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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

392 Bemerkungen zu Reisen von Schiffen des Hamburger Rheders F, Laeisz. 
stürmischen Westwinde, etwas auffallend. Allein gegen jenen sichern sich die 
Kapitäne durch einen östlichen Schnittpunkt der Linie und gegen diese noch 
befriedigenden Fortschritt erzielen zu können, ist eben das Bezeichnende dieser 
raschen, nicht selten während der Ausreise 54 Sm in der Wache zurücklegenden 
Schiffe, deren größter Feind nicht so sehr Gegenwind, als Stille und unerwünscht 
leichte Briese ist. Andererseits erstreckt sich auch in den Monaten Februar bis 
April der Stillengürtel nicht selten bis in südliche Breite, so dafs Schiffe, deren 
Reisen zur Linie, eben weil sie nördlich von derselben gar keine Mallung an- 
getroffen haben, recht kurze waren, gleich südlich vom Aequator längere Zeit 
zurückgehalten werden. 
In kürzester Zeit legten die Strecke Aequator bis 50° S-Br „Palmyra“, 
welche die Linie im November 1889 überschritt, und „Pera“, die dasselbe im 
Juli des folgenden Jahres that, zurück. Beide gelangten nach 50° S-Br 22 Tage 
später, als der Südatlantik betreten worden war. Alle Schiffe suchen sich, und 
besonders thun sie dies zur Zeit des nördlichen Sommers, südlich von der polaren 
Passatgrenze, der Küste frühzeitig zu nähern und kreuzen den Parallel von 
50° Süd im Mittel von 64° W-Lg. 
Die zwischen 50° S-Br im Atlantik und 50° S-Br im Pacifik liegende 
Strecke ist jene, deren Zurücklegung früher bei den Seeleuten aller Nationen, 
als die am schwierigsten auszuführende unter allen Routen angesehen wurde. 
Diese Ansicht wird Jetzt nicht mehr so allgemein getheilt. Denn in Wirklichkeit 
scheint die Umsegelung des Kap Horn nicht schwieriger zu sein, als manche 
Winterreise zwischen Kanal und nördlichen Häfen der Union, ausgeführt auf 
direkter Route. Die mittlere Zeitdauer, welche die in der Liste angeführten 
Schiffe südlich von 50° S-Br zubringen, beträgt nur 15 Tage; ein im Verhältnifs 
zu dem entsprechenden, von Maury zuletzt veröffentlichten Mittelwerthe von 
17,8 Tagen aufserordentlich günstiges Resultat. Auf dasselbe scheint die Jahres- 
zeit, in welcher die Reisen ausgeführt werden, fast keinen Einfluls zu haben. 
Denn die während des südlichen Sommerhalbjahres von Dezember bis Mai er- 
folgenden haben nur einen halben Tag kürzere Dauer als die übrigen. In 
kürzester Zeit von 9 Tagen legte „Potrimpos“ im Januar 1889 und „Palmyra“ 
im September 1890 die Strecke von 50° Kr im Atlantik nach 50° S-Br im 
Pacifik zurück. Die längste Zeit von 31 Tagen gebrauchte „Professor“ im 
Oktober 1888. Die über -die beim Kap Horn herrschenden Verhältnisse wohl 
unterrichteten Kapitäne vollenden diese günstigen Reisen, indem sie zunächst 
und vor Allem ihre segeltüchtigen, in jeder Hinsicht gut ausgerüsteten Schiffe 
mit Entschlossenheit und Ausdauer führen, dabei der in früherer Passagierfahrt 
nach Nordamerika seit langer Zeit erprobten Regel folgend, nie nahe am Winde 
zu segeln, sondern stets danach zu streben, daß guter Fortgang im Schiffe ist. 
Wenn bedeutende Luftdruckveränderungen rasch erfolgen, bei schnell steigendem 
Barometer auf nördlichen, bei rasch fallendem Glase auf südlichen Wind zu 
rechnen und bei Gegenwind die Nähe des Landes zu meiden. Es zeigt sich 
dann, dafs entgegen mancher früher laut gewordenen Aeulßserung das Barometer 
auch beim Kap Horn, unter Berücksichtigung der hohen Breite, in welcher man 
sich befindet, und bedenkend, dafs ein längere Zeit anhaltender, niedriger Luft- 
druck durchaus nicht immer auf Sturm deutet, ein vortrefflicher Warner ist. Dafs 
die Tiefdruckgebiete mit ihren Theilminima, ganz wie in hohen nördlichen Breiten, 
meist ziemlich rasch aufeinander folgen, auf. Bahnen, die im südlichen Winter 
nördlicher, im südlichen Sommer südlicher verlaufen, dafs aber doch nicht so 
sehr selten auch Umsegelungen des Kaps ausgeführt werden, ohne daß die Schiffe 
dabei aus dem Gebiete eines und desselben Tiefdruckgebietes gelangen. Wie 
ferner, dafs, wenn ein Ausschiefsen des Windes nach Südwest westlich von 
75° W-Lg erfolgt, dieser Wind bei entschlossener Ausnutzung die Schiffe nicht 
selten bis weit über 50° S-Br hinaus begleitet. Der Luftdruck nimmt in solchem 
Falle für längere Zeit beständig zu, meist bis auf einen mehr als 770 betragenden 
Stand, so dafs der zuerst meist stürmisch wehende Südwest- oder Westwind, der 
anfänglich durch ein Tiefdruckgebiet verursacht wurde, allmählich und unmerklich 
unter den Einfluß eines im südöstlichen Theile des Pacifik herrschenden Hoch- 
druckgebietes gelangt ist. Ein lehrreiches Beispiel einer in dieser Weise er- 
folgenden Umsegelung des Kap Horn bietet die Ausreise des vorletzten der in 
der Tabelle angeführten Schiffe, der „Palmyra“. Als dasselbe am 8. September
	        
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