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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

Vierteljahrs-Wetier-Rundschau der Deutschen Seewarte, Frühling 1887, S % 415 
Auf der Karte XIX, welche diese beiden letzten Zeitabschnitte vorführt, 
fallen die ungewöhnlich nördlich und sogar nordwestlich gerichteten Bahnen 
einer Reihe von Wirbelcentren über Europa in die Augen. Die Vertheilung des 
Luftdrucks und der Temperatur an der Erdoberfläche war zwar solchen Bahnen 
nicht ungünstig, jedoch nicht so ausgesprochen günstig, dafs man darin eine 
genügende Erklärung für dieselben sehen könnte, Am 20. Mai hätte man für 
den grofsen Wirbel an der Ostküste Englands nach der Druckvertheilung sogar 
eher eine Bahn nach ESE als nach N erwarten können. Freilich war die 
Temperatur östlich vom Wirbel bis auf etwa 1700 km um 8° bis 10° C. höher, 
als in gleichem Abstand westlich vom Wirbel; ein ähnlicher Ueberschuls, aber 
auf geringere Strecken, zeigte sich am 18., an welchem auch die Druckvertheilung 
einer Bewegung nach N günstig war. Diese Depressionen waren von ausgedehntem 
Regen begleitet, jedoch auf ihrer Südseite kaum weniger als auf ihrer Nordseite. 
So regnete es am 20. Mai bei der Morgenbeobachtung gleichzeitig von Rochefort 
bis zu den Shetlands und schneite es auf den Faröern; am 21. Morgens Regen 
von Scilly bis Nordirland und im SW von Norwegen, Schnee auf den Faröern, 
Am 17. Mai Jag das Centrum einer bedeutenden Depression im Innern 
von Island, so dafs die Winde an den Küsten dieser Insel einen regelmäßigen 
Wirbel darstellten: drei Stationen im Süden hatten WSW 8—10, eine Station 
im Osten SE 8, eine im Norden E 6, eine im Westen NE 10. Der Fall ist 
deshalb bemerkenswerth, weil die kalte und rauhe Oberfläche des festen Landes 
in diesen Breiten im Allgemeinen von den barometrischen Minima gemieden wird 
zu Gunsten der Meere, und in Fällen, wo ein wenig ausgedehnter Landkomplex 
in die Mitte einer grofsen Depression zu liegen kommt, diese leicht im Innern 
abgeflacht wird und zwei Centren auf den Meeren zu dessen beiden Seiten erhält. 
Das kräftig ausgesprochene einheitliche Depressionscentrum in diesem Falle ist 
ein Beweis dafür, dafs die Anwendung obiger Regel nicht übertrieben werden 
darf.- In der That überschreiten ja barometrische Minima zuweilen selbst das 
grönländische Binneneis in intensivster Ausbildung, wie sowohl aus früheren 
Heften dieser Rundschau (vgl. 13. Februar 1887, R. Seite 6) als namentlich auch 
aus Nansens Reise ersehen werden kann. Viel häufiger freilich liegen sie auf 
den benachbarten Meeren und streifen sie nur die Küsten des Festlandes. 
Die Nordwärts-Bewegung von Depressionscentren dauerte über dem öst- 
lichen Centraleuropa zwar auch im letzten Zeitabschnitt, demjenigen vom 
23. bis 31. Mai, noch fort, allein deutlicher als bisher traten denselben im 
westlichen südwärts wandernde -Theildepressionen gegenüber, einen Kreislauf um 
einen in Centraldeutschland liegenden Mittelpunkt bildend, wie solcher ja in 
dieser Rundschau mehrfach, am ausgeprägtesten im Januar 1886, zur Betrachtung 
gekommen ist. Im vorhergehenden Zeitabschnitt stand den vielen nordwärts 
gerichteten Bahnen nur eine gegenläufige Bewegung eines schwachen Theil- 
minimums am 12. bis 13. Mai gegenüber. Wie schon oben gesagt, war auch in 
diesem Falle Centraleuropa abnorm kalt; in dessen weiterer Umgebung dagegen — 
Valencia in Irland, Skudesnes, Moskau, Konstantinopel — hielt sich die Temperatur 
in diesen Tagen über dem Normalwerthe. Ganz auffallende Wärme mit stillem, 
heiterem Wetter herrschte im Beginn dieses Zeitabschnitts in Lappland und 
Umgebung; in Haparanda war die Temperatur am 22, und 23. 14° über normal, 
am 24., wo starker Südwind die Luft vom Bottnischen Busen dahin brachte, nur 
noch 1'42°; in Archangelsk dagegen blieb die Temperatur vom 23. bis 24. 11° 
bis 13° über dem Normalwerth. 
Auf dem Ocean bietet beim Beginn dieses Zeitabschnities der Uebergang 
vom 22. zum 23. dem Verständnifs Schwierigkeiten dar. Statt der zwei Minima 
SW von Island und Ost von Neufundland finden wir am 23. ein einziges tieferes 
in der Mitte und ferner ein neues im Norwegischen Meere. Die auf unserer 
Karte ausgedrückte Auffassung beruht auf den Beobachtungen vom Abend des 
22. auf Island, den Faröern und einigen Schiffen. Danach scheint das nordwest- 
lichste der drei Minima am Nachmittage des 22. auf Island sich ausgefüllt zu 
haben, das nordöstliche neu entstanden zu sein, das südwestliche aber unter 
rascher Vertiefung sich nordostwärts bewegt zu haben, zwischen den Schiffen 103 
und, 85 hindurch. Letzteres ist auf der synoptischen Karte vom 22. Mai aus 
Versehen fortgelassen. Es befand sich um 8a in 53° N, 44° W mit Bar. 756,4, 
Wind N 6 und Temp. 9° C.; das Barometer fiel darauf bis 8 p, wo es auf 751,4
	        
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