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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

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Bemerkung über die in Aspinwall (Colon), Columbien, wehenden Norder. 
Nacht war schönes Wetter. Später jedoch nahm die in den Hafen setzende 
Dünung immer mehr zu und wurde so schwer, dafs die an den Molen liegenden 
Dampfer die Molen verlassen mufsten. Nach Anbruch des 19. Dezember wurde 
der Wind stürmisch und erreichte in sehr kurzer Zeit eine solche Höhe, dafs 
fast alle Dampfer in See gingen. Der Postdampfer „Newport“ dampfte nach der 
anderen Seite des Hafens und ankerte in Lee von der Spitze Toro, sah sich 
aber bald genöthigt, gleichfalls in See zu gehen. Ein vor zwei Anker liegender 
Dampfer trieb fast 1 Sm weit, ehe er so viel Dampf auf hatte, um den Hafen 
verlassen zu können. Der französische Postdampfer „Canada“, welcher am 
Nachmittage desselben Tages vor der Hafeneinfahrt anlangte, lief nicht ein, weil 
in der ganzen Bucht sehr hoher Seegang stand. 
Dieser Norder war der heftigste seit einer Reihe von Jahren, und nur die 
zufällige Abwesenheit von Segelschiffen im Hafen, sowie die verhältnifsmäfsig 
geringe Zahl von Dampfern ist der Grund, dafs kein Schiff strandete oder 
Schaden erlitt. 
Während der Jahreszeit, in welcher die Norder auftreten, sollten die in 
Aspinwall liegenden Dampfer stets Dampf auf haben, um in kürzester Zeit nach 
See gehen zu können. Diese Regel befolgen auch beinahe alle Dampfer jeglicher 
Nation, ganz gleich, wie lange sie in dem Hafen zu bleiben gedenken. Die 
Norder stellen sich immer so plötzlich ein, dafs keine Zeit übrig bleibt, Vor- 
bereitungen für einen Sturm zu treffen. Ist man gezwungen, den Hafen zu ver- 
lassen, so thut man am besten, die Kette zu schlippen und sofort nach See zu 
gehen, denn es ist gemeinhin unmöglich, den Anker zu lichten, ohne dafs das 
Schiff Havarie erleidet; aufserdem hat man das Risiko, dafs der Anker noch an 
einer der vielen Ketten oder Anker, welche daselbst liegen, festhakt. 
Nachdem die „Enterprise“ am 19. Dezember v. J. den Hafen verlassen 
hatte, dampfte sie mit nur so viel Geschwindigkeit, als zum Steuern erforderlich 
war, nach NNW, weil sie bei früheren Gelegenheiten daselbst einen östlichen 
Strom angetroffen hatte. Nach einer Beobachtung am 20. Dezember Morgens 
stellte es sich aber heraus, dafs die besagte Strömung vom Norder aufgehoben 
war. Es wurde auch weder Treibholz noch Seetang, welches von dem Norder 
steis mit sich geführt wird, bemerkt. Am Abend desselben Tages hatte die 
Stärke des Sturmes etwas abgenommen, und es konnte gegen 10* p. m. der Stand 
des Schiffes nach einer Peilung des Leuchtfeuers von Aspinwall bestimmt werden. 
Das Schiff lag wie bisher noch immer nach NNW, und am nächsten Tage ergab 
sich aus einer Beobachtung eine Versetzung von 16 Sm nach NO in 9 Stunden. 
In der Regel ist während eines Norders sehr unsichtiges Wetter mit 
häufigen Regenböen, aber zeitweise so weit aufklarend, dafs man das hohe Land 
hinter dem Kap Manzanilla erkennen kann, so lange man nicht weiter als 30 Sm 
von der Küste entfernt ist; bei klarer Luft ist das Land viel weiter sichtbar, 
Mit Rücksicht auf den Küstenstrom bemerkt der Führer des Postdampfers 
„Newport“, welcher die Reise von New-York nach Aspinwall bereits 90 Mal 
yemacht hat, dafs er Sucio, auf der Höhe von Kap Manzanilla liegend, stets 
in rw. S16° W (mw. SzW) bis rw. 819° W (mw. SzW'/A4W), selbst während 
der Regenzeit, als keine Beobachtungen zu machen waren, brachte. Wegen des 
an dieser Küste nach Osten setzenden Stromes hat er sich die Regel gemacht, 
seinen Kurs zu ändern, sobald er treibende Stämme, Bäume oder Holz in Sicht 
bekommt. Bei einer Fahrgeschwindigkeit von ca 12 Kn rechnet derselbe für das 
Versetzen durch den Strom !/2 bis */4 Strich je nach der Menge des Treibholzes, 
welches angetroffen wird. Ist die Menge desselben sehr bedeutend, so rechnet 
er zuweilen auch sogar 1!/a Striche. Bemerkt er kein Treibholz, so behält er 
seinen Kurs bei, indem er annimmt, daß z. Z. kein Strom vorhanden ist.
	        
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