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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

Der. Kuro-Siwo oder Japanische Strom, 
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Die Zone längs der Küste, in welcher Gezeitenströmungen auftreten, hat 
nicht an allen Stellen und zu allen Zeiten dieselbe Breite. Sie erstreckt sich 5 bis 
6 Sm seewärts und hat bei den Landspitzen, welche am weitesten vorspringen, 
etwa 0,5 Sm Breite. Im Allgemeinen steht die Geschwindigkeit der Gezeiten- 
strömungen im umgekehrten Verhältnifs zur Breite dieser Zone; je geringer die 
Breite derselben ist, desto schneller laufen die Gezeitenströmungen. Bei Osima 
wurde zuweilen kein Fluthstrom bemerkt, wahrscheinlich weil der Kuro-Siwo, 
wenn er auf dieses Kap stöfst, über den Fluthstrom hinwegsetzt, oder weil zu 
dieser zM der Fluthstrom durch die Enge zwischen Osima und der Haupt- 
insel lief. 
Der Fluthstrom läuft längs der Küste in westlicher Richtung und dringt 
auch etwas in die tiefen Buchten an deren Westseite ein, während der Ebbestrom 
an den Ostseiten derselben heraussetzt. 
Längs der Küste zwischen Osima und Rock-Insel steuernd, sollte man sich 
so oft als möglich Gewifsheit darüber zu verschaffen suchen, ob man nach der 
Küste versetzt wird, namentlich bei südlichen und östlichen Winden und fallendem 
Barometer. Auf der Reise von Yokohama nach Kobe sollte man, falls das Wetter 
es gestattet, nachdem man Rock-Insel passirt hat, so nahe am Lande bleiben, 
dafs man sich auf der Grenzlinie der Zone der Gezeitenströmungen befindet. 
Man vermeidet so das Versetzen nach dem Lande und hat den Vortheil, sich 
kurz vorher, ebe das Wetter unsichtig wird, Sicherheit über seine Position ver- 
schaffen zu können. Die dem Kurse in der Nähe des Landes entsprechende 
Distanz ist wenig von der Distanz bei direktem Kurse verschieden. Die erstere 
Kurslinie nähert sich dem gröfsten Kreisbogen zwischen Rock-Insel und Osima. 
Kann man die Fahrt unter Land nicht machen, so soll man von Rock-Insel so 
steuern, daß man den Leuchtthurm von Matoya in Sicht bekommt. Kine Peilung 
desselben läßt sogleich erkennen, ob das Schiff nach der Küste zu versetzt wurde 
oder nicht. Wird das Wetter, nachdem man Matoya gepeilt hat, unsichtig, so 
ist man wenigstens nicht mehr in Gefahr, nach der Küste versetzt zu werden, 
weil die Entfernung von Matoya bis Osima nur klein ist. Sobald man Matoya- 
Feuer in Sicht bekommt, was in einem Abstand von 16 Sm der Fall ist, muß 
man den Kurs so nehmen, dafs man klar von Osima kommt. 
Beiträge zur Hydrographie und Kartographie der Onega-Bucht.‘ 
Nach den in den Jahren 1887 bis 1889 angestellten Vermessungen sind im 
südlichen Theil des eisernen Thores, an der Südseite der Insel Gro/s-Muksalma, 
für Schiffe bis zu 4,6 m (15‘) Tiefgang Ankerplätze vorhanden. *) 
Oestlich von der Insel Klein-Muksalma ist ein Riff gefunden, welches 
4 Werst von der Küste der Insel mit kahlen Steinen endigt und von den 
Mönchen des Klosters Solowezki genannt wird; es ist gefährlich für Schiffe, 
welche zwischen den Inseln Solowezki und Ansersk in die Onega-Bucht gehen. 
Die Mündung des Onega.*) Von den beiden vorhandenen in den Flufs 
führenden Fahrwassern, Dwin- und Korel-Fahrwasser, führt das erstere, in der 
Richtung N-S sich erstreckend, auf kürzestem Wege von der inneren Onega- 
Rhede in den Flufs, hat jedoch den Nachtheil, dafs es bei Niedrigwasser nur 
Tiefen von 0,9 bis 2m (3 bis 4‘) hat. Nichtsdestoweniger ziehen Schiffe, welche 
nicht über 2,4 m bis 2,7 m (8 bis 9‘) tief gehen, mit Rücksicht auf die geringe 
Ausdehnung und unbedeutende Krümmung, dieses Fahrwasser dem Korel-Fahr- 
wasser vor, indem sie dasselbe bei Hochwasser benutzen. Das Dwin-Fahrwasser 
hat noch den Vortheil, dals es sich von Jahr zu Jahr wenig verändert und dank 
seiner geraden Richtung durch nur vier Tonnen leicht gekennzeichnet werden kann. 
1) Aus dem Bericht über die Vermessung des Weifsen Meeres, 1887 bis 1889. Banickm no 
[Bxporpadimx H3NABACMHA INABEHMB InıporpagmıeCKEMB YıpazıekieMs. St, Petersburg 1890. 
2) White Sea Pilot, 1887, S. 203. 
3) White Sea Pilot, 1887, S. 217 u. f.
	        
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