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Der Kuro-Siwo oder Japanische Strom.
Der Kuro-Siwo oder Japanische Strom.
Die verschiedenen Verluste an Schiffen, welche in letzter Zeit zwischen
Yokohama und Kobe stattgefunden haben, werden von dem Hafenmeister zu Kobe,
John J. Mahlmann, in einem Artikel der „Japan Gazette“ der zu geringen
Kenntnifs von den in jener Gegend herrschenden Strömungsverhältnissen zu-
geschrieben, betreffs derer die Karten und Segelanweisungen grofse Lücken auf-
weisen. In demselben Artikel veröffentlicht der genannte Hafenmeister die
Resultate seiner auf 300 Reisen zwischen Yokohama und Kobe gesammelten
Erfahrungen. Wir entnehmen denselben das Folgende:
Es ist allgemein bekannt, dafs der Kuro-Siwo (der schwarze Strom) aus
dem Aequatorialstrom des Stillen Oceans entsteht. Indem dieser auf die Philippinen
und die südlich von denselben liegenden Inseln stößt, theilt er sich in zwei Arme,
von denen der eine erst südlich nach der Küste von Australien und dann östlich
läuft. Der andere Arm, welcher weiter nördlich Kuro-Siwo genannt wird, setzt
Anfangs nordwärts, passirt die Ostküsten der Philippinen und die Liukiu- (Laut-
Tschu-) Inseln und nimmt dann eine nordöstliche Richtung. In dieser fliefst er
bei der südlichen und südöstlichen Küste Japans vorüber und setzt hierauf seinen
Lauf bis zur Westküste Amerikas fort. Da der Kuro-Siwo in dem Aequatorial-
strom seinen Ursprung hat, ist sein Wasser beträchtlich wärmer als dasjenige
des Oceans, durch welchen er fliefst, und es lassen sich daher seine Grenzen
durch Temperaturmessungen des Wassers ermitteln. Die Grenzen sowie die
Breite und Geschwindigkeit dieses Stroms sind nicht konstant, sondern werden
durch die Monsune der Chinesischen See erheblich modificirt. Auch die Stürme
im Stillen Ocean beeinflussen den Kuro-Siwo, namentlich verursachen sie oft eine
beträchtliche Aenderung seiner Richtung. Während guten Wetters läuft der
Kuro-Siwo von der Vandiemens-Strafßse aus in fast gerader Linie nach der Rock-
Insel und berührt auf seinem Laufe Osima. In den Wintermonaten wird er zwar
öfter auf dieser Linie und selbst etwas südlich von derselben nicht angetroffen,
aber im Sommer kann man nach andauernd gutem Wetter stets darauf rechnen,
ihn anzutreffen und die Linie Osima—Rock-Insel als seine nördliche Grenze an-
nehmen. Dieselbe ist leicht erkenntlich an dem Seetang, Treibholz und den
Kabbelungen sowie an der dunklen Farbe des Stromes (daher der Name Kuro-
Siwo), welche gegen die Farbe des übrigen Meeres sehr absticht, Von Kock-Insel
läuft der Kuro-Siwo, etwas nördlicher werdend, bei Nosima-Saki vorüber in den
nördlichen Theil des Stillen Oceans.
In den an den nördlichen Rand des Kuro-Siwo anstofsenden Gewässern
findet meistentheils kein Strom statt, doch wurde zuweilen eine in der entgegen-
gesetzten Richtung des Kuro-Siwo laufende Strömung beobachtet, wie dies z. B.
im Februar 1879 der Fall war. Zu dieser Zeit wurde das Segelschiff „Sumanura-
maru“, Kapt. Spiegelthal, welches in ca 10 Sm Entfernung von Osima seine
Masten verloren hatte, während Windstille in vier Tagen 25 Sm nach Westen
versetzt. Zwischen der den Kuro-Siwo begrenzenden Zone, wo wie gesagt fast
nie Strömungen stattfinden, und der Küste Japans treten Gezeitenströmungen auf.
Die Breite der Zone, welche zwischen dem Kuro-Siwo und der Küste liegt,
ändert sich mit der Richtung und Stärke des Windes. Bei heftigen nördlichen
Winden vergrößert sie sich, bei südlichen und östlichen wird sie geringer.
Wehen letztere andauernd mit grofßser Stärke, so weicht der Kuro-Stiwo von
seiner regelmäfsigen ONO-Richtung ab. und setzt mehr oder weniger direkt auf
die Küste zu, wo er außergewöhnlich hohe und heftige Fluthen verursacht. Da
dann der Strom mit ziemlicher Geschwindigkeit nach dem Lande zu setzt, sind
Dampfschiffe zuweilen 16 Sm in eben so viel Stunden landwärts versetzt worden
und haben Osima an B-B. statt an St-B. in Sicht bekommen. Da die Süd- und
Ostwinde meistens von diesigem, unsichtigem Wetter begleitet sind, mufs man
auf der Fahrt zwischen Osima und Rock-Insel die gröfste Vorsicht anwenden,
Eine Unterlassung derselben kann leicht den Verlust des Schiffes zur Folge
haben, wie der Untergang des französischen Postdampfers „Niüle“ an der Küste
von. Idsw mit fast der ganzen Bemannung beweist. Während schönen Wetters
ist ein Schiff selten nach der Küste versetzt worden und hatte dies dann keine
schlimmen Folgen.