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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

Zusätze zu den Segelanweisungen von.Port Jero und Port Kalloni auf Mytilene. 431 
2. Port Kalloni. 
Segelanweisung. Die Einfahrt nach Port Kalloni markirt sich auf ca 6 Sm 
durch die vorliegende kleine Insel Kalloni. Man steuert dieselbe mit ONO—NO- 
Kurs an und ankert zunächst 400m nördlich von der Insel auf ca 30 m Wasser, 
da ein Einlaufen in die innere Bucht ohne vorheriges Ausbojen des Fahrwassers 
wegen Fehlens brauchbarer Landmarken nicht angängig ist. 
Der Ankergrund auf der Aufsenrhede ist felsig und abschüssig, daher jede. 
Vorsicht geboten. Schiffe sollten hier nur kurze Zeit bleiben und möglichst bald 
in den Hafen von Kalloni einzulaufen suchen. 
Für das Ausbojen des Fahrwassers der Einfahrt sind in erster Linie die 
äufseren Umrisse der Platy-Bank sowie die Enden des Riffes gegenüber Palaka 
Fanari malgebend. Werden die Tonnen an der Platy-Bank auf 10 bis 12m 
gelegt, so kann man dieselben auf 10 bis 15 ın Abstand passiren und hat durchweg 
ein freies, tiefes und nur wenig gekrümmtes Fahrwasser für die gröfsten Schiffe, 
Beim erstmaligen Ein- uud Auslaufen thun grofse Schiffe jedoch gut, auch 
die südliche Grenze des Fahrwassers vollkommen zu bezeichnen, um sich über die 
Breite der tiefen Fahrrinne zu orientiren. Dieselbe ist an ihrer engsten Stelle 
etwas östlich von Palaka Fanari 70m breit bei einer theilweisen Tiefe von 30 
bis 40m. Beim Einlaufen halte man sich möglichst an die B-B.-Tonnenreihe 
der Platy-Bank entlang und dicht an Palaka Fanari heran. Der Boden steigt 
hier an B-B. ganz steil an, und das Handloth findet stellenweise keinen Grund, 
Nach Passiren der Enge nehme man direkt Kurs auf die Mitte der kleinen Insel 
Erimo-nisi in die Pandelemona-Bai hinein, drehe dann langsam nach St-B. und 
passire in der Mitte zwischen Peramo Kavo und dem gegenüber liegenden süd- 
ichen Kap. Es empfiehlt sich, die bei diesen Landspitzen vorspringenden Riffe 
an ihren Enden gleichfalls mit Tonnen zu bezeichnen. 
Das Auslaufen geschieht in entsprechender Weise. Nach Passiren von 
FPeramo Kavo und Erimo-nisi halte man auf die bei Palaka Fanari vorher aus- 
gelegten Tonnen. Man achte hierbei darauf, dafs bei einlaufendem Strom, welcher 
in der Enge Geschwindigkeiten bis 1!/z Sm und darüber erreichen kann, kein 
seitliches Versetzen, namentlich an die Untiefen der südlichen Küste heran, 
stattfindet. 
Wenn angängig, sollte man das Ein- und Auslaufen stets bei Gegenstrom 
vornehmen, da sonst die Steuerfähigkeit bei langsamem Gang der Maschine zu 
der Fahrt des Schiffes über den Grund in ungünstigem Verhältnifs steht. ; 
Von Palaka Fanari an wird in 10 bis 15m Abstand an den Tonnen der 
Platy-Bank entlang gesteuert. Das Fahrwasser wird nach wenigen hundert Metern 
schon beträchtlich breiter; sobald man die äufserste Ecke des südlichen Festlandes 
passirt hat, ist das Fahrwasser ganz offen, 
Die Insel Kalloni kann auf 150 m passirt werden. Die Durchfahrt zwischen 
der Insel und dem Festlande ist durch ein Riff auf ca 100 m eingeengt und wird 
nur von Küstenfahrern benutzt. 
Bei Benutzung des Port Kalloni empfiehlt es sich, vorher von den Neben- 
karten der Karte Titel V No. 323 (britische Admiralitätskarte No. 1665) eine 
Skizze in vergröfsertem Mafsstabe anzufertigen und in diese die Hülfsbetonnung 
sowie die beim Ausbojen gefundenen Lothergebnisse über das Fahrwasser einzu- 
tragen. Die Navigirung wird hierdurch wesentlich erleichtert, 
Die auf Tafel 23 gegebene Skizze enthält die von S. M. S. „Kaiser“ 
(1890, Dezember) angestellten Lothungen. nn 
Strömungen, Wind, Wetter. Während im Port Kalloni keine Verände- 
rung des Wasserstandes oder irgend welche Strömung wahrnehmbar” wird, zeigt 
sich .in der Einfahrt eine regelmäfsige Gezeitenströmung, welche indessen durch 
den Wind in ihrer Stärke und Dauer sehr bedeutend beeinflufst wird. Als 
Hafenzeit kann im Mittel 2" 30“ bis 3* angenommen werden. Der gröfste Unter- 
schied zwischen Hoch- und Niedrigwasser unter normalen Verhältnissen betrug 
bei Palaka Fanari 21 cm; die Strandformation läfst jedoch erkennen, daß bei 
starken südlichen Winden Hubunterschiede von 1 m und darüber eintreten können. 
Der ein- und auslaufende Strom setzt in der Enge nach Schätzung 1 bis 
1,5 Sm in der Richtung des Fahrwassers. Bei südlichen Stürmen soll eine
	        
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