Lau-
ende
No.
x
A
ZI
Da- |
tum
18.
Febr.
1891
19.
Febr.
1891 |
384
Versuche über das Glätten der See durch Oel.
Zeit des Versuchs
Seegang
WVind-'
Rich- Fahrt
mng des
und | Schiffes
Stärke
Temperatur
Anfang Ende
der des |
Luft |Wassers
°C °C,
Ausgufßfsgefäfse
10h ;
30m y.m. | 4b 50m np. m.
Entsprechend | NzE |2—8Sm| 10,9 | 13,2
dem Winde. | 7—10 .
Zwei Säcke an der St-B.-
Seite abwechselnd am Katt-
davit und vor dem Fock-
want. DieSäcke bestanden
aus Segeltuch No. I und
waren durchlöchert. Jeder
Sack enthielt 2 kg Oel und
2 kg Werg.
jahı5m am.
Dh a m.
lita
NzE |2— Sml
/— 10
RR
12,3
Ein Sack am Kattdavit aus
Segeltuch No. I, durch-
'öchert, 2 kg Oel und 2 kg
Werg enthaltend.
{ih a m.
‚h 30M p. m.
ifo
ENE [2 m. bis
j—10l9h 2—3
später
— 5 Sm
LS
10,0
Zwei Säcke, abwechselnd
wie oben (VI), aus Segel-
tuch No. I, durchlöchert.
\2Kkg Oel und 2 kg Werg.
Ein Sack an St-B.-Fall-
reep aus Segeltuch No. I,
durchlöchert, mit 3 kg Oel
und 2 kg Werg.
ıh 30 op, m.
L
“10.
Iıtı
ENE | 5,0 Sm |
5—10
4,5
10,0
Die Versuche sollten sowohl im Beiliegen, bei durcheinander und von ver-
schiedenen Seiten laufenden Kreuzseen, bei Fahrt mit hoher seitlicher See, beim
Lenzen, Beidrehen und Abfallen in hohem Seegange, beim Dampfen gegen die
See, vor schwerer See zu Anker liegend, beim Heifßsen resp. zu Wasser führen
von Booten im Seegange, in den Booten selbst, sowie bei sich bietender Ge-
legenheit zum Dämpfen von Brandung angestellt werden, und war den Schiffen
‘ir die Ausführung der Versuche eine kurze Anweisung gegeben worden.
Vorstehend sind die Versuchsergebnisse S. M. S. „Kaiser“ und S. M. Av.
„Pfeil“ nach den von den Kommandanten der genannten Schiffe, Kapt. z. See
Freiherr von Bodenhausen und Korv.-Kapt. Lavaud, eingegangenen Berichten
zusammengestellt.
Die Versuche wurden angestellt bei Fahrt mit achterlicher, seitlicher und
vorlicher See (in einzelnen Fällen fehlen die Angaben über die Lage des Schiffes
zur See), sowie beim Bootheifsen in Seegang.
Von S.M.S. „Kaiser“ wurde Wogenbesänftigungsöl, Rüböl (Maschinenöl),
Cranes-Oel (Cylinderöl) und Petroleum zu den Versuchen herangezogen, ohne
dafs jedoch ein bemerkenswerther Unterschied in der Wirkung der verschiedenen
Delsorten festgestellt werden konnte; von „Pfeil“ wurde durchgehends Wogen-
besänftigungsöl verwendet.
In den meisten Fällen konnte. ein guter Erfolg beobachtet werden, das
Del breitete sich mit ziemlicher Geschwindigkeit um das Schiff aus und bildete
ainen Streifen von 5 bis 15 m Breite und von 500 bis 600 m Länge beim „Kaiser“,
nach den Berichten des „Pfeil“ von 150 bis 400m Länge; die verschiedenen
Dimensionen beim „Kaiser“ und „Pfeil“ erklären sich, ganz abgesehen davon,
Jaß sie stets von den äufseren Verhältnissen, wie Fahrt des Schiffes, Lage des
Schiffes zu See und Wind, Art der Ausgulsgefäfse, des Oels selbst u. A. abhängig
3ind. wohl hauptsächlich aus dem größeren Oelverbrauch beim „Kaiser“ als beim
Oelsorte
Wogen-
besänftigungsöl.
lita
dit.
Jire
Versuche über das Glätten der See durch Oel.
