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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

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Segelanweisungen für einige regelmäfsige Reiserouten S. M. Schiffe, 
5. Von Ostafrika nach Australien in den verschiedenen Jahreszeiten. 
Die Route, welche auf der Fahrt von Ostafrika nach Australien, sei es 
unter Dampf oder unter Segel, zu verfolgen ist, führt zunächst durch den 
Mozambique-Kanal südwärts bis an die polare Grenze des Südostpassatgebietes 
und dann mit den vorherrschend westlichen Winden der höheren südlichen Breiten 
nach Osten. 
Die erste Strecke bietet die meisten Schwierigkeiten. Verhältnifsmäfsig 
am leichtesten zurückzulegen ist sie in den Monaten November bis Februar, weil 
dann der Wind an der Küste südlich von Zanzibar bis 15° oder 20° S-Br aus 
nordöstlicher Richtung vorherrscht und auch die von Kap Delgado längs der 
Küste nördlich setzende Strömung meistens nur mit geringer Stärke auftritt oder 
auch ganz verschwindet. Man kann deshalb, von Zanzibar ausgehend, in diesen 
Monaten dem kürzesten Wege folgen; den Gegenstrom zu vermeiden dürfte es 
indessen vortheilhafter sein, die Route etwas vom Lande entfernt zu nehmen, 
indem man 10° S-Br in ungefähr 42° O-Lg schneidet und dann östlich von der 
St. Lazarus-Bank nach Süden steuert. 
In den übrigen Monaten, März bis Oktober, herrschen in den ostafrika- 
nischen Gewässern südliche Winde, und die Strömung setzt alsdann von Kap 
Delgado mit grofser Stärke längs der Küste nach Nord und NW. In dieser 
Jahreszeit empfiehlt es sich, zunächst bei dem Winde auf Steuerbordhalsen eine 
gute Strecke vom Lande ab zu segeln, wobei man finden wird, daß mit der 
Entfernung von der Küste der Strom schwächer wird und eine westlichere Rich- 
jung annimmt und zugleich der Wind östlicher holt, und erst zu wenden, wenn 
die Verhältnisse sich so weit gebessert haben, dafs ein Aufkreuzen nach Süden 
wirklich ausführbar erscheint. Zu diesem Ende mufßs man im April, September 
und Oktober meistens bis nach 44° oder 45°, von Mitte Mai bis Mitte August, 
wenn der Monsun mit gröfster Stärke weht und seine Richtung am südlichsten ist, 
aber oft noch weiter östlich gehen. Gewöhnlich mufs man, um den wünschens- 
werthen Abstand von der Küste zu erlangen, etwas Breite zusetzen, doch darf 
man sich durch diesen Umstand nicht zu vorzeitigem Wenden verleiten lassen. 
Beim Aufkreuzen nach Süden ist sehr darauf zu achten, dafs man nicht 
zu früh wieder in die Nähe des Landes kommt, weil man hier gleich wieder 
schraleren Wind und stärkeren, nördlich setzenden Strom erhält. Man sollte bis 
L0° S-Br östlich von 43° oder besser noch 44° O-Lg bleiben und, wenn man 
von hier aus auf Backbordhalsen dem Lande zusteuert, möglichst dahin streben, 
dafs der Meridian von 42° Ost südlich von der St. Lazarus-Bank oder doch 
nicht nördlicher als in 11,5° S-Br überschritten wird. Wenn man bis 10° S-Br 
nicht genügend Luv hält, so wird man durch den starken, nach West bis WNW 
zetzenden Strom, der zwischen dem genannten Parallel und den Comoren zu 
passiren ist, meistens zu früh in die Nähe der Küste geführt, und ist dies nicht 
selten die Ursache einer bedeutenden Verzögerung der Reise. 
Südlich von 12° S-Br setzt die Strömung in allen Jahreszeiten vorwiegend 
nach Süd und SW, doch tritt dieser günstige Strom mit einiger Regelmäßigkeit 
nur in der Nähe der afrikanischen Küste auf, während unter Madagaskar und in 
der Mitte des Kanals von Mozambique sehr veränderliche, ebenso oft nach Nord 
als nach Süd gehende Versetzungen gefunden werden. Beim Aufkreuzen gegen 
südliche Winde, die hier, mit Ausnahme der Monate Dezember und Januar, das 
ganze Jahr hindurch vorherrschen, sollte man deshalb, ohne in die Buchten 
hineinzugehen, die afrikanische Seite halten. Man findet die beste Strömung 
gewöhnlich in einem Striche von 80 Sm Breite, der sich der Verbindungslinie 
der vorspringenden Punkte der Küste anschließt; in den zwischenliegenden 
Buchten treten oft Gegenströmungen auf. Auch bei günstigem Winde dürfte es, 
nicht nur der Strömung, sondern auch der gröfseren Frische des Windes wegen, 
angezeigt sein, die Madagaskar-Seite des Kanals zu vermeiden. 
Des Näheren finden sich die Wind-, Wetter- und Strömungsverhältnisse 
auf der besprochenen Strecke in einem Artikel der „Ann. d. Hydr. etc.“, 1886, 
Seite 377 ff., dargelegt, auf welchen hier verwiesen wird, desgleichen auf eine 
eingehende Untersuchung der Seewarte über die Segelschiffsreisen in den ost- 
afrikanischen Gewässern im Jahrgang 1888, Seite 175 ff., dieser Zeitschrift.
	        
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