Beiträge zur Hydrographie und Kartographie der Onega-Bucht. 375
Jäuft im Mittel 5* 5”, die Ebbe 6h 37”; die Strömung tritt ungefähr 1 Stunde
nach Hoch- und Niedrigwasser ein, der höchste Wasserstand wird bei Winden
von W durch N bis NNE erreicht.
In der Onega-Mündung bei dem Wasserthurm der Stadt Onega ergaben
die Beobachtungen des Jahres 1888: mittlere Fluthhöhe 2,36 m (7‘ 9”), Hafenzeit
8b 40”, Dauer der Fluth 4* 25”, Dauer der Ebbe 7* 30"; nach den Beob-
achtungen von 1889 betrug die mittlere Fluthhöhe 2,54 m (8 4”), die Hafenzeit
9* 17”, die Dauer der Fluth 4" 27”, die Dauer der Ebbe 7% 55". Die ver-
schiedenen Resultate sind eine Folge des grofsen Einflusses der herrschenden
Winde und der starken Flufsströmung auf die Gezeiten.
Bei den Solowezki-Inseln, am Kloster, beträgt die Hafenzeit 5 55",
die mittlere Höhe des Wassers 0,6 m (2‘) und bei der Insel Klein-Muksalma an
der Westseite der Brücke nach Grofs-Muksalma ist die Hafenzeit 4° 48", die
mittlere Fluthhöhe 1,67 m (5‘ 6“). Hier werden die Gezeiten auch stark durch
die herrschenden Winde beeinflufst.
Die magnetischen Beobachtungen an verschiedenen Punkten der Onega-
Bucht ergaben folgende Werthe für die Deklination:
a) In der Soroka-Bucht auf der Insel Startschina, in der Nähe des Dorfes
Soroka, im Jahre 1887: 2° 44‘ Ost.
> % In derselben Bucht auf der Insel Wodopoimja, im Jahre 1888:
° 54' Ost.
e) In derselben Bucht auf der Insel Kufs, 1888: 4° 39‘ Ost.
d) In der Onega-Bucht am SW-Ende der Insel Kio, 1888: 5° 52’ Ost.
e) An der Nordküste der Onega-Mündung bei Kap Pichnemski: 6° 25' Ost.
Auf den Solowezki-Inseln, 1889:
f) Auf der Insel Ansersk bei Kap Kalgujew: 4° 14,6' Ost.
g%) An der Südküste der Insel Klein-Muksalma: 4°. 1‘ Ost.
4 h) Auf der Insel Jischgin, nahe beim Leuchtthurm, im Jahre 1889:
5° 40' Ost.
i) Auf Kap Lietni Orloff (bei der Triangulationsbake 1889) 4° 17,5‘ Ost
in demselben Jahre. Aus dem Vergleich mit den vorjährigen Daten ergiebt sich
für die Onega-Bucht eine jährliche Aenderung: bei der Onega-Mündung bis 7‘,
bei den Solowezkti-Inseln bis 6‘ Zunahme der östlichen Deklination. Nach Beob-
achtungen auf den Solowezki-Inseln im Jahre 1870 kann ınan eine jährliche
Zunahme der Deklination um 6‘ als für die ganze Onega-Bucht geltend ansehen.
Kleine Notizen. 9
1. (D.S.) Oelen der See. Kapitän O. Schmidt von der Hamburger
Bark „Selene“ berichtet: „Auf der Reise von Hamburg nach Rangun hatten wir
am 4. Dezember 1890 in ungefähr 43,7° S-Br und 20° O-Lg einen schweren
Sturm aus der Westrichtung zu bestehen, bei welchem wir flach vor dem Winde
lenzten. Da die sehr hoch laufende See zuweilen ganz über das mit Salz tief
beladene Schiff hinwegging und Alles an Deck zu zertrümmern drohte, beschlofs
ich, Oel anzuwenden und ließ zu dem Ende an jeder Seite vorn am Krahnbalken
einen Oelbeutel anbringen, aus denen das Oel ziemlich rasch auslaufen konnte.
Dies hatte jedoch keinen Erfolg; erst als auch noch die Klosetröhren mit Oel
und Theer (Werg?) gefüllt worden waren, konnte man eine Besserung bemerken.
Nach meiner auf vielfache Versuche gegründeten Erfahrung glaube ich bezweifeln
zu müssen, dafs man durch tropfenweises Oelen die hohe, brechende See viel
beruhigen kann; wir gebrauchten in 24 Stunden ungefähr 70 bis 80 Pfund Oel.
Als der Wind später etwas von St-B. einkam, brach die See, obgleich wir weiter
ölten, fortwährend über Deck. Nach meiner Ansicht ist die Anwendung von Oel
nur von Nutzen, wenn ein Schiff bei stürmischem Wetter beigelegt ist, nicht
aber, wenn es mit 11 bis 13 Kn Fahrt vor dem Winde segelt.“
1) Die mit (D. S.) bezeichneten Notizen sind von der Deutschen Seewarte eingesendet
Hydr. ete., 1891, Heft 1X.