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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

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Blitzschäden an Bord von Schiffen auf See. 
Blitzschäden an Bord von Schiffen auf See. 
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte.) 
Von L. E, Dinklarye, Vorsteher der Abtheilung I. 
Wenn man bedenkt, daß bei Gewitter auf See ein Schiff meistens auf 
weiter Runde der einzige hervorragende und mit seinen hohen Masten ein sehr 
hervorragender Gegenstand ist, so sollte man meinen, dafs dasselbe bei jedem 
Gewitter, das in die Nähe kommt, vom Blitze getroffen werden mülste, Das 
häufige Vorkommen des Elmsfeuers, am Lande eine seltene, auf See aber eine 
ganz gewöhnliche Erscheinung, zeigt denn auch, dafs die Takelung des Schiffes 
sehr oft als Leiter der Elektricität in Wirksamkeit tritt. Plötzliche heftige Ent- 
ladungen, die sich als Blitze zeigen, treffen das Schiff dagegen auffällig selten. 
Da infolge dessen wohl nur wenige unter den seemännischen Lesern dieser 
Annalen von einem derartigen Vorgang aus eigener Erfahrung Kenntnifs besitzen, 
Jürfte die nachstehende Zusammenstellung von Berichten über Blitzschäden, welche 
Segelschiffe in letzterer Zeit auf See erlitten, einiges Interesse beanspruchen 
können. Die Berichte sind den meteorologischen Journalen entnommen, die in 
Jen letzten 11 Jahren, von Anfang 1879 bis Ende 1889, bei der Seewarte ein- 
gingen. Im Voraus mufs noch bemerkt werden, dafs die Segelschiffe der Handels- 
marine, auf welchen diese Journale geführt wurden, nur in sehr seltenen Fällen 
mit Blitzableitern ausgerüstet waren, aber wohl sämmtlich das stehende Gut von 
Eisendraht-Tauwerk hatten. 
Blitzschäden auf See. 
Datum 
1879 März 9, 
[880 Sept. 12 
Schiffsort 
4,7° S-Br und 
106.4° O-Le. 
In der Java-See, 
anweit der Sunda- 
Strafe. 
13,9° N-Br und 
926,9° W-Le. 
'm Nordatlantischen! 
Ocean, südwestlich 
7on den Kapverden, 
an der Südgrenze 
des Passatgebietes. 
Name des Schiffes 
und des Führers 
Hölzerne Bark 
‚Ferdinand Brumm“ 
Kapt. A, F, Voss. 
Journ. S 10926. 
Hölzerne Bark 
„Helene“, 
Kapt. G. Ufken, 
Journ. S. 1546. 
Bericht 
Gegen Abend von N durch W bis 8 
sich dick beziehend; heftiges Blitzen, 
Machten kleine Segel. Um 7h p.m. er- 
hielten eine Böe aus WSW, Stärke 7. 
Gleich darauf still. Gewitter in allen 
Richtungen und Blitzen am ganzen Himmel, 
die Luft schien mit Schwefeldämpfen ge- 
schwängert zu sein. Einige Male lief der 
Blitz an den Stengenpardunen hinunter, 
Ein überaus heftiger Schlag zerschlug den 
Drahtstropp der Voroberbramtoppnant, lief 
dann die Drahitoppnant entlang und zer- 
splitterte die Voroberbramraa, so dafs die 
Stücke auf Deck fielen. Der Bändsel der 
Toppnant brannte einige Zeit lichterloh. 
Gleich nach 8% p.m. das Gewitter sich 
nordwärts verzichend. 
Morgens schweres Gewitter; Wind sehr 
veränderlich zwischen NE, NW und SW. 
Um 8% a, m. führ ein heftiger Blitzschlag 
in den Vortopp. Der Blitz lief an beiden 
Oberbrampardunen und den Vorstagen 
hinunter, zersplitterte an beiden Seiten bei 
den Pardunen die Reling, schlug vorn aus 
den Stagen heraus, zersplitterte den Balken, 
woran die Stagen befestigt sind, lief über 
den Bug, wobei an Backbord die Ver- 
zierung vom Steven gelöst wurde, und 
schlug dann durch die Stevenpumpe ins 
Wasser. Der Schlag hat glücklicherweise 
nicht gezündet. Das Schiff krachte jedoch, 
als wenn Alles auseinander bräche. Es 
ist indessen dicht geblieben und hat auch 
im Uebrigen aufser dem erwähnten keinen
	        
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