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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

350 Segelanweisungen für einige regelmäfsige Reiserouten S. M. Schiffe, 
Süden bis 14° N-Br. Weiterhin hole man aber, da auf den Südwestmonsun nicht 
mehr mit Sicherheit zu rechnen ist und statt dessen der Südostpassat, besonders 
im Westen von 25° W-Lg, mitunter bis 6° oder noch nördlicherer Breite durch- 
steht, wieder etwas Ost mit an, so dafs man in 10° N-Br in 24° 30‘ bis 24° W-Lg 
zu stehen kommt. Von hier aus steuere man, so lange der Wind günstig bleibt, 
rw. Süd; bei Gegenwind nehme man den Bug, welcher am meisten Süd bringt. 
Dabei sollte man jedoch nach Möglichkeit vermeiden, einerseits dals man 5° N-Br 
westlich von 25° W-Lg schneidet, anderseits aber auch, dafs man zu weit nach 
Osten, sage über 22° W-Lg hinaus geräth; denn hier herrschen viel mehr Mallung 
und Windstille, auch behält man hier den Südostpassat viel länger als im Westen 
aus einer schralen südlichen Richtung und hat infolge dessen auf dem Wege 
nach der Linie unnöthigerweise eine größere Distanz zurückzulegen. 
Wenn 5° N-Br, wie empfohlen, nicht westlich von 25° W-Lg geschnitten 
wird, so steht zu erwarten, dafs mit dem hier bald einsetzenden, stetig aus einer 
Richtung östlich von Süd wehenden Winde der Aequator in 28° West- oder 
östlicherer Länge auf einem Buge angeholt und ferner auch die Küste Brasiliens 
bequem freigesegelt werden kann. In letzterer Hinsicht dürfte selbst ein etwas 
westlicherer Schnittpunkt der Linie als 28° W-Lg noch keine Schwierigkeiten 
bieten. Von der Höhe von Pernambuco aus ist in der fraglichen Jahreszeit auf 
günstigen Wind zu rechnen, so dafs man, selbst wenn man dort ziemlich nahe 
der Küste steht, den Bestimmungsort ohne Mühe erreichen kann. 
Es kommt im Oktober, wenn auch nur selten, vor,‘) daß in der Um- 
gebung der Kapverden orkanartige Stürme auftreten. Die barometrischen De- 
pressionen, welche sie begleiten, scheinen in westlicher Richtung zu ziehen. Es 
dürfte deshalb, wenn das Stürmischwerden des Windes, das Fallen des Barometers 
und die sonstigen Anzeichen das Herannahen eines solchen Sturmes vermuthen 
lassen, zur Vermeidung des Orkancentrums das Rathsamste sein, bei dem Winde 
aus NE oder östlicher das Schiff auf Steuerbordhalsen beizulegen, bei dem Winde 
aus N oder westlicher aber zu lenzen, und zwar so lange das angeht, in der 
Weise, daß man den Wind einige Striche von Steuerbord einkommend hält. 
nal Sn Abflauen des Passates in Lee der Insel St. Antonio vgl. Annalen 1889, 
Seite . 
2. Von Bahia unter Segel nach Trinidad, Westindien, 
im November und Dezember. ”) 
Für ein Schiff, welches Bahia im November oder Dezember verlälst, ist 
es oft schwierig, nach Norden zu gelangen, da der Wind in dieser Jahreszeit an 
der Ostküste Brasiliens meistens eine sehr östliche und selbst nordöstliche Rich- 
tung hat und auch die Strömung gewöhnlich dem Kurse entgegen nach W und 
SW setzt. Man sollte deshalb jede entsprechende Gelegenheit benutzen, um 
einen guten Abstand von der Küste zu gewinnen. Dies gilt jedoch nur für die 
erste Strecke bis ungefähr 7° oder 8° S-Br, weiterhin ist die Richtung des 
Passats so viel östlicher oder südlicher geworden, dafs man für die Fortsetzung 
der Fahrt nach Norden günstigen Wind hat. Im Segelhandbuche für den Atlan- 
tischen Ocean Seite 66 ff. sind Wind- und Wetterverhältnisse an der Küste von 
Südamerika näher besprochen, und zwar sowohl für die Ostküste als für die 
Nordküste von Brasilien, 
An der Nordküste Brasiliens und an der Küste von Guayana sind von 
November an Winde aus Ost bis Nordost herrschend, deren Gebiet sowohl mit 
dem des Südostpassats, das sich hier ungefähr bis zum Aequator erstreckt, als 
auch mit dem in Westindien herrschenden Nordostpassat in unmittelbarer Ver- 
bindung steht. Weiter landabwärts zeigt sich diese unmittelbare Berührung der 
beiden Passatgebiete weniger regelmäfsig ausgebildet, und ein Schiff, welches auf 
der Fahrt von Kap St. Roque nach Nordwesten sich zu weit von der Küste 
entfernt, läuft infolge dessen Gefahr, in die Stillen oder doch leichten Winde 
des Aequatorialkalmengürtels zu gerathen. Es dürfte sich deshalb empfehlen, den 
Kurs ziemlich nahe dem Lande zu nehmen, indem man zwischen Kap St. Rogue 
und den Roccas passirt und dann, 50° W-Lx in ungefähr 5° 30‘ N-Br schneidend, 
I) Siehe „Segelhandbuch des Atlantischen Oceans“ Seite 154 u. ff 
zZ Siehe „Segelhandbuch des Atlantischen Oceans“ Seite 66 u. ff.
	        
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