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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

414 Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Frühling 1887. 
Cyklone sehr gleichmäfsig allseitig entwickelt sein,!) womit die wichtigste Trieb- 
kraft für die Fortpflanzung des Wirbels — die ungleiche Stärke der Luftströmung 
auf seinen verschiedenen Seiten — in Wegfall kam. 
Durch diese beiden Depressionen, die im Osten und Westen zwischen die 
schwachen Hochdruckgebiete sich einschoben, ist der Zeitabschnitt vom 20. 
bis zum 26. April gekennzeichnet. 
Dadurch, dafs das östliche der beiden Maxima der Rofsbreiten vom Atlan- 
tischen Ocean auf das Mittelmeer übertrat und das westliche sich langsam weiter 
schob, wurde die allgemeine Druckvertheilung des folgenden Zeitabschnitts vom 
27. April bis zum 2. Mai eine etwas andere. Zwei Streifen hohen Druckes, 
die sich durchschnittlich von dem Meere SW von Island und von Innerrussland 
nach SW strecken, charakterisiren dieselbe. In dem Zwischenraume bewegten 
sich über Westeuropa mehrere unbedeutende Depressionscentren resp. Theilminima; 
drei stärker entwickelte sehen wir im Westen über Nordamerika und nach der 
Baffıns-Bai zu ihre Bahnen verfolgen. 
Auch im folgenden kurzen Zeitabschnitt vom 3. bis 6. Mai dauerte 
lie Bewegung schwach entwickelter Centren niederen Druckes über der SW- 
Hälfte Europas auf schwer zu bestimmenden Bahnen fort. Allein jetzt war der 
Druck im SW von Island tief und in Neuengland hoch. An der Südseite eines 
der erwähnten Theilminima, welches am 2. Abends in Belgien entstanden zu sein 
und am 5. in Finnland verschwunden zu sein scheint, entwickelte sich im Laufe 
des 4. ein etwas kräftigerer Wirbel, welcher im raschen Zuge über Finnland 
nach dem Eismeere sich fortpflanzte und in dessen Rücken Norddeutschland am 
5. bis 6. einen der wenigen heiteren Tage dieses Maimonats hatte, nachdem am 
2. bis 4. an vielen Orten Deutschlands starke Regengüsse und Gewitter statt- 
gefunden: hatten. 
Vom 6, zum 7. Mai machte das auf dem Ocean südwestlich von Europa 
liegende Centrum hohen Druckes einen starken Vorstofs nordostwärts, vom 30. 
nach dem 40. Parallel. Westlich davon verstärkte sich auf der Mitte des Oceans 
das barometrische Minimum und ging in den folgenden Tagen längs dem 
35. Meridian nordwärts, während gleichzeitig ein anderes ziemlich intensives 
Minimum von Grönland über Island nach dem europäischen Kismeere wanderte. 
Diese Züge charakterisiren den Zeitabschnitt vom 7. bis 11. Mai. Am Ende 
desselben verschmilzt die eben erwähnte, nordwärts sich bewegende Depression 
nordöstlich von Neufundland mit einer zweiten, nordwestlich davon gelegenen, 
die am 10. sehr plötzlich an der Labradorküste aufgetreten ist, ohne dals ihre 
Herkunft erkennbar wäre. Das Resultat hat indessen keine weitere Fortbildung, 
sondern wird nach dem 12. rasch ausgefüllt. 
Die Lage des Gebiets hohen Luftdrucks auf der Osthälfte des Atlantischen 
Oceans war auch im folgenden Zeitabschnitt, der vom 12. bis zum 15, Mai 
gerechnet werden kann, annähernd dieselbe: es erstreckte sich vom Wendekreise 
bis zur Nordsee. Das westliche Hochdruckgebiet auf dem Ocean war dagegen 
verschwunden und wurde durch ein von der Hudsons-Bai nachrückendes ersetzt, 
Zwischen beiden herrschte auf dem Golfstrom niedriger Luftdruck, der sich 
allmählich weiter ausbreitete nach den Bermuden etc. und in dem sich zum 16. 
ein etwas intensiverer Wirbel entwickelte, auf seiner Nordseite von stürmischen 
Ostwinden umsäumt. Zugleich nahm der Luftdruck über den Britischen Inseln 
ab, womit auch eine seit dem 6. oder 8. in Deutschland andauernde sehr kühle 
Periode, in der die Temperatur fast stets 1° bis 6° oder mehr unter dem Normal- 
werth lag, wenigstens im Nordosten ihr Ende erreichte. Wir können deshalb 
lie Tage vom 16, bis 22. Mai als einen neuen natürlichen Zeitabschnitt 
rechnen. Süddeutschland, Frankreich und Italien blieben übrigens kalt bis ans 
Ende des Monats: in München am 21. bis 23., in Karlsruhe am 23., in Paris 
am 21. bis 25, überstieg die negative Abweichung der Temperatur vom Normal- 
werth Morgens 8° C., in Petersburg war sie dagegen vom 20. bis 26. um eben 
so viel über der normalen. 
14) Beispielsweise war am Morgen des 24. in gleichem Abstande vom Centrum in Aberdeen 
der Druck 16 mm geringer, als in Berufjord auf Island, aber gleichzeitig die Temperatur am ersteren 
Platze 16° C. höher als am letzteren, was nach einer 1882 von uns in der Oesterr, Met. Zeitschrift 
entwickelten Formel in der Höhe von ea 2730 m gleichen Druck bedingt.
	        
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