Ann. d. Hydr. ete., XIX. Jahrg. (1891), Heft IX.
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Bemerkungen über Spalato.
Nach einem Bericht des Uebungsgeschwader-Kommandos,
li. Allgemeines über die Lage, Klima und Bevölkerung.
Spalato (Port Spalato),!) slavisch Split, auf ca 43° 30' N-Br_ und
16° 26‘ O-Lg an der mitteldalmatinischen Küste, die hier von Ost nach West
läuft, gelegen, belebt eine sich nach Süden weit öffnende Bucht, der die Inseln
Brazza, Lesina und weiterhin Lissa vorgelagert sind. Im Westen der Stadt und
im Norden der Halbinsel Marian befindet sich die Canale Castelli-Bucht; dieselbe
wird nach Westen durch die Insel Bua und nach Norden durch die Küste be-
grenzt; sie dient als Ankerplatz für ein Geschwader gröfserer Schiffe, das im
Hafen von Spalato keinen Platz findet. Die Stadt mit einem schönen Handels-
hafen, der gegen die Südwinde durch eine 478 m lange Mole geschützt und mit
grofsem Kostenaufwand in zehn Jahren angelegt ist, zählte vor zwei Jahren
15 304 Einwohner auf 804 ha Land.
Für das Klima dieses Küstenstriches sind die vorherrschenden Winde
wichtig, nämlich: Bora (NO bis 0), Sirocco (SO bis S) und Maestro (NW bis W).
Ist der letztere fast ausschließlich zur Sommerszeit, wo, Stillen häufig sind,
vorherrschend und durch seine Richtung als Landwind beliebt, so wehen die
beiden anderen hauptsächlich im Frühjahr und Herbst, im Winter wieder häufiger
als im Sommer. Die Bora kühlt, sie ist ein oft schneidend kalter, sehr trockener
und von heiterem Himmel hegleiteter Landwind, der Sirocco dagegen der Regen
bringende warme Seewind.
Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 15° C,, die mittlere Temperatur im
Juni 25,4°, im August 26,4°, im Januar 5,2° C.
Das Küstenland hat im Winter selten Schnee und Eis (durchschnittlich
nur alle fünf bis sechs Jahre einmal). Regen fällt fast in jedem Monat. Bei
einer jährlichen Regenmenge von 78 bis 80 cm können die Monate Dezember,
Januar und Februar als die regenreichsten betrachtet werden; jedoch kommen
Ausnahmen vor, im Vorjahre z. B. wurden überhaupt nur 13 Regentage konstatirt.
Charakteristisch für den Landstrich sind die täglichen Temperaturschwankungen
und Unterschiede im Feuchtigkeitsgehalt der Luft, bedingt durch den oft ganz
plötzlichen Wechsel zwischen der kalten, trockenen Bora und dem feuchten, oft
heifsen Sirocco; am gröfsten sind diese Schwankungen im Frühjahr und Herbst,
wo sie bei heiterem oder leicht bedecktem Himmel täglich bis 17°, öfters auch
bis 20° C. beobachtet werden. So heiß die Tage sind, so kühl machen sich die
Nächte fühlbar; jedoch fällt auch in klaren Winternächten das Thermometer
nicht tiefer als 3°C. Umfassende Barometerbeobachtungen liegen nicht vor.
Was die Vegetation anbetrifft, so reift hier viel Wein; der Oel- und
Mandelbaum liefert daneben nur einen mittleren Ertrag. Getreidebau wird wenig,
noch weniger Kartoffelbau getrieben, da für ersteren der Boden zu trocken, für
letzteren der rentableren Weinkultur wegen zu kostbar.ist. Infolge des gänz-
lichen Mangels an Wäldern und bei der Durchlässigkeit des Kalkbodens ist der
Boden sehr trocken. _
Die Bevölkerung der Umgegend ist ganz, die der Stadt gröfstentheils
serbokroatischen Stammes; die Umgangssprache ist das Slavische; italienisch wird
jedoch von fast allen Handelsleuten gesprochen.
I) „Mediterranean Pilot“, Vol. III, 1890, Seite 241.