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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

Die Karten der magnetischen Elemente für 1890,0 und die Werthe der Säkularänderung. 409 
wobei jedoch bemerkt werden mul, dafs allenthalben, wo neuere Beobachtungen 
vorlagen, diese zur Konstruktion der Karten angewendet wurden, so dafs also 
yewissermalsen die für das Jahr 1885 gegebenen Karten vorher verbessert worden 
sind. Es geht aus diesen Erklärungen hervor, dafs man das, was im Handbuch 
„Der Kompafs an Bord“ über die Herstellung und das Material der in diesem 
Buche gegebenen Karten gesagt worden ist, nachzulesen haben wird, um "sich 
über das den vorliegenden Karten zu Grunde liegende Material klar zu werden. 
Bei keinem der erdmagnetischen Elemente ist der Werth der Säkular- 
änderung für einen und denselben Ort der Erde stets derselbe. Es gehen erheb- 
liche Veränderungen darin vor, die sich selbst auf den Sinn (das algebraische 
Zeichen) der Aenderungen erstrecken können. In den nachfolgenden Bemer- 
kungen beziehen sich die Werthe und der Sinn der Aenderungen auf die Epoche 
um das Jahr 1890. 
Die Säkularänderung der magnetischen Deklination kann im Allgemeinen 
in der Weise charakterisirt werden, dafs südlich einer Linie ohne Aenderung 
vom Kap der guten Hoffnung bis zur grofsen australischen Bucht die Magnetnadel 
sich gegenwärtig um geringe Beträge nach Westen bewegt, d. h. es wird in den 
Gebieten nordwestlicher Deklination dieselbe zunehmen, während sie in Gebieten 
nordöstlicher Deklination abnimmt. Nördlich der bezeichneten Linie bewegt sich 
die Nadel jährlich um geringe Beträge nach Osten, d. h. die magnetische 
Deklination von nordwestlichem Charakter nimmt ab, während jene von nord- 
östlichem Charakter zunimmt. Eine Ausnahme bildet im äquatorialen Theile 
des Indischen Oceans ein kleines Gebiet, welches über Sumatra, dem Süden von 
Borneo und über Java lagert, in welchem sich — nach den neueren Beobach- 
tungen im Observatorium zu Batavia — die Magnetnadel nach Westen bewegt 
und die Deklination daher, weil sie nordöstlich ist, abnimmt. Für die praktischen 
Zwecke ist es am geeignetsten, die Säkularänderung nach ihrem Zeichen stets 
so zu verstehen, dafs die betreffende Deklination, gleichgültig ob westlich oder 
östlich, einfach zu- oder abnimmt, je nachdem es das Vorzeichen besagt. In der 
hier beigegebenen Karte finden sich die verschiedenen Beträge der Säkular- 
änderung mit dem entsprechenden Zeichen eingetragen, und zwar ist der Versuch 
gemacht, Linien gleicher Säkularänderung ‚zu ziehen. Zum richtigen Verständnifs 
dieser Linien mufls jedoch betont werden, dafs nach dem vorhin in Beziehung 
auf die Bewegung der Nadel nach Osten oder Westen Gesagten, wobei also der 
Charakter der Deklination nicht in Erwägung kommt, gleiche Werthe mit 
-4 Vorzeichen mit gleichen Werthen mit — Vorzeichen verbunden werden können. 
(Dies gilt jedoch nur mit Beziehung auf die vorliegende Karte.) Der Gebrauch 
dieser Karte, welche die Werthe der Säkularänderung in Minuten pro Jahr giebt, 
ist einfach und ist in den einleitenden Bemerkungen schon hervorgehoben worden. 
Außer der vorhin genannten Linie ohne Säkularänderung, welche die beiden 
Gebiete östlicher und westlicher Bewegung der Nadel scheidet, und der Abgren- 
zung jenes kleinen vorhin beschriebenen Gebietes scheint sich im Nordosten 
unserer Karte noch eine solche Linie von den Philippinen nach der Insel Hainan 
und der Bucht von Tongking zu ziehen, von wo aus sie sich in ihrem Verlaufe 
rasch nach Norden wendet. Die Werthe der jährlichen Aenderung der Deklination 
schwanken in dem Gebiete des Indischen Oceans zwischen + 4 und — 3 Minuten 
(mit Beziehung auf östliche oder westliche Bewegung der Nadel). 
Die Säkularänderung der magnetischen Inklination, ebenso wie jene der 
Horizontalkomponente, sind für das Gebiet des Indischen Oceans nicht allein, 
sondern überhaupt weit weniger bestimmt, wie jene der Deklination. Da diese 
Elemente von minderem Belang sind für die praktische Navigirung, wie die 
Variation des Kompasses, so genügt es, Charakter und Werth derselben hier 
nur in allgemeinen Zügen zu geben. Die magnetische Inklination nimmt nahezu 
auf dem ganzen Gebiet zu, d. h. es wird die betreffende Inklination, die nörd- 
liche oder südliche, allenthalben gröfser. Zieht man einen Augenblick den 
Verlauf des magnetischen Aequators in Erwägung, so wird auf dem ganzen 
Gebiete (wieder mit Ausnahme des Arabischen Meeres und des Meerbusens von 
Bengalen) die südliche Inklination größer.!) Die Beträge schwanken, wenn man 
1) Es hat allerdings den Anschein, als wenn südlich von Vorderindien bis zu dem Chagos- 
Inseln die südliche Inklination etwas kleiner würde; jedoch ist dies problematisch.
	        
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