Aus dem Reiseberichte des deutschen Vollschiffes „Freiburg“.
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wir uns noch in Sicht des Feuers von Wolf Rock, von wo aus wir mit veränder-
lichen Winden von SW bis NW langsam südwärts arbeiteten. Am 22. Oktober
erblickten wir Madeira und am 24. die Inseln Palma und Tenerifa. Nach
ungemein heftigen Gewitterböen setzte hier der NE-Passat frisch ein, mit dem
die Reise von nun an einen etwas rascheren Verlauf nahm. Infolge unseres
östlichen Standpunktes beim Einsetzen des Passats mufste die Route östlich von
den Kapverden eingeschlagen werden. Auf dieser erwiesen sich die Verhältnisse
auch recht günstig, so dafs der Aequator schon am Morgen des 7. November in
28° W-Lg passiırt werden konnte.
Der SE-Passat wurde auf der Weiterfahrt überall nur flau angetroffen,
auch begleitete derselbe uns nicht weiter als bis 20° S-Br in 36° W-Lg. Auf
der nun folgenden Strecke bis zum Kap Horn hielten wir uns, der Segelanweisung
der Seewarte entsprechend, gut westlich und schnitten 30° S-Br in 45° W-Lg
am 25, November, 40° S-Br in 57° W-Lg am 3. Dezember und 50° S-Br in
54° W-Lg am 11. Dezember, Am 5. Dezember wurde in 43° 40’ S-Br und
59° 35‘ W-Lg der erste schwere Sturm dieser Reise durchgemacht.
Auf meinen früheren Reisen bin ich immer durch die Strafse Le Maire
gegangen; bei der diesmaligen Wetterlage — drohend aussehende Luft bei
niedrigem, noch fallendem Barometer — aber hielt ich ab auf Kap St. John,
wobei das Schiff mit dem Winde 2 Striche raum einen viel bedeutenderen Fort-
gang machte, als wenn wir bei dem Winde auf die Straße gesteuert hätten. Beim
Kap St. John, welches wir am Abend des 13. Dezember erreichten, hatten wir
gegen einen von anhaltendem Schnee und Hagel begleiteten SW-Sturm und einen
starken östlichen Strom anzukämpfen, was zur Folge hatte, dafs dieses Kap zwei
Tage in Sicht blieb. Die Umsegelung des Kap Horn war ebenfalls ziemlich
schwierig. Bei der Ausführung derselben gelangte das Schiff südwärts bis nach
59° 30‘ S-Br, woselbat wir weniger Gegenstrom vorfanden, als in der Nähe des
Landes. Durch die Anwendung von Oel schützten wir uns gegen die nachtheilige
Wirkung der hohen See.
Seit nunmehr 10 Jahren bediene ich mich, falls es nothwendig wird, stets
des Oels und habe gefunden, dafs Fischthran den gröfsten Einflufs auf die Be-
ruhigung der Wellen ausübt. Hierbei möchte ich inde[s gleichzeitig erwähnen,
dafs ich nie eine so vollständige Beruhigung der See beobachtet habe, wie wohl
Mancher, der keine Erfahrung darin hat, nach einigen Berichten annehmen zu
dürfen glaubt. Auch gebraucht man zu einem guten Erfolge mehr Oel, als für
gewöhnlich behauptet wird. Vor allen Dingen aber fehlt den Schiffen noch eine
gute Vorrichtung, um das Oel gleichmäfsig und an der geeignetsten Stelle über
die Meeresoberfläche zu verbreiten. In Cardiff hatte ich mir für diesen Zweck
in Norwegen patentirte Oelsäcke angeschafft, die mit einem sogenannten Ventil —
zwei auf einander liegenden Metallplatten mit kleinen Löchern, welche durch Ver-
schiebung der einen Platte zu öffnen und schlielsen sind — im Boden versehen
sind. Mit ganz reinem Oel gefüllt, würden diese Säcke gewifs gut gearbeitet
haben, aber beim Gebrauch unseres selbstgewonnenen Thrans vom Schweinfisch
(Delphin) verstopften sich die feinen Abflußslöcher sehr bald. Als den besten Platz
für das Anbringen des Oelsacks halte ich den Raum zwischen dem Krahnbalken
und dem Fockwant. Hängt der Sack weiter nach vorn, so wird das Oel leicht
vor dem Steven vorüber geweht, womit der gewünschte Zweck natürlich verfehlt
wird. Am besten scheint mir für die Zuführung des Oels nach der Meeresober-
fläche ein festes Rohr an der Schiffsseite zu sein, denn die Säcke werden durch
die See zu sehr hin und her geschleudert. Das Oel kann sich unmöglich sofort
über eine gröfsere Fläche verbreiten, und es wollte mir scheinen, als ob die
See gerade bei den Säcken und etwas aufserhalb derselben wüthender war als
in der Nähe der Stellen, die keinen Oelüberzug hatten.
In der Neujahrsnacht wurde der Parallel von 50° Süd im Stillen Ocean
auf 82,5° W-Lg geschnitten, nachdem wir im Ganzen 20 Tage südlich von dem-
selben zugebracht hatten. Auf der Fahrt weiter nordwärts habe ich den mir
von der Seewarte ertheilten Rath, bei schralem Winde, selbst unter Aufopferung
der bereits gewonnenen westlichen Länge, so viel Nord als möglich zu machen,
sehr richtig gefunden. Geschnitten wurde hierbei 40° S-Br in 82,0° W-Lg am
5. Januar und 30° S-Br in 85,3° W-Lg am 10. Januar. Der am 12. Januar in
26° S-Br einsetzende SE-Passat brachte uns am 15. Januar nach 20° S-Br in