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Bemerkungen über Spalato.
Die Ueberbleibsel des grofsartigen römischen Kaiserpalastes — Spalato
wird von palatum abgeleitet — und des jetzt wieder in Gebrauch genommenen
Aquadukts, die zahlreichen Befestigungen der Venetianer um die Stadt und in
der Umgegend sprechen für die reiche, wechselvolle Geschichte des Landes, das
jetzt noch, wie schon in den Römerzeiten, den ganzen Transithandel des Binnen-
landes besorgt, daneben aber in neuerer Zeit noch eine große Weinausfuhr
betreibt.
Eine eingeleisige Bahn führt westlich nach Sebenico, nordwestlich nach
Knin; ein Anschluß an das österreichische Bahnnetz besteht nicht und dürfte
auch nicht erreicht werden. Die beiden wichtigen, mit Fuhrwerk zu befahrenden
Strafsen Dalmatiens berühren und haben Verbindung mit Spalato.
Die Stadt, aus Altstadt, Neustadt und vier Vorstädten bestehend, bildet
mit 12 Dörfern die Bezirkshauptmannschaft gleichen Namens; sie besitzt ein
Kreisgericht, ein Bezirksgericht, ein Hauptzollamt, eine Finanzintendanz, ein
Hafenkapitanat, eine Handels- und Gewerbekammer, verschiedene höhere und
niedere Schulen, zwei Krankenhäuser und ein Alterthumsmuseum, Deutschland
und Italien haben hier einen Vicekonsul, Griechenland, Frankreich, Schweden
und Norwegen und England einen Konsularagenten.
2. Hydrographische Verhältnisse.
Canale Castelli-Bucht.!) Die größte Längenausdehnung dieser Bucht
von West nach Ost beträgt ca 9 Sm, die gröfste Breite 2 bis 2'% Sm. Im süd-
östlichen Theile dieser Bucht, vor dem Hafen Paludi (Port Paludi),*) ankern die
Kriegsschiffe, die größeren ca 1 Sm von Land entfernt. Der Nord- und Ostrand
der Bucht ist stark bewohnt und ganz angebaut, die Halbinsel Marian dagegen
ist unbewohnt und nur zum Theil angebaut, sie ist uneben und steil ansteigend;
die Insel Bua, welche die Bucht im Südwesten abschliefst, ist im östlichen Theile
wenig bewohnt, jedoch angebaut.
Die Wassertiefe in der Bucht beträgt, abgesehen von den Untiefen,
ungefähr 20 bis 40m, nach Westen hin jedoch nimmt die Tiefe bedeutend ab.
Für kleine Fahrzeuge führt eine schmale Fahrrinne zwischen Untiefen hindurch
nach Zrau.
Der Boots- und Schiffsverkehr ist gering, meist geht er nur an der Nord-
küste entlang.
Wenn man von Süden kommend den Kanal Porte di Spalato, welcher die
Inseln Brazza und Solta trennt, passirt, so kann man, sobald die kleine Insel
Smerduglia an St-B. querab ist, direkten Kurs auf Spalato nehmen. Will man
aber in der Canale Castelli-Bucht zu Anker gehen, so steuert man den Kurs auf
Spalato so lange, bis man die Einfahrt zur Bucht offen sicht, und ist dann die
Mitte des Kanals zu nehmen.
Sobald man die Spitze St. Giorgio passirt hat, kann direkt auf den ge-
wählten Ankerplatz vor Port Paludi zugesteuert werden. Man hat wegen der
näher nach Land zu gelegenen Untiefen auf 30 bis 34 m zu ankern. Vom Kanal
Porte di Spalato bis zur Canale Castelli-Bucht ist das Fahrwasser frei von Untiefen
und Felsen.
Als Ankerplatz in der Umgegend von Spalato ist nur der bereits genannte
vor dem Hafen Paludi vorhanden. Derselbe Tietet guten Schutz gegen Winde
aus dem 2, und zum Theil auch aus dem 3. Quadranten und gegen die durch
diese Winde bewegte See. Gegen Nordwinde ist er jedoch schlecht geschützt.
Der am meisten gegen diese Winde geschützte Theil der Bucht ist durch Untiefen
den gröfseren Schiffen verlegt. In Port Paludi ist jedoch auch der NE-Wind
vorherrschend; derselbe tritt besonders durch den tief und eng eingeschnittenen
Sattel beim Fort Clissa mit aufserordentlicher Heftigkeit auf, stößfßst mitunter
böenartig hervor, so dafs dieser Hafen nur wenig Schutz gegen nördliche Stürme
bietet. Südwinde sind dagegen wenig fühlbar, und der Seegang ist hierbei nur
gering, während die starken Nordwinde heftigen Seegang erzeugen.
Der Ankergrund in der Canale Castelli-Bucht ist gut, er besteht aus festem
Schlamme.
‘) „Mediterranean Pilot“, Vol. III, 1890, Seite 239,
2?) „Mediterranean Pilot“, Vol. IIT, 1890, Seite 240.