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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

Segelanweisungen für einige regelmäfsige Reiserouten S. M, Schiffe: 353 
änderlicher, indem hier im Winter.der südlichen Halbkugel auch oft nördliche 
und nordwestliche Winde auftreten, die in der Umgebung des Kap der guten 
Hoffnung in den Monaten Mai bis September ‚nicht selten als ‚schwere Stürme 
wehen: Im Sommer ist der Wind am Kap häufig Südost; auch aus dieser Richtung 
wächst er mitunter zur Sturmesstärke an. Die vorwiegende Windrichtung. bleibt 
jedoch auch an dem südlichen Theile der Küste Süd bis. Südwest. In unmittel- 
barer Nähe des Landes herrschen Land- und Seebriese, von denen die erstere 
meistens aus Nordost bis Ost, die letztere aus Südwest bis West oder auch wohl 
aus .Nordwest kommt. 
Das Verhalten ist je nach der Oertlichkeit und der Jahreszeit etwas ver- 
schieden. So kommt z. B. in Kamerun zur Zeit der gröfsten nördlichen De- 
klination. der Sonne, Mai bis August, der Landwind oft aus südöstlicher Richtung, 
und an der Küste von Damara-Land weht derselbe von Mai bis September aus 
Ost mitunter den ganzen Tag hindurch. Im Ganzen ist jedoch die Landbriese 
nur schwach und von kurzer Dauer und auch die Seebriese, wenn sie aus SO 
westlicher Richtung weht, dafs ein südwärts bestimmtes Schiff sie als günstigen 
Wind benutzen könnte, nur von geringer Stärke. Frische Briese giebt es, aus- 
genommen am südlichsten Theile der Küste, fast nur aus südwestlicher Richtung. 
Bei den Wind- und Strömungsverhältnissen, wie sie‘ im Vorstehenden ın 
Kürze dargelegt worden sind, ist das Aufkreuzen an der südwestafrikanischen 
Küste, sowohl in der Nähe des Landes ‚mit Land- und Seebriese, als auch in 
einiger Entfernung davon gegen die stetigen Winde aus Süd bis Südwest, eine 
schwierige und sehr langwierige Arbeit. Ist eine längere Strecke unter Segel 
zurückzulegen, so: ist es am besten, bei dem Winde auf Backbordhalsen vom 
Lande abzusteuern, oder, falls der Abfahrtsort nördlich der Linie gelegen ist, 
nach Südwest zu kreuzen, worauf der Wind allmählich durch Süd in die Südost- 
passat-Richtung holen wird, und den Kurs -bei dem Winde so lange zu verfolgen, 
bis man an: die Südgrenze des Passatgebietes beziehungsweise so weit nach Süden 
gelangt ist, dafs man den Bestimmungsort auf Steuerbordhalsen anzuholen erwarten 
darf. Auf verhältnifsmäfsig kurzen Entfernungen, wie von Kamerun nach Gabun, 
von Gabun nach Mossamedes und von dort nach Walfisch-Bai, kann ein solches 
Verfahren für ein mit Dampfkraft ausgerüstetes Schiff nicht wohl in Betracht 
kommen. Ein Schiff dieser Art wird diese Strecke am -‚zweckmäßigsten unter 
Dampf zurücklegen und sich dabei so nahe, als es die Sicherheit erlaubt, unter 
Land halten,, da es hier sowohl den Gegenwind, als auch wahrscheinlich den 
Gegenstrom weniger stark als weiter landabwärts finden wird. 
Die einzige Strecke, wo auf der Fahrt nach Süden die Segelkraft ohne 
allzu großen Zeitverlust verwendet werden kann, ist die von Walfisch-Bai nach 
Kapstadt, Man sollte hier den Kurs bei dem: Winde auf Backbordhalsen bis an 
die polare Grenze des Südostpassatgebietes verfolgen, dann aber mit den ersten 
zünstigen Winden nicht sofort den Kurs auf den Bestimmungsort setzen, sondern 
zunächst noch in erster Linie Süd zu machen suchen, bis man die Breite des 
Kaps erreicht hat. Dies gilt vorzugsweise für das Sommerhalbjahr des Südens, 
wenn am Kap südliche und südöstliche Winde herrschen; in dieser Jahreszeit ist 
es selbst rathsam, über die genannte Breite hinaus zu gehen und: den Bestimmungs- 
ort auf einem Kurse nördlich von Ost anzusteuern. Dagegen kann man im Winter, 
während der Herrschaft westlicher Winde, einen mehr direkten Kurs. wählen. 
Die Fahrt nach Norden ist unter den bestehenden Verhältnissen. auch ohne 
Zuhülfenahme der Dampfkraft fast immer leicht ausführbar. Umgekehrt wie auf 
der Fahrt nach Süden, dürfte sich ‚hier empfehlen, der Küste einen grölseren 
Abstand, von 30 Sm oder mehr, zu geben, weil man hier wahrscheinlich den 
günstigen Wind frischer und beständiger antreffen wird. Beim Ansteuern eines 
Platzes muß man natürlich schon eine Strecke südlich von demselben das Land 
anlaufen. Wie aus den Berichten S. M. Schiffe, die an dieser Küste stationirt 
waren, hervorgeht, wurde in der Nähe des Landes oft eine, wahrscheinlich durch 
die hohe Südwestdünung verursachte Versetzung nach dem Lande zu beobachtet, 
was bei der Wahl. der Kurse berücksichtigt werden sollte. Ueber die Stürme 
beim Kap der guten Hoffnung findet sich Näheres im „Segelhandbuch für den 
Atlantischen .Ocean“, Seite. 257 ff.
	        
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