430 Zusätze zu den Segelanweisungen von Port Jero und Port Kalloni auf Mytilene.
Beurlaubungen können stets stattüinden; gute Stralsen zum Spaziergange, Reiten
auf Eseln bietet der Besatzung ein billiges harmloses Vergnügen.
Für Öffßziere und Kadetten ist aufserdem gute Gelegenheit zum Jagen
und Fischen.
Port Jero kann daher als Uebungshafen für Schiffe zu längerem Aufenthalt
ganz besonders empfohlen werden.
Ausrüstung. Die Umgebung Port Jeros treibt hauptsächlich Olivenbau,
Feld- und Gartenwirthschaft. Sie ist nur darauf eingerichtet, den Bedarf der
wenigen, an der Bucht bezw. in deren Nähe liegenden Ortschaften zu decken,
Selbst für die Messen ist es schwierig, in diesen kleinen Orten die erforderlichen
Proviantmengen aufzutreiben. Von Viehzucht ist nichts zu bemerken. Nach Lage
der Verhältnisse ist es nothwendig, hinsichtlich der Ernährungsfrage sich auf das
einige Kilometer von Port Jero entfernte Castro-Mytilene zu stützen. Die Wege
dahin sind gut und erleichtern den Transport von Nahrungsmitteln, der ver-
mittelst Esel und Pferden bewirkt wird. Castro ist die volkreichste Stadt der
Insel (ca 20 000 Einwohner). In der Umgebung der Stadt tritt die Olive mehr
zurück und macht vorzugsweise dem Gartenbau Platz. Ein Gang durch die
engen schmutzigen Strafsen der Stadt läfst auf einen regen Verkehr mit dem
Innern der Insel schliefsen.
Es giebt zahlreiche Gemüse-, Brot- und Fleischhandlungen. Alle fufßen
auf dem Kleinbetrieb. Die Vereinigung vieler solcher Handlungen ermöglicht
es, den Bedarf an frischem Proviant, mit Ausnahme von Kartoffeln, für ein Ge-
achwader zu erhalten. Von Kartoffeln sind gewöhnlich nur geringe Vorräthe
vorhanden. Der Verkehr mit den griechisch oder türkisch sprechenden Händlern
gestaltet sich schwierig; ohne Mittelsperson dürfte das Zusammentreiben gröfserer
Proviantmengen schlechterdings unmöglich sein. Das Geschwader hatte dem-
zufolge die Lieferung des frischen Schiffsproviants dem in Smyrna ansässigen
and für dort auch kontraktlich verpflichteten Lieferanten Huck übertragen.
Derselbe hatte sich nahe dem Ankerplatz der Schiffe in Port Jero niedergelassen
and unterhielt in Mytilene Unterlieferanten, Durch die scharfe Konkurrenz des
Schiffshändlers L. Dabcovich aus Konstantinopel, der als alleiniger Konkurrent
auftrat, sind sehr billige Preise erzielt worden. Es hat gekostet:
kg Rindfleich . . 3 Piaster Gold = 55,6 Pfg.
kg Schweinefleisch dx » =927
kg Hammelfleisch . *% nn = 142
kg Brot. . . .. 0,90 »„ =167 ,
kg Kartoffeln . . . .„ . DS0 „ » = 148
kg frisches Gemüse . . . 0,80 „ » = 1465
(110 Piaster Gold = 1 Lstrl. gerechnet.)
Dauerproviant-Artikel sind entweder gar nicht bezw. in nur ungenügender
Menge vorhanden. Dieselben müssen von Smyrna bezogen werden.
Für Beschaffung von Geld, Material und Inventar ist Castro völlig un-
geeignet.
Die gesetzliche Landesmünze der Insel ist die türkische. Der Werthunter-
schied zwischen türkischen Gold- und Silbermünzen beträgt ca 8%, zu Gunsten
des Goldes. Neben der Landesmünze laufen noch englische und französische,
bezw. die den Frances gleichstehenden Stücke anderer Staaten um, Für 1 Lstrl.
wurden 110 Goldpiaster oder bis zu 120 Piaster Silber oder auch 25 Francs
gegeben.
6 In Castro giebt es je eine türkische und österreichische Post- und Tele-
graphenanstalt. Den Postverkehr unterhält ein ägyptischer Postdampfer, der in
Lastro jeden Donnerstag von Konstantinopel eintrifft. Außerdem besteht eine
wöchentlich einmalige Verbindung (Marseille— Smyrna— Castro — Konstantinopel)
mittelst französischer Dampfer und ferner eine 1l4tägige einmalige Verbindung
“Konstantinopel — Castro — Smyrna — Alexandria) durch österreichische Lloyd-
dampfer. Von Smyrna geht ein Lokaldampfer jeden Montag, Dienstag, Mittwoch,
Freitag und Sonnabend, aufserdem alle 14 Tage am Sonntag nach Castro. Jeden
Mittwoch, Donnerstag, Freitag und Sonnabend läuft ein Dampfer von Castro
nach Smyrna.
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