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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

432 Zusätze zu den Segelanweisungen von Port Jero und Port Kalloni auf Mytilene. 
Steigerung eintreten können. S. M. S. „Friedrich Carl“ will als stärksten Strom 
3 Sm geschätzt haben. 
Wenige hundert Meter von dieser Stelle ist der Strom schon sehr un- 
bedeutend. Es scheint, als ob auf der Rhede zu Zeiten ein Unterstrom in ent- 
gegengesetzter Richtung läuft, da Fälle beobachtet sind, in welchen die Schiffe 
gegen den Wind und entgegengesetzt der derzeitigen in der Einfahrt laufenden 
Ebbströmung vor Anker schwaiten. 
Die Wetterbeobachtungen beziehen sich nur auf Dezember und Anfang 
Januar. Bestimmte vorherrschende Winde waren nicht nachzuweisen; die Stärke 
überschritt nur an zwei Tagen 6 und erreichte 8, blieb aber meistens unter 3. 
Das Barometer stand gewöhnlich hoch, über 760 mm; vereinzelt wurden Stände 
unter 755 mm, als höchster Stand 770 mm beobachtet. 
Die mittlere Tagestemperatur betrug in den genannten Monaten 11 bis 
12° C., die Niederschläge waren bedeutend; es kann angenommen werden, dals 
es etwa jeden zweiten Tag regnete, 
Die Verhältnisse im Port Kallonzi scheinen durchschnittlich etwas günstiger 
zu sein, wie in der Pandelemona-Bai oder auf der Aufsenrhede, 
Brauchbarkeit für militärische Uebungen. Das Becken von Port 
Kalloni ist ca 11 Sm lang, 2 bis 4 Sm breit und hat durchschnittliche Wasser- 
tiefen von 12 bis 15m, im südlichen Theile etwas mehr; dasselbe ist in einer 
Entfernung von 1000 m im nördlichen Theile frei von allen Untiefen. Der 
Grund, grauer Schlick, gewährt guten Ankergrund. 
Als Liegeplätze sind die Stellen östlich von Parakeli und nördlich von 
Nofitcha zu empfehlen. 
Bei Anwesenheit mehrerer Schiffe ist jedoch eine Vertheilung derselben 
wegen der nur geringen Leistungsfähigkeit der Umgegend an Proviantlieferung 
anzurathen, 
Bei starkem südlichen Winde soll in Port Kalloni verhältnismäßig viel See 
aufkommen, und wird, eingeholten Erkundigungen zufolge, alsdann der innere 
Theil der nordöstlichen Bucht bei Bura, besonders von kleineren Schiffen, als 
Ankerplatz bevorzugt. 
Was die Brauchbarkeit des Hafens als Uebungsplatz anbelangt, so gilt 
dasselbe wie für Port Jero. 'Torpedoschiefsen, Minensuchen, Sprengdienst, Boots- 
dienst jeder Art, Gewehrschiefsen an Bord können unter den günstigsten Bedingungen 
abgehalten werden; desgleichen ist gute Gelegenheit für Beurlaubungen, Jagd 
und Fischerei. 
In Hinsicht auf die minder günstigen Verpflegungsverhältnisse und die 
Verbindung wird Kallont für einen längeren Aufenthalt weniger zu empfehlen 
sein, für ungestörte Vornahme obiger Uebungen auf kurze Zeit hingegen immer 
einen guten Stationsplatz bieten. 
Hierbei bleibt noch hervorzuheben, dafs das Ein- und Auslaufen bei Kalloni 
im Gegensatz zu Port Jero bei hinreichender Bezeichnung der Einfahrt für nicht 
gut drehende Schiffe leichter und gefahrloser ist als bei letzterem Hafen. 
Ausrüstung. Die an der Bucht von Kalloni liegenden Ortschaften sind 
nicht im Stande, für ein grofses Kriegsschiff den erforderlichen Proviant längere 
Zeit hindurch zu liefern. Es ist nothwendig, den Proviant von Castro-Mytilene 
zu beziehen und hierfür möglichst frühzeitig Vorkehrung zu treffen. Während 
der Anwesenheit S. M. SS. „Friedrich Carl“ und „Preufsen“ hat der Lieferant 
Huck frischen Proviant zu den für Port Jero vereinbarten Preisen geliefert. 
Vorher anderweitig gekauftes Brot kostete 34 Pfy. pro Kilogramm. Für Fleisch 
mu[sten ungefähr die diesbezüglichen Preise der Heimath bezahlt werden. Selbst 
bei diesen, für die Verhältnisse des östlichen Mittelmeers hohen Preisen konnte 
der Bedarf von den beiden Schiffen auf die Dauer in der Nähe von Port Kalloni 
nicht gedeckt werden. 
Eine Verständigung mit den Eingeborenen ist nur vermittelst der 
griechischen oder türkischen Sprache möglich, 
Die nächste Poststation war Akeroni, das auf schlechtem Wege in 
1'/s Stunden zu erreichen ist. Die Poststation Nofitcha — in 4 Stunden zu Pferd 
zu erreichen — ist des besseren Weges wegen vorgezogen worden. In Akeroni 
mufste behufs Verständigung mit dem Postbeamten ein Dolmetscher — der einzige 
am Örte — angenommen werden, der sich unverhältnifsmäfsig bezahlen lief.
	        
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