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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

Bemerkungen zu Reisen von Schiffen des Hamburger Rheders F. Laeisz, 389 
sie, mit Stückgütern nicht. allzu schwer beladen, zunächst fast immer nach 
Valparaiso, nach erfolgter Entlöschung von dort nach einem Salpeterhafen‘ segeln 
und von diesem mit Salpeter bis zur äufsersten Tragfähigkeit beladen nach 
Hamburg zurückkehren. Um das für eiserne Schiffe so schädliche Stillliegen in 
Häfen, welche Salzwasser haben, möglichst abzukürzen, geschieht das Entlöschen 
und Beladen ohne Rücksicht auf dadurch entstehende Kosten. Die an der chile- 
nischen Küste zugebrachte Zeit, eingeschlossen die für die Versegelung erforder- 
liche, ist daher meist nur eine sehr kurze, und da infolge dessen die Segelfähigkeit 
auch auf der Heimreise meistens nicht bedeutend geschädigt zu sein scheint, werden 
die ganzen Rundreisen oft in erstaunlich kurzer Zeit vollendet. Diese Verhält- 
nisse dürfen, wenn ihre Reisen mit denen anderer Schiffe verglichen werden, die 
in der Regel mit Kohlen tief beladen nach einem Salpeterhafen segeln, welche 
zur Entlöschung und Beladung fast immer sehr lange Zeit benöthigen und dadurch 
einen grofsen Theil ihrer Schnelligkeit verlieren, nicht unbeachtet gelassen werden. 
Aber abgesehen davon, sind die unten angeführten Reisen doch als ganz aufser- 
ordentliche anzusehen, die das Aufsehen, welches sie allgemein und nicht zum 
Wenigsten bei englischen Kapitänen erregen, vollkommen verdienen. Sie zeigen, 
welche Erfolge energische und tüchtige Führer gut segelnder Schiffe, die mit 
einander wetteifern, möglichst rasche Reisen zu machen, erzielen können. Manche 
ihrer Reisen stehen an Kürze gegen die gewöhnlicher Frachtdampfer nicht sehr 
weit zurück, und die Ausreisen besonders sind den ruhmreichen Fahrten früherer 
amerikanischer, in der Kaliforniafahrt beschäftigter Klipper vollkommen eben- 
bürtig. 
5 Bei näherer Betrachtung der in den nachstehenden beiden Tabellen an- 
gegebenen Werthe wird man überrascht durch die Gleichmäfsigkeit, mit welcher 
sowohl die Aus- wie die Heimreisen gemacht werden. Denn wenn jene im Mittel 
79, diese 92 Tage währen, so befindet sich unter den ersteren nur eine, welche 
eine längere Dauer als 100 Tage hat, während unter den letzteren nur eine 
vorhanden ist, die 110 Tage in Anspruch nimmt. Die beiden kürzesten Ausreisen 
wurden vom „Plus“, Kapt. Steincke, und vom „Potrimpos“, Kapt. Bahlke, in 
der aufserordentlich kurzen Zeit von 61 Tagen zurückgelegt, während die Schiffe 
„Pirat“ und „Palmyra“, beide geführt von Kapt. Hilgendorf, in je 77 Tagen 
die schnellsten Heimreisen vollendeten. Der erste Theil der Ausreisen, welcher 
die zwischen Lizard und Linie liegende Strecke umfalst, wurde durchschnittlich 
in 26 Tagen durchsegelt. Die von Anfang November bis Ende April den Kanal 
verlassenden Schiffe hatten eine mittlere Reisedauer zur Linie von 23 Tagen, 
dagegen nahmen die während der übrigen Zeit des Jahres begonnenen 28 Tage 
in Anspruch. Dies Verhältnifs würde für die letzteren ein noch ungünstigeres 
sein, wenn die beiden in der Liste enthaltenen, in der zweiten Hälfte des Oktober 
angefangenen Fahrten dieses Resultat nicht noch günstig beeinflufsten. Die 
raschesten Reisen zeigt der Monat November, in welchen ja bekanntlich jene 
sich durch lange Dauer und geringe Fortbewegung auszeichnenden, zwischen 
Azoren und Kanaren auftretenden Tiefdruckgebiete unter gewissen Voraussetzungen 
und verständiger Ausnutzung den südwärts segelnden Schiffen nicht selten eine 
sehr günstige Gelegenheit zur Förderung ihrer Reisen gewähren. Im November 
1886 legte „Plus“ die Fahrt zur Linie in der kurzen Zeit von 17 Tagen zurück. 
Dasselbe that dann freilich auch „Prompt“ im März des Jahres 1890. Der 
Aequator wurde, den Anweisungen der Seewarte gemälfs, zur Zeit des nördlichen 
Sommers, um der Gefahr zu entgehen, bei zu erwartendem schralem Südostpassat 
die brasilianische Küste nicht klaren zu können, östlicher als im Winter über- 
schritten. 
Auf der im Südatlantik zwischen Aequator und 50° S-Br liegenden Strecke 
verbringen die Schiffe durchschnittlich 29 Tage. Hier werden jene von November 
bis Mai vom Kanal aus ihre Reisen antretenden, den Südatlantik also etwa einen 
Monat später erreichenden Schiffe von den angetroffenen Verhältnissen derart 
benachtheiligt, dafs der von ihnen in nördlicher Breite errungene Gewinn wieder 
vollkommen verloren geht. Sie erreichen, 19 an der Zahl, 50° S-Br nach 32 in 
südlicher Breite zugebrachten Tagen, während die übrigen 22 Schiffe zu diesem 
Parallel nach 27 Tagen gelangen. Dies Ergebnifs erscheint auf den ersten Blick, 
mit Rücksicht auf den zur Zeit des nördlichen Sommers herrschenden schralen 
Südostpassat und die dam schon südlich von‘ Rio Grande zu erwartenden
	        
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