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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

370 Die Dampfschiff-Routen vom Kap der guten Hoffnung nach Australien. 
Die Centren dieser atmosphärischen Störungen scheinen im Allgemeinen östlich 
vom 30. Meridian im Süden des 46. Breitenparallels während des Sommers und 
im Süden des 43. während des Winters nach Osten hin fortzuschreiten. Man 
mufs sich daher, um auf der linken Seite der Cyklonen zu bleiben, während der 
Sommermonate etwas nördlich vom 46. und während der Wintermonate etwas 
nördlich vom 43. Breitenparallel halten. Dann hat man den Vortheil, mit kräftigen, 
raumen Winden schnell vorwärts zu kommen, während man bei der Wahl süd- 
licherer Breitenparallele wahrscheinlich den Centren der Depressionen zu nahe 
kommt oder selbst in den Bereich der auf der südlichen Seite der Cyklonen 
wehenden Gegenwinde geräth. Die Depressionen des südlichen Indischen Oceans 
bewegen sich oft mehrere Tage so langsam nach Osten hin, dafs ein schnell 
laufender Dampfer auf ihrer linken Seite Hunderte von Meilen in derselben 
Position zu ihren Centren bleibt, ihnen zuweilen etwas vorauseilt und sie nicht 
selten hinter sich läßt. 
Das langsame Fortschreiten der Centren beweisen die Aufzeichnungen 
vieler Dampfschiffe über die Stürme, welche sie auf der Reise von der Kapstadt 
nach Australien hatten. Kapitän Hepworth theilt einige derselben mit, die 
hier Erwähnung finden mögen. 
Im Juli 1887 lief der Dampfer „Port Pirie“ über 1200 Sm auf der linken 
Seite einer Cyklone und würde wahrscheinlich seinen Weg noch weiter mit 
derselben fortgesetzt haben, wenn er nicht wegen einer Beschädigung der Maschine 
genöthigt gewesen wäre, unter Segeln beizudrehen. Der mittlere Theil der 
Üyklone passirte dann das Schiff innerhalb drei Stunden, der Wind sprang 
während einer heftigen Böe nach WSW um und drehte später weiter nach Süden 
hin. Während der „Port Pirie“ mit der Cyklone segelte, legte er täglich ca 300 Sm 
zurück, und seine Position zu dem Centrum ließ sich oft aus dem Aussehen des 
Himmels, den Veränderungen der Windrichtung und den Schwankungen des 
Barometers angenähert ermitteln. 
Im Mai 1888 kam der Dampfer „Port Victor“ auf 38° S-Br und 25° O-Lg 
in die Nähe einer flachen Cyklone und holte dieselbe ein, indem er südlich 
steuerte. Er passirte hierauf allem Anschein nach ihren mittleren "Theil und 
drehte dann bei, während die Cyklone ihren südöstlichen Weg fortsetzte. 
Nachdem die Heftigkeit des Windes etwas nachgelassen hatte, nahm er seinen 
Kurs wieder auf, holte das Centrum wieder ein und drehte infolge dessen bei. 
Er befand sich jetzt nordöstlich vom Centrum und konnte erst 24 Stunden später 
weiter segeln. 
Im Januar 1889 holte der Dampfer „Port Pirie“ eine Cyklone ein, deren 
Centrum auf 45° 30 S-Br und 44° 2‘ O-Lg in ostsüdöstlicher Richtung fortschritt 
und gerieth in den Bereich der steilen Gradienten hinter dem Centrum, Er lief 
dann mit südwestlichem Winde nach NO und würde wahrscheinlich bald ganz 
aus der Cyklone herausgekommen sein, wenn er nicht wegen der schweren Kreuz- 
seen hätte beidrehen müssen. 
Im Juli 1890 kam der Dampfer „Port Adelaide“, SO steuernd, auf 37° S-Br 
und 17° O-Lg in die Nähe einer Cyklone. Statt der westlichen Winde, welche 
sich nach Aufhören des Passats in 26° S-Br eingestellt hatten, begann mit 
fallendem Barometer der Wind aus SO zu wehen und drehte dann, schnell an 
Stärke zunehmend, durch Ost nach Nord. Das Centrum, welches bisher an- 
scheinend stationär geblieben war, näherte sich später dem Schiffe und dasselbe 
hatte auf 39° S-Br und 22° O-Lg einen starken NW-Sturm. Von letztgenannter 
Position bis zu 36° O-Lg wehte eine steife Briese, welche zuweilen zum Sturm 
anwuchs und, je nachdem das Centrum sich dem Schiffe näherte oder zurück- 
blieb, zwischen WNW und WSW schwankte. Dann ging der Wind auf NW 
zurück und wurde mit fallendem Barometer, drohendem Wetter und zunehmendem 
Seegange allmählich stärker, so dafs das Schiff genöthigt war, mit langsam 
gehender Maschine, den Kopf gegen die hohe See gerichtet, beizudrehen. Dies 
geschah gegen 6* a, m., und ungefähr eine halbe Stunde nach Mittag hatte der 
Wind wieder bis zu mälfsiger Briese abgeflaut. Jetzt stellte sich aber ein heftiger 
Sturm ein, welcher 14 Stunden anhielt und von orkanartigen Böen sowie schwerem 
Soogange begleitet war. Dann drehte der Wind langsam nach SW und nahm an 
Stärke ab.
	        
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