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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Frühling 1887. 413 
Die mittlere Druckvertheilung während des Zeitabschnitts vom 31. März 
bis 9. April war somit nahezu entgegengesetzt der auf Karte XII dargestellten; 
an den meisten Tagen nahm der Druck von der Mitte des Oceans aus nach allen 
Seiten ab, weil in den ersten Tagen ein stationäres Maximum westlich von Irland 
lag, in den folgenden aber zwei große Maxima von Nordamerika dorthin zogen, 
Da zugleich auch die Temperatur über Central- und Osteuropa viel niedriger war 
als auf dem Ocean, so sehen wir dem Gesetz gemäfs ein Minimum vom 31. bis 
zum 3. sich südwärts bewegen von den Faröern über. Holland nach Gibraltar. 
Von da an aber sind während dieses Zeitabschnitts die Bewegungen der Minima 
über Central- und Südeuropa höchst unbestimmt und unsicher trotz des dichten 
Stationsnetzes, weil es sich um eine Vielzahl von wenig ausgebildeten und 
schnellen Wandelungen ausgesetzten Phänomenen handelt. Es wird daher auf 
die in Karte XIV dargestellten Depressionsbahnen vom 4, bis 8, April über 
Central- und Südeuropa kein Gewicht gelegt. 
Am Nordwestrande des Oceans sehen wir in diesem Zeitabschnitt zwei 
Wirbel auf sehr ähnlichen Bahnen von den Vereinigten Staaten über Grönland 
nach Island ziehen. Dagegen lag auf dem Eismeere zwischen Norwegen und 
Spitzbergen während desselben eine Depression ohne deutliche Ortsveränderung. 
Im folgenden Zeitabschnitt, in den die Tage vom 10. bis 19. April 
zusammengefaßt werden können, pflanzt sich das zweite der von Amerika nach 
der schottischen Westküste gekommenen Hochdruckgebiete ostwärts nach den 
Kirgisensteppen fort, während ein ferneres sich von Grönland nach den Britischen 
Inseln nachschiebt, in deren Umgebung infolge dessen der Druck hoch bleibt. 
Dagegen folgt zunächst keines mehr von Westen her, und über den Vereinigten 
Staaten, namentlich aber über dem Ocean von 20° W an westwärts herrscht 
niedriger Luftdruck. Den Mittelpunkt des Gebiets bildet eine Depression, welche, 
zum Theil (am 11. bis 13.) mit zwei Centren, südöstlich von Neufundland, sich 
bewegt. Das Maximum in den Rofßsbreiten ist wiederum auf ein schmales Band 
zusammengeschrumpft. Einige Notizen aus den Journalen der Segelschiffe „Poncho“, 
„Pacific“, „Friederike“, „Amor“ und des Dampfers „Polynesia‘ sind zur Charakte- 
ristik dieses höchst stürmischen Zeitraums bereits im Monatsbericht der Seewarte, 
Seite 10—12, angeführt. 
Am 19. bis 20. April scheinen an zwei Stellen des Oceans ungewöhnliche 
Vorgänge der Neubildung von Depressionen sich abgespielt zu haben. Auf dem 
Meere südlich von Neufundland scheint die Depression, welche wir am Morgen 
des 20, dort liegen sehen, aus der völligen Verschmelzung des Restes der eben 
besprochenen grofsen Depression und einer rasch aus WSW herbeieilenden ent- 
standen zu sein, welche sich auf einander zu bewegt zu haben und dann nach 
ihrer Verschmelzung zunächst nahezu stationär geworden zu sein scheinen — ein 
jedenfalls nicht häufig zu konstatirender Vorgang. Gleichzeitig lagen westlich 
von Schottland in der Rinne niedrigen Drucks zwischen den in Grönland und 
vor dem Kanal befindlichen Maxima zwei schwache Depressionscentren, von 
denen am 19. das östliche besser entwickelt, das westliche aber nur eine Rand- 
bildung der Depression bei Neufundland war; am 20. dagegen war, Soweit man 
erkennen kann, das nach S verschobene östliche auf ein schwaches bei Schottland 
liegendes Theilminimum des grofsen osteuropäischen Niederdruckgebiets reducirt, 
während das westliche sich nordwärts bewegt und mehr entwickelt hatte. Während 
ersteres sich ausfüllte, erlangte letzteres in den folgenden Tagen rasch eine be- 
deutende Intensität. Wenigstens sprechen die vorhandenen, allerdings vom Meere 
in dieser Gegend nur. spärlichen Beobachtungen für diese Auffassung der Vor- 
gänge. Am 22. bis 25. April lag dann dies tiefe Depressionscentrum unter 
geringer Ortsveränderung an der schottischen Westküste. Dafs es nicht fort- 
schritt, steht mit dem Umstande im Einklang, dafs jedenfalls die Gradienten in 
der Höhe von einigen Tausend Metern über der Erdoberfläche nach allen Seiten 
hin nahe dieselbe Größe hatten, also die Cyklone allseitig gleichmäfsig entwickelt 
war; denn die einzige Ungleichheit, welche sich in den Druckverhältnissen ihrer. 
verschiedenen Seiten zeigt, besteht darin, daß auf der kälteren nordwestlichen 
Seite in der gleichen Entfernung vom Wirbelcentrum der Druck am Meeresspiegel 
erheblich höher war, als auf der warmen südöstlichen Seite. Da nun der Druck 
in kalter Luft schneller mit der Höhe abnimmt, als in warmer, so mulste dieser 
Gegensatz zwischen den beiden Seiten. nach. oben hin abnehmen und oben die
	        
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