Aus dem Reiseberichte des deutschen Vollschiffes „Freiburg“.
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Dampfer zwecks Reparatur u. s. w. nach San Francisco, und wird während der
Dauer seiner Abwesenheit der Postdienst hier durch kleine Segelfahrzeuge
besorgt.
Das Trinkwasser ist gut, wohl das beste am ganzen Golf, und kostet
3 Cents die Gallone, doch mul man es sich selber an Bord holen. Da es im
Winter selten oder nie regnet, man aber an Bord des Kohlenlöschens wegen
viel frisches Wasser zum Waschen bedarf, so ist für ein grofses Schiff, namentlich
wenn es auch im Golf eine Ladung einzunehmen hat, ein Kondensator an Bord
von grofsem Nutzen. „Freiburg“ ersparte durch ihre Ausrüstung mit einem
solchen während unserer mehr als fünf Monate betragenden Anwesenheit in den
verschiedenen Häfen des Golfs von Kalifornien etwa 500 Doll.
„Freiburg“ war gechartert, bei der Insel Raza 1500 Tonnen Guano zu
laden und dann in La Paz und Pichilingue mit Perlenmuscheln und Torotte auf-
zufüllen. Vorher mußten wir jedoch zum Klariren nach Guaymas versegeln,
Mit dieser Bestimmung verliefsen wir am 11. Mai um 10 Uhr Vormittags bei
frischem Nordwinde die Rhede von Santa Rosali@a und ankerten um 10 Uhr
Abends an demselben Tage unter Kap Haro. Gerade in demselben Augenblick,
als dieses Kap umsegelt war, wurde es gänzlich windstill, aber das Schiff behielt
genügende Fahrt, um bis zu dem Ankerplatz aufzuschiefsen. Aufserhalb (westlich)
vom Kap stand infolge des steifen nördlichen Windes etwas Seegang, und das
Wasser phosphorescirte derartig, wie ich es noch nie gesehen habe. Es sah aus
wie flüssiges Feuer und blendete geradezu die Augen, ganz besonders in Lee
voraus, von wo aus es den Eindruck machte, als wenn ein weilser Sandstreifen
mit einer glühenden Masse übergossen sei. Dazu blitzte es gleichzeitig stark im
Nordosten. Das Licht des Leuchtthurms auf Kap Haro sah im Vergleich mit
all dem uns umgebenden Feuer wie das einer gewöhnlichen Thranlampe aus.
Innerhalb (östlich) von dem Kap und auf unserm Ankerplatz war das Wasser
völlig schlicht und kein Meerleuchten vorhanden.
Am folgenden Vormittage um 11 Uhr ankerten wir im Hafen von Guaymas.
Derselbe ist der beste an der ganzen Golfküste, obwohl er nur geringe Wasser-
tiefen hat und ziemlich enge ist. Aus diesem Grunde und weil kein Schlepp-
dampfer vorhanden, ist das Verlassen desselben für ein Segelschiff manchmal
mit Schwierigkeit verknüpft. Nachdem einige für die Insel Raza bestimmte
Leichterladungen Proviant u. s. w. übergenommen und das Schiff ausklarirt war,
wurde Guaymas wieder verlassen. Wegen der sehr unbeständigen Winde waren
wir gezwungen, noch einmal wieder zu ankern, bevor es uns gelang, Kap Haro
am 16. Mai 9 Uhr Vormittags zu passiren. Mit leichten, vorherrschend südöst-
lichen Winden steuerten wir dann einen nordwestlichen Kurs und ankerten
46 Stunden später auf dem Ankerplatz bei der Insel Raza, auf einer Wassertiefe
von 35 m (19 Fad.). Derselbe ist möglichst schlecht, da er aus Steinen und
Felsen besteht; dazu gewährt die kleine, 30 m hohe Insel nur einen geringen
Schutz gegen den über sie hinweg wehenden Wind. Es sollten daher nur Schiffe,
die mit gutem Ankergeschirr versehen sind, diese Rhede aufsuchen. Im Oktober
vorigen Jahres ging ein amerikanisches Schiff infolge des Brechens seiner Anker-
ketten an. der Insel verloren. Aufzufinden ist die Insel Raza leicht, da sie die
niedrigste der ganzen Umgebung ist. Man. hat versucht, den höchsten Theil
derselben durch Haufen von Steinen, welche unterhalb des Guanos hervorgeholt
wurden, künstlich etwas zu erhöhen. Diese Aufbauten wurden von uns bereits
in dem Kanal zwischen den Inseln San Lorenzo und San Esteban, also in einem
Abstande von ungefähr 15 Sm, von Deck aus in einer Augeshöhe von etwa 12 m
gesichtet.
Die Insel Raza wurde zur Zeit unserer Anwesenheit daselbst von einem
Aufseher und 30 Arbeitern mit. ihren Familien bewohnt, welche ‚sich an Haus-
thieren 2 Hunde, 1 Schwein und 4 Tauben hielten. Aufserdem wird die Insel
von vielen Tausenden von Möven belebt. Für letztere war gerade die Brütezeit
und unsere Leute schleppten am ersten Sonntage Körbe voll Eier an. Bord, von
denen freilich die meisten angebrütet und daher zum Essen untauglich waren.
Frisch gelegte Möweneier lassen sich recht gut verwenden, namentlich zu Back-
werk. Mit dem Bau eines Nestes befassen sich die Möwen nicht; sie. legen
einfach. ihre Eier, gewöhnlich 1 bis 3, in kleine Vertiefungen des Guanos, unter
denen ich einzelne vorfand, die einige Federn enthielten. Die Nistplätze befinden