Zusätze zu den Segelanweisungen von Port Jero und Port Kalloni auf Mytilene. 433
Später hat ein in der Nähe ansässiger, deutsch und französisch sprechender Fabrik-
besitzer die Besorgung von Briefen etc. aus Gefälligkeit übernommen.
Sanitäre Verhältnisse,
Ueber die Gesundheitsverhältnisse der Insel Mytilene, im Besonderen der
Bucht von Jero, finden sich keinerlei amtliche Nachweisungen. Die fruchtbare
Insel hat eine trockene, warme und eine kalte, nasse Jahreszeit, und sind, wie
stets, die Uebergangsperioden die der Gesundheit am schädlichsten. Als einhei-
mische Krankheit ist Malariafieber bekannt und zwar nur vorkommend in den
sumpfigen Niederungen, welche kurze Strecken der Bucht von Kallont und Jero
einnehmen. Diese Niederungen werden deshalb im Frühjahr und Herbst möglichst
gemieden und nur zur Erntezeit der Olivenwaldungen aufgesucht. Nach Aussage
eines Arztes, der in Deutschland studirt hat, mit zwei griechischen Kollegen die
ärztliche Praxis in den Ortschaften der Bucht von Jero ‚versieht und seinen
Wohnsitz in Papados hat, ist mit Ausnahme einer Influenza-Epidemie im Jahre
1889 der Gesundheitszustand der Bucht von Jero ein sehr guter. Ein Gleiches
wurde von glaubwürdigen Personen für die Hauptstadt der Insel — Castro —
versichert. Dort befindet sich ein Krankenhaus für unbemittelte Leute, welches
vornehmlich von der griechischen Gemeinde erhalten wird und unter Aufsicht
griechischer Aerzte steht. Ein kleines Hospital besteht ferner für die auf ungefähr
200 Mann geschätzte Besatzung des Forts in Castro. Es liegt in der Festung
selbst, hat 18 Betten auf zwei Stuben vertheilt, ist sehr einfach eingerichtet,
doch reinlich. Die Leitung liegt in der Hand eines türkischen Militärarztes.
Zur Zeit war es mit drei Personen belegt, von denen zwei an Darmkatarrhen
litten, die dritte mit einem rechtsseitigen Leistenbruch behaftet war. Von heißen
Quellen sind zwei zu nennen, die eine im Norden von Castro, die andere in der
Bucht von Jero, am Landungsplatz unserer Schiffe, Die letztere wird als Bade-
platz von den Einwohnern der Insel besucht, befindet sich in einem niedrigen
Hause, welches ein Marmorbassin von 9m Länge, 4,15 m Breite und 0,90 m Tiefe
umschliefst. Die Temperatur des Wassers beträgt 30° C., die der Luft im Bade-
raum 22,5° C. Die Erneuerung des Wassers im Bassin, die durch steten Zu- und
Abflufs zu Wege kommt, geschieht in einer Stunde. Das Wasser soll nicht
schwefel-, doch eisenhaltig sein.
Ganz in der Nähe des Landungsplatzes befindet sich ebenfalls eine kalte
Quelle, die das Trinkwasser für die spärlichen Bewohner der Umgebung liefert.
Während des Aufenthalts der Schiffe auf Mytilene sind keine schweren
Krankheiten aufgetreten. Der Hauptzugang bestand in Mandelentzündung, hervor-
gerufen durch die nafskalte Witterung und Durchnässungen, die bei den vielen
heftigen, plötzlich auftretenden Regengüssen nicht zu vermeiden waren.
Reisen der deutschen Schiffe „Columbus‘“, Kapt. B. Sauermilch,
und „Eleanor Margaret‘, Kapt. J. Fischer, vom Atlantischen
Ocean nach Yokohama.
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte.)
Im Januar 1890 traten die beiden Schiffe „Columbus“ und „Eleanor Margaret“
das erstere von New- York, das letztere von Cardıf, eine Reise nach Yokohama
an, zur Ausführung welcher denselben auf Wunsch ihrer Führer von der Seewarte
eine schriftliche Segelanweisung mitgegeben wurde. Der letzteren gemäfs sollte
„Columbus“, ein hölzernes Vollschiff von 1731 Registertonnen, falls 80° O-Lg
erst nach dem 20. März erreicht werden würde, den kürzesten möglichen Weg
durch die Sunda-Strafse und die China See nehmen, da es hier alsdann den Wind
schon vorwiegend aus dem südlichen Halbkreise zu erwarten hatte. Der „Zleanor
Margaret‘, einem aus einem Dampfer umgebauten eisernen Viermaster von
2327 Netto-Registertonnen Raumgehalt, der wegen seiner enormen Länge —