Blitzschäden an Bord von Schiffen auf See.
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eines Jahres von 140 Schiffen eins Blitzschaden erlitt. Die Blitzgefahr ist diesem
zufolge, wie schon eingangs bemerkt, nicht grofs. In den meisten Fällen war
der angerichtete Schaden auch nur unbedeutend. Der Blitz lief vom Topp an
den Bram- oder Oberbrampardunen oder an den Vorstagen hinunter und fuhr
dann an der Aufsenseite des Schiffes ins Wasser, | Beschädigung entstand nur an
den Stellen, wo die Leitung unterbrochen war, so z. B. an der Reling zwischen
dem unteren Ende der Eisendraht-Pardun und den Rüsteisen, wenn der Blitz von
dem einen zum anderen Leiter übersprang, oder an den oberen hölzernen Raaen,
wenn der Blitz vom Topp am Eisendraht-Toppnant nach der Raanock hinauslief.
Weitaus am häufigsten wurde der Vortopp getroffen, nämlich 8 Mal, da-
gegen der Grofstopp nur 3 Mal und der Besanstopp 1 Mal; 1 Mal Vor- und
Grofstopp zugleich. Einmal fuhr der Blitz zwischen Grofs- und Besanstopp nieder.
Ob diese Vorliebe des Blitzes für den Vortopp als eine auf Naturgesetz sich
gründende Regel zu gelten hat oder sich hier nur durch Zufall ergiebt, mufßs
bei der geringen Anzahl der hier in Betracht kommenden Fälle unentschieden
bleiben.
Von einem durch den Blitz entstandenen Brandschaden ist in den Berichten
nirgends die Rede. Es ist nun freilich die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dafs
unter den verschollenen Schiffen sich eines oder das andere befunden haben mag,
das infolge eines durch Blitzzündung verursachten Feuers untergegangen ist.
Wahrscheinlich ist dies indessen nicht; denn es ist doch nicht wohl anzunehmen,
dal alle derartigen Unfälle mit dem Verlust der ganzen Schiffsmannschaft ver-
bunden gewesen sein sollten. Wohl aber ist die Annahme gerechtfertigt, dafs
in früherer Zeit, bevor als stehendes Gut der Takelung allgemein Eisendraht-
Tauwerk verwendet wurde, die Beschädigungen der Schiffe durch Blitzschlag
durchweg schwerer waren. Vielleicht liefßse sich der Schutz, den das Draht-
Tauwerk den Schiffen gewährt, selbst beim Fehlen eines eigentlichen Blitz-
ableiters, dadurch zu einem vollständigen machen, dafs man an den Oberbram-
pardunen oberhalb der Jungfern und an dem Voroberbramstag unterhalb des
Klüverbaums durch Versplissung Enden von Drahttau anbrächte und diese bei
eintretendem Gewitter zu Wasser ließe.
Was die geographische Oertlichkeit der berichteten Blitzschläge anbetrifft,
so fanden dieselben
in 4 Fällen in der Aequatorialzone des Atlantischen Oceans,
„4 „ den Ostasiatischen Gewässern,
„2 „ im Golfstrom und
in je 1 Falle im Englischen Kanal, bei den Azoren, an der Südostküste
Afrikas und in den höheren Breiten des Indischen Oceans
statt. Die Gegenden des häufigsten Vorkommens sind unter den von Segel-
schiffen am meisten befahrenen Gewässern zugleich die der gröfsten Gewitter-
häufigkeit.
Beitrag zur Kenntnifs des Klimas von Korea,
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte,)
Von I. E, Dinklage, Vorsteher der Abtheilung I.
Von Herrn F. H. Mörsel, Hafenmeister in Tschimulpo, Korea, erhält die
Seewarte seit einiger Zeit regelmäfsig die Resultate meteorologischer und Wasser-
stands-Beobachtungen mitgetheilt, die von ihm und seinen Kollegen in mehreren
Koreanischen Hafenplätzen, nämlich Tschimulpo, Juensan und Fusan, angestellt
werden. Da über die fraglichen Verhältnisse Koreas bisher noch wenig bekannt
geworden ist, erschien es angezeigt, diese Resultate hier zu veröffentlichen. Die
Ann. d, Hyar. etc., 1891, Heft I.