Segelanweisungen für einige regelmäfsige Reiserouten S. M. Schiffe, . 351
den nahezu kürzesten Weg nach der Nordostspitze der Insel Zrinidad einschlägt.
Diese Route bietet gegenüber einer weiter landabwärts liegenden noch den
weiteren Vortheil, dafs sie sich in einem Striche durchschnittlich stärkerer
Aequatorialströmung hält. Dieselbe erreicht hier nicht selten eine Geschwindig-
keit von 2'/ Kn. Ihre Richtung ist gewöhnlich nicht recht parallel der Küste
sondern etwas ins Land setzend, W bis WzN, ein Umstand, der bei der Wahl
der Kurse berücksichtigt werden sollte.
3. Von Halifax nach dem Englischen Kanal im Juli.
Für ein Segelschiff in erhöhtem Mafse, aber auch für einen Dampfer ist
die Benutzung der Ergebnisse aus synoptischen Studien über die Vorgänge in
der Atmosphäre für eine erfolgreiche Fahrt von grofser Bedeutung. Nur über
wenige Gebiete der von Handel und Schiffahrt berührten Meere liegen solche
Ergebnisse heute schon vor; da, wo dies aber der Fall ist, sollte man die Be-
nutzung dieser wichtigen Arbeiten nie versäumen. Für den Nordatlantischen
Ocean erscheinen schon seit mehreren Jahren tägliche synoptische Wetterkarten,
herausgegeben von dem dänischen meteorologischen Institut und der Deutschen
Seewarte. An der Hand dieser Karten wird durch die Seewarte eine Wetter-
Rundschau!) .seit 1887 bearbeitet und mit Karten in den „Annalen der Hydro-
graphie und maritimen Meteorologie“ veröffentlicht; der zweite Theil derselben
beschäftigt sich mit der Anwendung der Kenntnifs der Wetterlage auf die prak-
tische Navigirung, welche Anwendung durch einzelne, dem praktischen Seeverkehr
entlehnte Beispiele beleuchtet wird. Es darf wohl zum Zwecke des Studiums
der Reisen auf dem Nordatlantischen Ocean auf diese grundlegenden Arbeiten
hingewiesen werden.
Wegen der häufigen Nebel, welche im Sommer auf dem kalten Wasser in
der Nähe der Küste von Neu-Schottland und in der Umgebung von Neufundland
herrschen, und wegen der dadurch hervorgerufenen Gefahr der Kollision mit
Eisbergen, vor Anker liegenden Fischerfahrzeugen und den vielen Dampfschiffen,
welche zwischen Europa und Nordamerika verkehren, dürfte es rathsam sein, auf
der Reise von Halifax nach dem Kanal nicht dem kürzesten Wege zu folgen,
sondern eine südlichere Route einzuschlagen. Man steuere ausgehend zunächst
ungefähr rw. SO vom Lande ab, bis man das warme Wasser und das klarere
Wetter des Golfstromes erreicht hat, und setze dann den Kurs so, dafs 50° W-Lg
zwischen 41° und 42° N-Br geschnitten wird. Des Weiteren führt die durch-
schnittlich vortheilhafteste Route für Juli über 40° W-Lg in 44° bis 45° N-Br,
30° W-Lg in 47° N-Br und 20° W-Lg in 48° bis 49° N-Br. Der vorgezeichnete
Weg bleibt, aufserhalb des gewöhnlichen Verbreitungsgebietes des Treibeises und
von 50° W-Lg an auch außerhalb, südlich, der Hauptverkehrsstrafse der Dampfer.,
Die von letzteren auf der Fahrt zwischen dem Englischen Kanal und New- York
im Sommer im Mittel eingehaltene Route schneidet auf der Ausreise 30° W-Lg
in 49,3° N-Br, 50° W-Lg in 45,0° N-Br und 60° W-Lg in 42,6° N-Br, auf der
Rückreise 60° W-Lg in 42,0° N-Br, 50° W-Lg in 44,0° N-Br und 30° W-Lg in
48,5° N-Br. Die Lage des Schnittpunktes von 50° W-Lg wechselt etwas nach
den vorhandenen KEisverhältnissen, indem bei starkem Auftreten des Eises eine
etwas südlichere Route eingeschlagen wird. Durch Zeitungsberichte wird es
möglich sein, sich über diesen Umstand vor Antritt der Reise Auskunft zu ver-
schaffen.
Das gewöhnliche Verbreitungsgebiet des Treibeises in der fraglichen
Jahreszeit ist aus den Kartenskizzen für 1883, 1885, 1887, 1890 und 1891 zu
ersehen.?) Im Uebrigen bietet die Reise, da der Wind meistens günstig ist und
Stürme in der fraglichen Jahreszeit nur sehr selten auftreten, keine Schwierig-
keiten. Nur sollte man darauf achten, dal von 40° W-Lg an die Route nicht
südlicher, als wie angegeben, genommen wird, weil man sonst leicht in das Ge-
biet der nördlichen Winde geräth, welche im Süden von 45° N-Br zwischen
1) „Vierteljahrs-Wetter-Rundschau“, Band I, Frühling, Sommer, Herbst 1884, Seite 85 bis 94.
„Ann, d. Hydr. etc.“ 1888, Seite 273 bis 275, sowie Band 1I, Heft 3, Seite 59 u. ff. und Seite 71,
„Ann. d. Hydr. ete.“ 1889, Heft V, VI u. VIII und Band 1II der „Vierteljahrs-Wetter-Rundschau“
Seite 59 u. ff, und Seite 69 bis 71, ferner „Segelhandbuch für den Atlantischen Ocean“ Seite 499
bis 506,
2) Siehe am Schlusse dieser Anweisung.