
flau. Der Strom setzte mit 1 Kn Fahrt nach NO. Wir steuerten zwischen den
Natunas-Inseln hindurch und schnitten 5° N-Br in 109,4° O-Lg am 3. Mai und
10° N-Br in 111,5° O-Lg am 9. Mai. Von 13° N-Br an hielt sich der Wind
entschieden im östlichen Viertel zwischen SE und NE, zeitweilig etwas frischer
wehend, dann wieder zur Stille abflauend. In 17° N-Br drehte er sich durch
NE bis N; wir steuerten damit auf B-B.-Halsen bei dem Winde ostwärts und
sichteten am 21. Mai die Küste von Luzon, eben südlich von Kap Bojeador.
Von hier an hatten wir den Wind wieder sehr veränderlich mit heftigen
Böen aus WSW, begleitet von strömendem Regen. Wir passirten damit Botel
Tabago an der Ostseite in 30 Sm Abstand, Am 25. Mai um 6 Uhr Morgens
kam frische Briese aus SSW durch, aber kaum, dafs wir vierkant gebrafst hatten,
sprang der Wind plötzlich auf NNE und nahm innerhalb einer halben Stunde
zur Stärke 9 zu; Barometerstand 758,0 mm. Da wir die Segel nicht rasch genug
bergen konnten, ging ein grofser Theil derselben verloren. Der Wind wehte
mit unverminderter Kraft aus derselben Richtung bis zum 26. Mai, während das
Barometer allmählich bis 761 mm stieg; dann holte er, bis zur frischen Briese
abnehmend, nach E und später nach SE, mit Regen. Am 28. Mai Morgens
segelten wir durch die Meiaco Sima-Gruppe hindurch; am 31. Mai passirten wir
zwischen den Linschoten und den Lu-Tschu-Inseln. Der Wind war jetzt WSW,
bald flau, bald steife Briese, mit anhaltendem Regen, der Strom günstig, bis zu
23 Kn Fahrt mitlaufend. Wir wollten Kap Osima anlaufen, sichteten auch das
Land, doch holte der Wind dann, frisch wehend, in einem Zuge von WSW auf
NE, so dafs wir zu kreuzen genöthigt wurden. Der östliche Strom hatte zugleich
gänzlich aufgehört. Dies war am 3. Juni; erst am 6. Juni Abends sichteten wir
das Feuer von Rock-Insel. Hier holte der Wind südlicher, mit Regen, und nahm
nach Mitternacht rasch an Stärke zu, während das Barometer, das sich in den
letzten Tagen auf 764 mm gehalten hatte, ebenso rasch fiel. Von 4% bis 5'/ Uhr
Morgens am 7. Juni wehte es orkanartig aus SSW, bei strömendem Regen; das
Barometer fiel bis 751,2 mm. Wir hatten das Schiff beigelegt und nur das Grofs-
untermarssegel stehen; rings von Land umgeben und wegen des dicken Regens
nicht im Stande, irgend etwas zu sehen, befanden wir uns in keiner angenehmen
Lage. Nach 7 Uhr Morgens flaute der Wind rasch ab, das Barometer stieg ein
wenig, und die Luft klarte ab. Am Mittage standen wir eben nördlich von Vries-
Insel. Bis zum Morgen des 8. Juni blieb es windstill; dann kam auffrischende
Briese aus E durch. Wir steuerten damit in Yokohama-Bai hinein und ankerten
um 6 Uhr Nachmittags auf der dortigen Rhede.
Die Dauer unserer Reise von New- York war 147 Tage. Während der
ganzen Fahrt waren wir zusammen mit einem amerikanischen Schiffe, passirten
zur selben Stunde mit diesem Sandy Hook, zur selben Stunde Anjer, segelten
von dort wochenlang in Sicht von einander und kamen schliefslich fast zur selben
Stunde in Yokohama zu Anker... Was die Reise von Anjer her so lang gemacht
hat, sind nur die sehr flauen Winde gewesen; die Windrichtung wie auch der
Strom waren fast immer günstig. Ob ich besser gethan hätte, östlich von
Australien zu gehen, erscheint mir sehr fraglich. Ein hier liegender Engländer,
welcher Anfang Dezember von New-York segelte und jene Route einschlug,
passirte die Bass-Strafse nach 87 Tagen, hatte von dort aber noch 71, also im
Ganzen 158 Tage Reise.
2. Bericht des Kapt. J. Fischer vom Schiffe „Eleanor Margaret‘*
über die Reise von Cardiff nach Yokohama.
Im Schlepp eines Dampfers, der uns bis /fracombe brachte, verließen wir
am 28. Jannar 1890 Mittags 12 Uhr Barry Dock, Cardiff. Der Wind war NNW
und lief bald westlicher, doch kamen wir frei von den Scilly-Inseln. In den
nächsten Tagen hatten wir viel Windstillen, dann veränderliche Winde zwischen
NW und WSW. Der Passat, den wir am 14. Februar in ungefähr 19,6° N-Br
und 25,4° W-Lg erhielten, begleitete uns, leicht aus NE- bis E-Richtung wehend,
Ann. 4. Hydr. etc... 1891. Heft X1.