330 Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Winter 1886—87.
den ostwärts segelnden Schiffen durchstehende Westwinde brachte. Für die
zweite Hälfte der Reise waren die Verhältnisse dem Herrschen westlicher Winde
anscheinend nicht so günstig, indessen wurden auch auf ihr die Schiffe von
Gegenwinden nicht zurückgehalten. Beunruhigt wurden die Fahrten durch die
oft zum Sturme zunehmende Stärke der angetroffenen Winde, obgleich die Schiffe
dadurch in keinem Falle zum Beidrehen gezwungen wurden. Der heftigste dieser
Stürme war derjenige, welchen „Magdalene‘“ am 25. Januar unweit 43° N-Br in
46° W-Lg überstand. Er war die Folge eines sich laut Karte VII unweit der
Südspitze Grönlands nach Osten bewegenden Tiefdruckgebietes. Auch jenes
Tiefdruckgebiet derselben Karte, dessen Mittelpunkt am 28, Januar in 50° N-Br
und 40° W-Lg verzeichnet ist, rief bei „Magdalene“ einen heftigen und, da das
Schiff nur ganz allmählich von jener Erscheinung überholt wurde, mehrere Tage
anhaltenden Westwind hervor. „Niagara“, welche eine südlicher liegende Route,
als sie „Magdalene‘“ einhielt, verfolgte, fand dort weniger kräftige und durchstehende
Westwinde, Wahrscheinlich würde ihre Reise eine kürzere geworden sein, wenn
auch sie sich nördlicher gehalten hätte. So legte z. B. „Magdalene“ am 28, und
29. Januar 410 Sm zurück, während „Niagara“ gleichzeitig nur 150 Sm gut
machen konnte. Als beide Schiffe am 3. Februar nahezu zur gleichen Zeit den
Kanal erreichten, wurden sie von kräftigem Westwinde begünstigt, der im Zu-
sammenhange stand mit jenem grofsen, sich damals weit über Europa erstrecken-
den Hochdruckgebiete der Karte VIII.
Von den drei folgenden, ihre Reisen auch noch im Januar beginnenden
Schiffen: „Alma“, „Palme“ und „J. W. Wendt“, legte das letztere den Weg über
den Ocean in der kurzen Zeit von 20 Tagen zurück, Auch die Fahrten der
beiden Mitsegler verliefen in befriedigend kurzer Zeit. Die raschere Reise des
„J. W. Wendt“ war zum grofsen Theil wohl der gröfseren Schnelligkeit desselben
zuzuschreiben, doch scheint dies Schiff auch seltener Ostwinde angetroffen zu
haben, als seine beiden Mitsegler. Häufige Stürme erschwerten die Fahrten aller
drei Schiffe, Jene Tiefdruckgebiete der Karte VII, von denen sich in der letzten
Woche des Januar zwei über Nordamerika nach Grönland und eines eben südlich
von Neufundland nach Osten bewegten, riefen bei den ersteren beiden Schiffen
kräftige Westwinde hervor. „J. W. Wendt“, der am zweiten und dritten Tage
nach der Abreise durch nordöstlichen Wind etwas zurückgehalten worden war,
wurde dafür später desto mehr von durchstehenden Westwinden begünstigt. Am
7. Februar wurden alle drei Mitsegler, „Alma“ in 41,7° N-Br und 39,2° W-Lg,
„Palme“ in 41,4° N-Br und 41,3° W-Lg und „J. W. Wendt“ in 39,5° N-Br und
49° W-Lg stehend, von einem sehr heftigen Weststurm überfallen. Derselbe
wehte bei den beiden ersten Schiffen in der zweiten Hälfte, bei dem letzten da-
gegen schon in der ersten Hälfte des Tages. Verursacht wurde er durch jenes
Tiefdruckgebiet der Karte IX, dessen Mittelpunkt am 8. Februar bei 50° N-Br
in 35° W-Lg zu liegen schien. Einige Tage nach diesem Sturme herrschte bei
„Alma“ und „Palme“ ein mehrere Tage anhaltender Südostwind, von dem
„J. W. Wendt“ verschont blieb. Zum Theil als Folge dieser verschiedenen Ver-
hältnisse näherte sich der „J. W. Wendt“ den Mitseglern rasch, und weil er
schneller als diese war, gelang es ihm schliefslich, sogar den Kanal am frühesten
zu erreichen. Er wie „Alma“ kreuzten den Meridian von Lizard am 19. Februar,
„Palme“ that dasselbe am 21. Februar.
Das letzte der im Verzeichnisse aufgeführten Schiffe ist der „Felix Mendels-
sohn“, welcher eine Reise von Savannah nach Liverpool vollendete. Dieselbe
wurde am 10. Februar bei frischem Südwestwinde angetreten. Nach einigen
Tagen stellte sich jedoch ein stürmischer, vier Tage lang anhaltender Ostwind
ein, und östlich von 28° W-Lg wurde das Schiff sogar durch einen zwei Wochen
lang anhaltenden Ostwind zurückgehalten. Natürlicherweise konnte unter solchen
Verhältnissen die Reise keinen raschen Verlauf nehmen. Dazu wehten die Winde
recht häufig stürmisch, wenn man auch nur einen Sturm beobachtete, der eine
besondere Hervorhebung verdient. „Felix Mendelssohn‘ überstand denselben am
23, Februar in der Nähe von 39° N-Br und 54,5° W-Lg. Demselben ging süd-
östlicher Wind vorher, und der Wind erreichte seine grölste Stärke erst, nachdem
sich derselbe nach Nordnordwest verändert hatte. Sein Auftreten war bedingt
durch jenes Tiefdruckgebiet der Karte X, dessen Mittelpunkt am 24. Februar
anweit von 40° N-Br in 40° W-Lg zu liegen schien. Am 24. März erreichte