DR
Zustand der See und Verhalten des Schiffes
Jursh Oe! “eglättete
FI&-Ha
Wie bald nach
dem Beginn der
Oelgebrauchs
trat die volle
Wirkung ein?
vor | während
dem Oelgebrauch des Oelgebrauchs
Form | Ausdehnung
Bemerkungen
Sehr bewegter hoher See- | Zeigte keine Aenderung
yang, heftige Brecher. Das Vor dem Oelgebrauch
Schiffschlingertesehrstark. starke Spritzer vorn und
Krängungspendel schlugzu mittschiffs, zeitweise über-
beiden Seiten an. stürzende Kämme der
Wellen. Während des Ge
brauchs einzelne Spritze:
vorn und mittschifis.
Vom Fockwant an ein
ca 20 bis 30 m breiter Oel-
streifen, nach hinten noch
mehr an Breite zunehmend
Länge: 300 bis 400 m.
2 bis 3 Minuten
nach
dem Gebrauch
Auf der ganzen Oelfläche wurde
kein Brecher bemerkt. Die Wellen-
kämme glätteten sich sofort, 8o-
bald sie innerhalb des Oelstreifens
kamen. Seegang: 3 bis 4 Strich
von St-B. vorn, Stärke: 7—8,
Kurze steile Wellen.
1
Zeigte keine Aenderung.
Sonst wie bei VI.
Wie bei VI.
Länge des Streifens der
Dunkelheit wegen nicht
zu erkennen.
dito
Während der Nacht vor dem Oel-
gebrauch starke Spritzer vorn
und mittschiffs, zeitweise heftige
Brecher mittschiffs, in der Nähe
der Kommandobrücke, Während
des Oelgebrauchs wurden die
Spritzer geringer, Brecher kamen
nicht über.
Wie oben angegeben.
Streifen wurde später durch
die vermehrte Fahrt
schmäler.
Jita
| Seegang: 5 bis 7 Strich von St-B.
vorn, Stärke: 8.
Kurze steile Wellen.
Wie oben, mit dem Winde
abnehmend. Zeitweise wie
oben, sonst 25° bis 30°
nach beiden Seiten schlin-
zernd. Zeitweise kamen
Spritzer an B-B.-Fallreep
über.
Wie oben,
Es kamen keine Spritze
über.
Vom Grofswant an ein 10m |
breiter und 200m langer
Streifen,
5 Minuten,
Seegang quer, und 1 bis 4 Strich
von St-B. achteraus, schnell mit '
dem Winde abnehmend.
Im Oelstreifen waren keine Brecher.
„Pfeil“; wir kommen darauf noch zurück. Durch und in dem Oelstreifen glättete
sich die See, Brecher und Spritzer verschwanden oder wurden gemildert, das
Schiff nahm kein oder weniger Wasser über als vorher; die Bewegungen des
Schiffes jedoch blieben, wie zu erwarten, unverändert.
Die volle Wirkung des Oels trat in 3 bis 10 Minuten nach Beginn des
(tebrauchs ein.
An Oelsäcken kamen sowohl durchlöcherte aus dichtem Gewebe, als solche
aus lockerem Gewebe und ohne Löcher zur Anwendung. Aus der Zusammen-
stellung läfst sich ein bestimmtes vergleichendes Urtheil über beide Arten
nicht gewinnen; S. M. S. „Kaiser“ berichtet jedoch, dafs Säcke mit loserem
Gewebe (Kartoffelsäcke) bei weitem bessere Erfolge erzielten, als solche aus
festem Gewebe (Segeltuch) mit Löchern (vgl. Rottok, „Die Beruhigung der
Wellen durch Oel“, Seite 25), Der Unterschied in der Wirkung war schon bei
den ersten Versuchen so auffallend, dafs bei den weiteren Versuchen von dem
Gebrauch der letzteren Art Abstand genommen wurde; als Säcke ersterer Art,
die an Bord stets vorhanden und zur Hand sind, werden Kartoffelsäcke empfohlen.
S. M. S. „Kaiser“ hält auch Säcke von gröfßseren Dimensionen, als die oben an-
gegebenen, für praktisch. Desgleichen übertraf der Oelverbrauch bei diesem
Schiff das oben angegebene Durchschnittsquantum von 2 Litern die Stunde; der
zur Erzielung eines nennenswerthen Erfolges nothwendige Verbrauch belief sich
auf 4 Liter pro Stunde, Bereits oben ist angeführt, daß die Angaben über den
Verbrauch sehr varliren (!/ bis 9 Liter pro Stunde), und es ist äuch leicht
erklärlich und bedarf keines Beweises, dals derselbe je nach den Umständen,
Fahrt, Gröfe und Lage des Schiffes schwanken mufs. Es nimmt daher nicht
Wunder, dafs ein grofßes Panzerschiff wie der „Kaiser“ 4 Liter pro Stunde
gebraucht. während S. M. Av. „Pfeil“ mit !/ bis 1 Kilo auskommt.