Bemerkungen zu Reisen von Schiffen des Hamburger Rheders F, Laeisz. 393
1890 die Ostspitze von Staaten Land erreichte, wurde es für mehrere Stunden
durch frischen Nordwind begünstigt. Das Barometer zeigte dabei auf den ver-
hältnifsmäfsig hohen Stand von 758 mm. Indem der Luftdruck abzunehmen
begann, veränderte sich der Wind. nach West, dem Schiffe dabei jedoch eine
günstige Gelegenheit bietend, nach Süden vorzurücken. Als „Palmyra“ am
9. September nach 57,5° S-Br in 65° W-Lg gelangt war, nahm der Wind bei
auf 736,5 mm gesunkenem Barometerstande plötzlich bis zur Stille ab, um bald
darauf in Stärke 8 aus hoch südlicher Richtung wieder einzusetzen. Das trotz
stürmischen Windes guten Fortgang machende Schiff segelte dann in 2 Etmalen,
während welcher der Luftdruck bis auf 769 mm stieg, nach. 55,7° S-Br in 71,5°
W-Lg.. Kapitän Hilgendorf rückte, wie er in seinem Tagebuche ausdrücklich
anführt, nach diesem der Küste unbequem nahe gelegenen Punkte, in der Hoffnung
vor, daß der hohe Barometerstand ibm bald einen nördlichen Wind bringen
würde. Und in dieser Hoffnung wurde er nicht getäuscht. Als das Glas den
höchsten Stand erreicht hatte, drehte der frische Wind nach Nordwest, und
indem derselbe zeitweise stürmisch wehte, führte er das vollweg gehaltene Schiff
in abermals 2 Etmalen nach 58° S-Br in 78° W-Lg. Und hier, wo der Luftdruck
auf 749 mm gesunken war, fand aufs Neue ein Umlaufen des Windes zuerst nach
West, später nach Südwest statt, und das Barometer begann wieder zu steigen.
„Palmyra“ segelte darauf in ununterbrochener Fahrt bis zum 16. November zu
dem in 80° W-Lg überschrittenen Parallel von 50° Süd. Die Umsegelung des
Kap Horn wurde in dieser Weise in 9 Tagen vollendet, ohne dafs südlich von
Staaten Land auch nur für eine Stunde Ostwind beobachtet worden war. Als
„Palmyra“ sich am 17. September bei 48° S-Br befand, hatte der Luftdruck mit
774 mm seinen höchsten Stand erreicht. Unter ähnlichen Umständen, wenn auch
nicht in so kurzer Zeit, erfolgende Umsegelungen des Kap Horn liefsen sich aus
den angeführten Reisen noch mehrere anführen.
Den letzten nördlich von 50° S-Br im Grofsen Ocean liegenden Reise-
abschnitt legen die Schiffe durchschnittlich in 9 Tagen zurück. Die Jahreszeit,
ob dies in der zwischen Dezember und Mai liegenden oder in der übrigen Zeit
des Jahres geschieht, ist auch hierbei von keinem Einfluß. .
Ein immerhin recht gutes, wenn auch weniger hervorragendes‘ Bild
als die Ausreisen bieten die in der zweiten Tabelle angegebenen Heimreisen.
Es macht sich bei ihnen, abgesehen von ihren fast überall ungünstigeren Ver-
hältnissen als die der Ausreisen, einerseits die bis zur äußersten Tragfähigkeit
gehende Beladung der Schiffe, andererseits doch auch der Umstand geltend, dafs
sie trotz der durchschnittlich nur 48 Tage langen, an der chilenischen Küste
zugebrachten Zeit anscheinend etwas an Schnelligkeit verloren haben. Die mittlere
Dauer der Heimreisen beträgt 92 Tage. Die kürzesten zwei von je 77 Tagen
legten „Pirat“ und „Palmyra“, beide von Kapt. Hilgendorf geführt, zurück,
während die längste von „Pestalozzi“ ausgeführte doch nicht mehr als 110 Tage
in Anspruch nahm. Auch in diesem Falle ist die verhältnifsmälsig geringe Ab-
weichung vom Mittelwerthe ein bemerkenswerthes Resultat.
Gleich auf dem ersten, zwischen Abgangshafen und Kap Horn liegenden
Reiseabschnitt sind die vorherrschenden Winde recht ungünstige. Stille wie leiser
Zug in der Nähe der Küste und weiterhin aus ungünstiger Richtung wehende
Winde verursachen, daß die mittlere, auf dieser Strecke zugebrachte Zeit 27 Tage
beträgt. In raschester, 19 Tage währender Fahrt legten „Poncho“ und „Parchim“
dieselbe zurück, Die Schiffe, welche ihre Reisen von Dezember bis Mai antreten,
treffen es günstiger als die übrigen, denn sie erreichen die Länge des Kap Horn
nach, 251% Tagen, während die anderen es nach 28 Tagen thun.
Recht schwierig erweist sich dann auch die Fahrt durch den Südatlantischen
Ocean. Die Verzögerung der Reise wird hier bekanntlich durch die südlich vom
Passatgebiet vorherrschenden leichten nördlichen Winde, wie auch nicht selten
durch den in den Monaten Februar bis April in südliche Breiten hinüberreichenden
Stillengürtel bewirkt. Die hier erwähnten Schiffe verbringen im Mittel 32 Tage
auf der Strecke Kap Horn-— Linie. In kürzester Zeit von 23 Tagen legte dieselbe
der „Pirat“ im Juli 1888 zurück. Auf diesem Reiseabschnitt gewinnen jene
Schiffe, welche Kap Horn im südlichen Winterhalbjahr passiren, bedeutend gegen
die übrigen, denn sie erreichen den Aequator nach 31 Tagen, gegen 36 Tage,
welche die übrigen Schiffe dazu benöthigen. Im Nordatlantik ist das Verhältnifs