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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

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Aus dem Reiseberichte des deutschen Vollschiffes „Freiburg“. 
sich so dicht neben einander, dafs ein Mensch Mühe hat, zwischen denselben zu 
gehen. Ein Besuch von mir war den Vögeln durchaus nicht angenehm, und es 
flogen Hunderte von ihnen mit grofsem Geschrei dicht um meinen Kopf herum. 
Noch weniger angenehm aber schien denselben die Anwesenheit meines mich 
begleitenden kleinen Hundes zu sein. Aufser einigen kümmerlichen Kaktus- 
gewächsen und etwas grobem Grase am Rande der Lagune wächst absolut nichts 
auf der Insel. Die Luft ist ungemein trocken. 
Den Ballast wirft man einfach auf dem Ankerplatz über Bord. Geladen 
wird vermittelst Leichter, welche durch eine Dampfbarkasse längsseits des Schiffes 
geschleppt werden. Bei günstigem Wetter haben wir an einem Tage bis zu 
190 Tonnen Guano übergenommen. Letzterer wird in Säcken an Bord gebracht 
und aus diesen von Deck aus in den Raum geschüttet, woselbst ein derartiger 
Staub entsteht, dafs kein Mensch es in demselben während der Entleerung der 
Säcke aushalten kann, 
Das Wetter war während unseres Aufenthaltes bei Raza-Insel fast immer 
schön, so dafs wir nur einmal nöthig hatten, den zweiten Anker fallen zu lassen. 
Es kostete uns später fünf Stunden Arbeit, denselben wieder aufzuwinden, weil 
er in einer Tiefe von 38m (21 Fad.) hinter einem Felsen unklar gekommen war, 
wodurch der eiserne Stock sich krumm gebogen hatte. Da nun die ganze Mann- 
schaft zum Aufhieven eines Ankers erforderlich ist und man natürlich während 
der Dauer dieser Arbeit keine Leute für das Laden übrig hat, die Zeit hierfür 
also verloren geht, außerdem auch die Gefahr vorhanden ist, den Anker gar nicht 
wieder lichten zu können, so habe ich es später vorgezogen, bei steifer Briese 
nicht den zweiten Anker fallen zu lassen, sondern lieber mıt 180 m (100 Fad.) 
Kette vor einem Anker zu liegen. 
Die Strömung ist bei der Insel Raza sehr unregelmäfsig, hauptsächlich 
aber setzt dieselbe nach NW. Zur Zeit des Vollmondes erlangt sie eine Ge- 
schwindigkeit bis zu 5 Kn. Beim Schwaien des Schiffes hakt die Ankerkette 
nicht selten hinter einem Felsen oder einem grofsen Stein, und wenn dann die 
Bucht derselben plötzlich klar schlippt, giebt es einen gehörigen Ruck am Spill. 
Wir hatten von Guaymas zwei lebende Ochsen mitgenommen. Nachdem 
dieselben in Raza-Insel geschlachtet waren, wurde das Fleisch derselben in 
dünne Streifen zerlegt, 24 Stunden in Salz verpackt und dann an der Luft ge- 
trocknet. Trotz der grofsen Hitze und der vielen Fliegen hielt es sich in diesem 
Zustande sehr gut. 
Am 13. Juni gingen wir mit 1500 Tonnen Guano an Bord bei leichtem 
SE-Winde wieder unter Segel. Die Gelegenheit wurde bald eine sehr schlechte, 
mit vielen Windstillen, dichtem Nebel und einem starken Gegenstrom, weshalb 
wir zur Zurücklegung der ersten 24 Sm 6 Tage gebrauchten. Nachdem die Insel 
San Lorenzo passirt war, kamen wir leidlich gut voran. Unser Bestreben war 
dabei dahin gerichtet, am Abend stets dicht unter der Küste von Kalifornien zu 
stehen, wo wir auch in einigen Nächten eine recht schöne Landbriese vorfanden. 
Am 26. Juni Abends ankerten wir im Hafen von Pichilingue, nachdem wir zuvor 
einige Stunden auf den Eintritt des Landwindes von SSW gewartet hatten, um 
hinein segeln zu können. Nach La Paz konnten wir wegen des zu großen 
Tiefgangs unseres Schiffes nicht kommen. 
Die ganze Anlage von Pichilingue besteht in einer halb zerfallenen Hütte, 
welche dem Wächter eines dem amerikanischen Staate gehörenden Haufens Stein- 
kohlen zur Wohnung dient. In der Umgebung des Hafens giebt es einiges Wild, 
besonders Hasen, einige Hirsche und Wildkatzen, aber auch viele Schlangen. 
Ich tödtete selber eine 2,5 m lange Klapperschlange, die sich durchaus nicht vor 
mir zu fürchten schien. 
Trinkwasser ist hier nicht vorbanden; man mul dasselbe mit dem Boot 
von La Paz holen. Wir Iluden das Schiff bis zu einem Tiefgange von 7,3 m 
(24 Fufs). Die hier eingenommene Ladung bestand in Torrote, Perlmutterschalen, 
Ochsenhörnern und Orseille,. Da wir bei dem genannten Tiefgange nur 1m 
(3 Fuß) Wasser mit Niedrigwasser unter dem Kiel behielten, wenngleich die 
Wassertiefe nach unserer Karte 11m (6 Fad.) betragen sollte, so warpten wir 
am 19. Juli das Schiff aus dem Hafen heraus und gingen 1 Sm außerhalb des- 
selben auf einer Tiefe von 24 m (13 Fad.) zu Anker. Am Mittage des 2. August 
hatten wir endlich unsere volle Ladung an Bord, und am folgenden Morgen um
	        
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