412 WVierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Frühling 1887.
19. März in 46° W befand, zeigen, dafs hierbei wirklich das Hauptcentrum so
rasch ostwärts fortgeschritten sein mul, wenn auch vielleicht das östliche Theil-
minimum sich damit schliefslich verschmolzen haben mag. Das Schiff hatte am
19. um 8a W3, um 12a SW2, um 4p SSW 4, um 8p SSE5, um 10p bei
SSE bis SW Stärke 6—8 den niedrigsten Barometerstand, 737,6, darauf mit
steigendem Barometer um 12p N9, um 2p NNW 6, um 4p NW5.
In Europa, mit Ausnahme des Südostens, herrschte in dieser Zeit grofsen-
theils auffallend kaltes Wetter, und zwar in Skandinavien und Nordrussland vom
10. bis 16. März, in Central- und Westeuropa vom 11., 12. oder 13. bis zum
21. oder 22. In Paris lag die Morgentemperatur 7 Tage nach einander, vom
14. bis zum 20., um 10° und mehr unter der normalen.
Durch das gleichzeitige Sinken des Luftdruckes über Grönland und Steigen
desselben südlich von den Azoren, sowie die Wanderung eines kräftigen Maximums
von Skandinavien nach Centralrussland erhielt der Zeitabschnitt vom 20. bis
24. März einen abweichenden Charakter. Während dieser Tage hielt sich die
Temperatur in Skandinavien hoch, und kehrte sie auch im übrigen Europa auf
ihren Normalwerth zurück. Die Depression, welche wir oben bis auf die Mitte
des europäisch-amerikanischen Dampferweges verfolgten, pflanzte sich zum 22.
bis zur Gegend südlich von Island und dann, soweit erkennbar, unter Ersatz des
bisherigen Centrums durch ein neues, in ihrem östlichen Theile entstandenes, am
23. bis 27. weiter nach dem Europäischen Eismeere fort. Am südlichen Rande
der Depression bewegte sich ein Wirbel, der vom 21. an ziemliche Selbstständigkeit
and Intensität und sehr schnelle Fortpflanzung erhielt und am 23. stürmische
Winde zuerst im Kanal, dann in der Nordsee hervorrief. Der in der Mitte des
Monats so niedrige Luftdruck bei den Azoren stieg unterdessen fortwährend, und
vom 25. bis 27. März zeigen die synoptischen Karten einen langen Streifen hohen
Druckes von ca 50° W 30° N bis zum Golf von Biscaya. Durch das Heranrücken
eines intensiven Maximums aus Amerika wurde zwar nach dem 27. dieser Rücken
zerstört, aber der Druck auf der Mitte des Oceans um so mehr gesteigert, Auf
dem Meerestheil zwischen den Azoren und dem afrikanischen Festlande hingegen
nahm der Druck seit dem Erscheinen einer schwachen Depression daselbst am
26. fortdauernd ab, bis diese Depression am 5. April verschwand. Bekanntlich
sind Depressionen in diesem Meerestheil im Frühling nicht häufig, wohl aber in
den letzten Monaten des Jahres.
Die folgenden Auszüge aus Schiffsjournalen mögen zur Charakteristik dieser
Vorgänge beitragen:
Am 20. März. S. 6. Um 8b p. m, niedrigster Luftdr. —= 732,0 mm und Wind WSW 9. —
S. 15. Um 4b a, m, niedrigster Luftdr. = 742,7 mm. Blitzen und St. Elmsfeuer sichtbar. — D. 22.
Um 5b p. m. niedrigster Luftdr. == 727,0 mm. Wind W. — D. 45. Um 10h a. m. Luftdr. =
724,7 mm und Wind NNW 11. — 8. 41. In 46° N und 27° W, Um 8p Wind SW 10 und Luftdr.
= 734,0 mm. — S. 58. In 33° N und 51° W. Abends war bei stürmischem Südwind, bei Gewitter
and Regen das St. Elmsfeuer sichtbar,
Am 21. März. S.5. Um 0? a, m. niedrigster Luftdr. = 736,8 mm und Wind WSW 11. —
D. 35. Um 0% a, m. Luftdr. = 733,4 mm und Wind SW 7. Blitzen um den ganzen Horizont. Um
4h a. m. Luftdr. = 731,5 mm und Wind W 12, — D. 22%, Um 8 p. m. Luftdr. = 736,8 mm und
Wind SE8. — D 45. Um 8% p. m. Luftdr. = 739,6 nm und Wind NW 11, um 6h p- m. Luftdr.
= 734,8 nm. — D. 47. Um Ob a, m. Luftdr, == 732,3 m. Orkanartige Böen.
Am 22. März. S. 15. Um 4% a, m. niedrigster Luftdr. = 740,6 mm. Um 4% p. m. Wind
NE2 und um 12% p. m. ENE6. — $. 3. Um 10% a. m. niedrigster Luftdr. = 734,7 mm. Um
11'!/ab a. m. plötzlich ganz flau, um 125 a, m. Wind ENE2, um 2% p. m. NNE 7 und um 4b p. m.
NzE 9. — S. 33. In 33° N und 64° W. Wind um 228 still, um 12a S8 und um 12p W9. Um
dp bei Blitzen und strömendem Regen war das St. Elmsfeuer sichtbar. — S. 40. In 41°N und
57° W. Um 12p Wind SSE 10, Blitzen. — S, 49. In 42° N und 61° W. Wind um 8a NNW 2,
am 108 E2, um 128 S5, um 4p SE8, um 8p SE10 und um 12p SSW7. Abends war bei
Blitz und heftigem Regen das St. Elmsfeuer sichtbar. — S. 60. In 33°N und 71° W. Während
orkanartiger Gewitterböen war Morgens früh das St. Elmsfeuer sichtbar. — S. 72. In 40° N und
39° W. Um 12a Luftdr. = 735,6 mm und Wind SW 10.
Am 23. März. S. 40. In 42°N und 60° W, Morgens früh war bei Gewitterböen das
St. Elmsfeuer sichtbar. -— S. 55. In 28°N und 67° W. Morgens früh war, während es dabei
blitzte, das St. Elmsfeuer sichtbar, — S. 58. In 32° N und 55° W. Abends spät war bei heftigem
Gewitter das St. Elmsfeuer sichtbar, — S. 62. In 34° N und 60° W. Morgens früh war während
Gewitters das St, Elmsfeuer sichtbar. — S. 71. In 60° N und 15° W. Abends spät war ein hell
strahlendes Nordlicht sichtbar.