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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

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Der Kuro-Siwo oder Japanische Strom. 
Der Kuro-Siwo oder Japanische Strom. 
Die verschiedenen Verluste an Schiffen, welche in letzter Zeit zwischen 
Yokohama und Kobe stattgefunden haben, werden von dem Hafenmeister zu Kobe, 
John J. Mahlmann, in einem Artikel der „Japan Gazette“ der zu geringen 
Kenntnifs von den in jener Gegend herrschenden Strömungsverhältnissen zu- 
geschrieben, betreffs derer die Karten und Segelanweisungen grofse Lücken auf- 
weisen. In demselben Artikel veröffentlicht der genannte Hafenmeister die 
Resultate seiner auf 300 Reisen zwischen Yokohama und Kobe gesammelten 
Erfahrungen. Wir entnehmen denselben das Folgende: 
Es ist allgemein bekannt, dafs der Kuro-Siwo (der schwarze Strom) aus 
dem Aequatorialstrom des Stillen Oceans entsteht. Indem dieser auf die Philippinen 
und die südlich von denselben liegenden Inseln stößt, theilt er sich in zwei Arme, 
von denen der eine erst südlich nach der Küste von Australien und dann östlich 
läuft. Der andere Arm, welcher weiter nördlich Kuro-Siwo genannt wird, setzt 
Anfangs nordwärts, passirt die Ostküsten der Philippinen und die Liukiu- (Laut- 
Tschu-) Inseln und nimmt dann eine nordöstliche Richtung. In dieser fliefst er 
bei der südlichen und südöstlichen Küste Japans vorüber und setzt hierauf seinen 
Lauf bis zur Westküste Amerikas fort. Da der Kuro-Siwo in dem Aequatorial- 
strom seinen Ursprung hat, ist sein Wasser beträchtlich wärmer als dasjenige 
des Oceans, durch welchen er fliefst, und es lassen sich daher seine Grenzen 
durch Temperaturmessungen des Wassers ermitteln. Die Grenzen sowie die 
Breite und Geschwindigkeit dieses Stroms sind nicht konstant, sondern werden 
durch die Monsune der Chinesischen See erheblich modificirt. Auch die Stürme 
im Stillen Ocean beeinflussen den Kuro-Siwo, namentlich verursachen sie oft eine 
beträchtliche Aenderung seiner Richtung. Während guten Wetters läuft der 
Kuro-Siwo von der Vandiemens-Strafßse aus in fast gerader Linie nach der Rock- 
Insel und berührt auf seinem Laufe Osima. In den Wintermonaten wird er zwar 
öfter auf dieser Linie und selbst etwas südlich von derselben nicht angetroffen, 
aber im Sommer kann man nach andauernd gutem Wetter stets darauf rechnen, 
ihn anzutreffen und die Linie Osima—Rock-Insel als seine nördliche Grenze an- 
nehmen. Dieselbe ist leicht erkenntlich an dem Seetang, Treibholz und den 
Kabbelungen sowie an der dunklen Farbe des Stromes (daher der Name Kuro- 
Siwo), welche gegen die Farbe des übrigen Meeres sehr absticht, Von Kock-Insel 
läuft der Kuro-Siwo, etwas nördlicher werdend, bei Nosima-Saki vorüber in den 
nördlichen Theil des Stillen Oceans. 
In den an den nördlichen Rand des Kuro-Siwo anstofsenden Gewässern 
findet meistentheils kein Strom statt, doch wurde zuweilen eine in der entgegen- 
gesetzten Richtung des Kuro-Siwo laufende Strömung beobachtet, wie dies z. B. 
im Februar 1879 der Fall war. Zu dieser Zeit wurde das Segelschiff „Sumanura- 
maru“, Kapt. Spiegelthal, welches in ca 10 Sm Entfernung von Osima seine 
Masten verloren hatte, während Windstille in vier Tagen 25 Sm nach Westen 
versetzt. Zwischen der den Kuro-Siwo begrenzenden Zone, wo wie gesagt fast 
nie Strömungen stattfinden, und der Küste Japans treten Gezeitenströmungen auf. 
Die Breite der Zone, welche zwischen dem Kuro-Siwo und der Küste liegt, 
ändert sich mit der Richtung und Stärke des Windes. Bei heftigen nördlichen 
Winden vergrößert sie sich, bei südlichen und östlichen wird sie geringer. 
Wehen letztere andauernd mit grofßser Stärke, so weicht der Kuro-Stiwo von 
seiner regelmäfsigen ONO-Richtung ab. und setzt mehr oder weniger direkt auf 
die Küste zu, wo er außergewöhnlich hohe und heftige Fluthen verursacht. Da 
dann der Strom mit ziemlicher Geschwindigkeit nach dem Lande zu setzt, sind 
Dampfschiffe zuweilen 16 Sm in eben so viel Stunden landwärts versetzt worden 
und haben Osima an B-B. statt an St-B. in Sicht bekommen. Da die Süd- und 
Ostwinde meistens von diesigem, unsichtigem Wetter begleitet sind, mufs man 
auf der Fahrt zwischen Osima und Rock-Insel die gröfste Vorsicht anwenden, 
Eine Unterlassung derselben kann leicht den Verlust des Schiffes zur Folge 
haben, wie der Untergang des französischen Postdampfers „Niüle“ an der Küste 
von. Idsw mit fast der ganzen Bemannung beweist. Während schönen Wetters 
ist ein Schiff selten nach der Küste versetzt worden und hatte dies dann keine 
schlimmen Folgen.
	        
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