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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

Aus dem Reiseberichte der deutschen Bark „Christel“, _ 
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Während des Orkans hatten wir an der Luvseite des Schiffes vier Oelsäcke, 
ziemlich gleichmäfsig auf die ganze Länge desselben vertheilt, über Bord hängen, 
und der Erfolg, den wir dadurch erzielten, war wirklich wunderbar. Stundenlang 
habe ich die heranrollenden Brecher beobachtet, und jedesmal, wenn sie in den 
Bereich des Oels gelangten, fielen sie wie durch Zaubermacht in sich zusammen, 
30 daß nur die Dünung oder der Schwell übrig blieb. Wenn trotzdem einige 
Sturzseen über das Schiff hinweg liefen, so war dies dem Umstande zuzuschreiben, 
dafs die Oelsäcke durchgescheuert waren und sich ihres Inhaltes entleert hatten, 
was wir durch ein sofortiges Ueberholen derselben erkannten. 
Meiner Meinung nach sollte der Gebrauch des Oels bei schwerem Wetter 
zur Beruhigung der Wellen und die Mitnahme einer erforderlichen Menge desselben 
für diesen Zweck den Schiffen gesetzlich befohlen werden. Mancher Unfall, be- 
sonders auch das Ueberbordschlagen von Menschen, würde dadurch gewiß ver- 
hütet werden. Der Verbrauch von Oel während eines Sturmes ist noch dazu 
ein verhältnilsmäfsig geringer. Die Weiterreise, auf welcher am 25. Oktober, 
57 Tage in See, Lizard passirt wurde, verlief ohne bemerkenswerthe Ereignisse. 
Anmerkung. Nach dem Monatsbericht der Deutschen Seewarte und der 
amerikanischen Pilot Chart für Oktober 1890 zog unter andern ein barometrisches 
Minimum mit Winden von Orkanstärke und einem niedrigsten Luftdruck von 
727mm am 10. von der Länge Neuschottlands in nordöstlicher Richtung über 
den Nordatlantischen Ocean, welches sich durch die eingegangenen Schiffsberichte 
bis nach 30° W-Lg verfolgen läfst. Nach der amerikanischen Pilot Chart lag 
dieses Minimum am 9. Oktober in ungefähr 35° N-Br und 52° W-Lg, am 10. Ok- 
tober in 45° N-Br und 45° W-Lg (nordwestlich von „Christel“) und am 11. Ok- 
tober in 51° N-Br und 36° W-Le. 
Die Dampfschiff-Routen vom Kap der guten Hoffnung nach 
Australien. 
Ueber die Breite, auf welcher von Dampfschiffen die Fahrt vom Kap 
der guten Hoffnung nach dem Meridian des Kaps Leewwin zurückzulegen ist, 
sind seit längerer Zeit, seitdem viele Dampfschiffe die Reise von Australien um 
das Kap der guten Hoffnung wachen, verschiedene Ansichten zur. Oeffentlich- 
keit gelangt. Einige empfehlen eine südliche, sich dem Bogen eines größten 
Kreises möglichst anschliefsende Route, weil die Reise dadurch erheblich ab- 
gekürzt und viele schnelle Reisen auf dieser Route gemacht wurden; andere 
halten es für besser, nicht südlicher als bis zum 39. Breitenparallel zu gehen,') 
weil man sich auf südlicheren Breiten rauhem, stürmischem Wetter aussetzt und 
auch Gefahr laufen kann, auf Eismassen zu stofsen. Eine Besprechung der Route 
und ein darüber in der Royal Meteorological Society zu London gehaltener 
Vortrag von Kapt. M. W. Campbell Hepworth beansprucht ein besonderes 
Interesse der Seeleute, es soll daher aus diesem Vortrag *) hier das Wissens- 
wertheste mitgetheilt werden. 
Kapitän Hepworth schliefst aus seinen Erfahrungen während seiner 
Reisen von der Kapstadt nach Australien und aus den Logbüchern vieler Dampf- 
schiffe, dafs man im Winter nicht dieselbe Route wählen darf, welche man im 
Sommer einschlägt, und empfiehlt, die Distanz vom Kap der guten Hoffnung zum 
Meridian des Kaps Leeuwin während der Wintermonate zwischen dem 41. und 
42, und während der Sommermonate zwischen dem 45. und 46, Breitenparallel 
abzulaufen. Er begründet seine Ansicht durch Folgendes: Bekanntlich werden 
die vorherrschenden westlichen Winde des südlichen Indischen Oceans zuweilen 
im Sommer, aber öfter im Winter durch Stürme eyklonischer Natur unterbrochen. 
1) Siehe „The Australia Directory“, 
2) Quarterly Journal of the Royal Meteorological Society. January 1891. „Wind Systems 
and Trade routes between the Cape of Gond Hope and Australia.“
	        
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