Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Winter 1886—87. 333
machte, fand eine Unterbrechung des günstigen Ostwindes nicht statt. Es ging
derselbe vielmehr. unmittelbar in den Passat über, und nicht eher zeigte sich
wieder eine Störung, als bis am 5. Januar die unweit von 6,5° N-Br in 15° W-Lg
gelegene äquatoriale Passatgrenze angetroffen worden war. Der von dort ab
noch vorliegende Reiseabschnitt nahm infolge leichter Winde und Stillen einen
sehr langsamen Verlauf. Erst am 23, Januar wurde der Bestimmungshafen
erreicht.
Im ersten Drittel des Dezember ftfrat die Bark „Janbaas“ von New-York
aus eine Reise zur Linie an. Westwinde, die zusammenhingen mit Tiefdruck-
gebieten, welche sich in der zweiten und dritten Woche des Dezember von Nord-
amerika aus auf den Ocean fortpflanzten, lielsen das Schiff zunächst ziemlich
rasch nach Osten vorrücken. Nachdem 50° W-Lg in 37° N-Br. überschritten
worden war, veränderte sich der Wind durch Nord nach Nordost, um aus dieser
Richtung für mehrere Tage sehr kräftig und beständig zu wehen, Die Bedingung
für das Auftreten dieses Windes war die ungewöhnliche Form und Lagerung des
zweiten Hochdruckgebietes der Karte III, an dessen Ostrand „Janbaas‘“, nun ge-
langt war. Dieser Nordostwind ging später nicht direkt in den Passat über.
Südlich von 25° N-Br wurde das Schiff vielmehr noch mehrere Tage durch süd-
lichen Wind aufgehalten, und erst unweit von 22° N-Br in 34°. W-Lg stellte sich
der Nordostpassat ein. Den Stillengürtel bezeichneten später nur wenige Stunden
des leichten Windes, und schliefslich ging das Schiff am 5. Januar in 31° W-Lg
von nördlicher in südliche Breite über.
Eine fernere Gruppe bilden die übrigen fünf Schiffe der Tabelle, welche
noch im Dezember ihre Reisen antraten. Es waren dies: „Hercules“, ‚Albert
Reimann“, „Border Chief“, „Magellan“ und „Parnafs“. Ihre Reisen nahmen, mit
Ausnahme derjenigen des wahrscheinlich im Vergleich zu den Mitseglern nur
langsamen „Albert Reimann“ einen recht befriedigenden Verlauf. Die beiden
zuerst genannten Schiffe wurden gleich nach dem Verlassen des Kanals durch
Winde begünstigt, die theils eine Folge der damaligen Lage des Hochdruck-
gebietes, theils aber verursacht wurden durch Tiefdruckgebiete, welche sich im
zweiten Drittel des Dezember vor Westeuropa nach Süden bewegten. (Siehe
Karte III) „Border Chief“ hatte während der ersten Tage der Reise zwar
gegen Westwinde zu kämpfen, wurde bald aber auch durch frische Nordwinde
begünstigt. Bei „Magellan“ und „Parnafs“ herrschten von Anfang an nordwest-
liche, durch das Hochdruckgebiet der Karte IV verursachte Winde, die, nachdem
man weiter nach Süden vorgerückt war, sich nach Nordost veränderten. Im
weiteren Verlaufe ihrer Reisen gewährte die Lage des Hochdruckgebietes der
Karte V allen Schiffen einen kräftigen und beständigen Passat. Verhältnilsmäfßig
recht ungünstig zeigten sich schlieflslich die Verhältnisse, nachdem die südliche
Grenze des Passats überschritten worden war. Es stellten sich dort, wo sonst
zu dieser Zeit noch regelmäfsiger Südostpassat zu wehen pflegt, Mallung und
Stille von längerer Dauer ein, bei welcher die Strecke bis zum Aequator zurück-
gelegt werden mufste. Einige von diesen Mitseglern fanden auf der Linie sogar
mäßigen und beständigen Südwestwind und wurden von diesem und von Stille
bis über 1° S-Br hinaus begleitet.
Auffallend verschieden in ihrer Dauer waren die Reisen der vier Schiffe:
„Dorothea“, „Frisch“, „Germania“ und „Levuka‘“, welche am 1. nnd am 2. Januar
den Kanal verliefsen. Dieselben wurden im offenen Ocean zunächst durch zeit-
weise stürmisch wehende Südwestwinde zurückgehalten, welche in Zusammenhang
standen mit jenen Tiefdruckgebieten der Karte V, die sich in der ersten Woche
des Januar von Island nach Grofsbritannien bewegten. Als diese Gebilde sich
nach einigen Tagen weiter ostwärts verschoben hatten, drehte der Wind nach
Nordwest und nahm zum heftigen Sturme zu. Bei „Dorothea“ und „Germania“,
die in den vorhergehenden Tagen schon weiter nach Süden hatten vorrücken
können, geschah dies in geringerem Malse, als bei den wahrscheinlich langsamer
segelnden Schiffen „Frisch“ und „Levuka‘“, Dieser Umstand zeigte sich später
als ausschlaggebend für die ganze Reise zur Linie. Denn jene beiden Schiffe
konnten bei den nordwestlichen Winden in befriedigender Weise nach Süden
vorrücken, während die Mitsegler dieselben ihrer Stärke halber nur wenig aus-
nützen konnten. Als „Dorothea“ am 10. Januar bei 27° N-Br in 22° W-Lg den
Nordostpassat erreichte, befand sich „Frisch“ noch in 42° N-Br und 13°. W-Lg,.
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