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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

Zusätze zu den Segelanweisungen von Port Jero und Port Kalloni auf Mytilene. 429 
Diese Bezeichnung der Durchfahrt bei Square Rock sollte auch bei häufigem 
Passiren des Fahrwassers, nachdem man bereits mit allen Oertlichkeiten vertraut 
ist, nie unterlassen werden. 
Der weitere Verlauf des Fahrwassers läfst sich nach der Karte leicht 
verfolgen. Die Vermeidung der NNW von Square Rock von Land aus hervor- 
springenden Untiefe bedarf jedoch noch gewisser Vorsicht. Der Kanal von 
Perama Skala ab in das Becken von Port Jero hinein sollte von Schiffen über 
7m Tiefgang stets nur nach vorher ausgeführter Hülfsbetonnung. passirt. werden. 
Begnügt man sich mit 9 m Tiefe, so ist die Fahrrinne ziemlich breit, will 
man jedoch dieselbe mit 10m Tiefe haben, so bleibt nur ein enger Kanal, dessen 
Innehalten nur Schiffen von guter Drehfähigkeit möglich sein wird. ; 
Es mul hierbei bemerkt werden, dafs die Sinkstoffe des kleinen bei Perama 
Skala mündenden Flusses infolge der zwischen Perama und Sidero nicht mehr 
sehr bemerkbaren Strömung sich an dieser Stelle abzulagern und eine allmählich 
fortschreitende Verflachung und Einengung des Fahrwassers zu bewirken scheinen. 
Eine vorherige Untersuchung des Fahrwassers an dieser Stelle ist daher geboten. 
Schiffe mit Tiefgang unter 7m verfolgen von Süd kommend den Kurs in 
Mitte des Fahrwassers so lange, bis man die Insel Sidero frei von dem am 
Strande stehenden weißen Hause sieht. Letzteres passiırt man auf ca 200 m und 
halte von hier ab recht auf Sidero zu. Man lothet dann anfangs 12 bis 15m, 
später herab bis 8'/a m Wasser. 
Sobald das Loth wieder 10m zeigt, drehe man nach West ab und steuere, 
Sidero auf ca 100m passirend, in den Hafen von Port Jero hinein. 
Die Ausfahrt geschieht in analoger Weise. 
Die Strömung in der Einfahrt zu Port Jero ist in der Regel unbedeutend 
und scheint weniger Folge der Gezeiten als von den vorherrschenden Winden 
abhängig zu sein. Dieselbe läuft in Richtung des Fahrwassers. In Port Jero 
selbst ist keine Strömung, sondern nur ein zeitweiliges Steigen und Fallen des 
Wasserstandes um 0,25 bis 0,5 m, höchstens 0,6 m, bemerkbar. 
Das Becken von Port Jero hat bei einer Länge von 4 Sm eine Breite von 
2'/2 Sm und eine fast gleichmäßige Tiefe von 16 bis 18m (9 bis 10 Fad.); die 
10 m-Linie geht an den meisten Stellen bis auf 1'/% bis 2 Kabllg. an die Küste 
heran, mit Ausnahme des nordwestlichen Theiles bei Hippi Skala und des süd- 
westlichen bei Perama Skala, wo das flache Wasser ca 5 Kabllg. weit vorspringt. 
Untiefen irgend welcher Art sind sonst nicht vorhanden. 
Als günstigster Liegeplatz für ein. Geschwader ist der nordöstliche Theil 
der Bucht ca !/2 Sm südlich von den heifsen Bädern zu empfehlen, wo die Schiffe 
in jeder beliebigen Formation auf 12 m Wasser und gut haltendem Schlick- und 
Lehmgrunde ankern können. Die hier unmittelbar an‘der Küste vorbeiführende 
chaussirte Strafse nach Castro-Mytilene: erleichtert die Verbindung mit jener 
Stadt, welche von einem Fußgänger in 1 bis 1'/4 Stunden erreicht werden kann. 
Für einzelne Schiffe ist die kleine Bucht von Perama Skala und Loutro vorzu- 
ziehen, wo die Nähe der beiden grofsen Dörfer gewisse Erleichterung in der 
Verpflegung mit sich bringt. 
Dort Jero bietet als Uebungshafen für Kriegsschiffe. besonders günstige 
Bedingungen. , 
Der vorhandene Raum, die passende Wassertiefe, weicher Grund, das 
Fehlen von Strom und von jeglichem Verkehr und die stets glatte See machen 
den Platz für Torpedoschiefsen, Minensuch- und Sprengdienstübungen besonders 
geeignet. ; 
Für Uebungen mit Booten im Rudern und Segeln dürften nicht leicht 
günstigere Verhältnisse gefunden werden. 
Gewehrschießübungen an Bord sowie das Schiefsen mit Abkommläufen 
können bequem erledigt werden. Falls die Genehmigung der Landesbehörden 
zu erlangen ist, würden sich auch Landungsmanöver und Gewehrschiefsübungen 
am Lande gut vornehmen lassen. . 
Die Küste gestattet das Landen der Boote fast an jeder Stelle ohne 
besondere Vorrichtungen. . 
Für instruktive Vermessungsübungen der Seekadetten eignet sich die Bucht 
weniger wegen der wenig gegliederten Küste und der gleichmäfsigen Wassertiefen,
	        
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