Am. d. Hydr. ete., XIX. Jahrg. (1891), Heft XT.
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Ueber die Uebereinstimmung des nördlichen,. insbesondere des
nordwestlichen Deutschlands im Witterungscharakter.
Von N. Bödige, Duderstadt.
Für die Aufstellung von Wetterprognosen ist die Frage von grofser Be-
deutung: Herrscht in dem Gebiete, für welches die Voraussage gelten soll, eine
hinreichende Uebereinstimmung im Witterungscharakter, so dals eine einzige
Prognose für das Gebiet genügt, oder ist letzteres in mehrere Bezirke zu theilen,
für welche besondere Prognosen auszugeben sind? Diese Frage ist für alle
meteorologischen Elemente wichtig, jedoch von ganz besonderem Interesse für
die Voraussage der Niederschläge. Untersuchungen, welche von dem letzteren
Gesichtspunkte aus die Beantwortung jener Frage sich zum Ziele setzen, liegen
bereits vor für das Königreich Württemberg, für die Schweiz und für Bayern.
Für andere Ländergebiete, so für das nördliche Deutschland, ist dagegen eine
derartige Bearbeitung bislang nicht unternommen worden, und die vorliegende
Abhandlung möge daher einen Beitrag liefern zur Beantwortung jener Frage für
das zuletzt genannte Gebiet. .
Für Untersuchungen dieser Art ist als grundlegend zu betrachten eine im
Jahre 1881 von Herrn Prof. Winkelmann veröffentlichte Abhandlung.') Nach
der in dieser Abhandlung entwickelten Methode suchte G. Mantel*) in Zürich
in demselben Jahre auch für die Schweiz die Frage zu beantworten: Genügt
für die ganze Schweiz eine Prognose, oder ist das Land in mehrere Bezirke zu
theilen? Für Württemberg wurde eine Uebereinstimmung von 85 °%o gefunden
(d. bh. von den württembergischen Stationen zeigen im Mittel 85° Ueberein-
stimmung im Witterungscharakter), für die Schweiz ergab sich eine mittlere
Uebereinstimmung von 82 °%o, so dafs für beide Länder von einer Theilung in
Prognosenbezirke abgesehen werden kann.
Eine ähnliche, wenn auch von anderen Gesichtspunkten ausgehende Unter-
suchung wird für das Königreich Bayern durchgeführt in einer im Jahre 1885
erschienenen Abhandlung von F. Horn.®)
Eine Fortsetzung für andere Gebiete haben, wie bereits bemerkt, diese
drei verdienstvollen Arbeiten bisher nicht gefunden. Der Grund hierfür ist
jedenfalls darin zu suchen, dafs für andere Gebiete, wie z. B. auch für das nörd-
liche Deutschland, das erforderliche Material nur zum geringen Theile veröffent-
licht ist. In den „Meteorologischen Beobachtungen in Deutschland“ sind vom
Jahre 1876 an die täglichen Beobachtungen von folgenden vierzehn Stationen
publieirt: Borkum, Hamburg, Keitum, Kiel, Wustrow, Swinemünde, Neufahrwasser,
Memel, Posen, Berlin, Breslau, Leipzig, Kassel, Aachen. Diese wenigen Stationen
sind aber für ein so grofses Gebiet bei weitem nicht ausreichend und selbst
nicht für die Beschränkung der Untersuchung auf kleinere Bezirke in geeignete
Zusammenstellung zu bringen. Der Verfasser wandte sich daher brieflich an die
Beobachter einer Reihe von Stationen, die geeignet gelegen und seit dem Jahre
1876 ohne längere Unterbrechung thätig waren. Mit Rücksicht auf diesen
letzteren Punkt mufsten viele Stationen von vornherein ausgeschieden werden,
(Ein Verzeichnifs sämmtlicher mit dem Königl. Preufs. Meteorologischen Institut
in Berlin in Verbindung stehenden meteorologischen Stationen, der Beobachter
und des von jeder Station vorliegenden Beobachtungsmaterials findet sich in:
„Ergebnisse der meteorologischen Beobachtungen in Deutschland. Jahrgang 1885*“.)
ij) Winkelmann: Wie erhält man aus Regenbeobachtungen eine Begrenzung von Prognosen-
bezirken? Methode und Anwendung derselben auf Württemberg. Programm zur 63. Jahresfeier der
Königl. Württemb. Akademie Hohenheim.
2) G. Mantel: Räumliche und zeitliche Vertheilung der Niederschläge in der Schweiz.
3) F. Horn: Ein Beitrag zur Kenntnifs der zeitlichen und räumlichen Vertheilung der
Niederschlagshäufigkeit in Bayern.