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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Winter 1886—87. 329 
ferneren Verlaufe angetroffene Gegenwinde verursachten auch später noch wieder- 
holt Verzögerungen der Reisen dieser beiden, sich meist in geringer Entfernung 
von einander haltenden Schiffe. Vor Allem'war dies noch wieder nahe vor der 
Kanalmündung der Fall, wo ein mehrere Tage lang anhaltender Ostwind wehte. 
Durch denselben wurde es auch verursacht, dafs „Hermann‘“, obgleich derselbe 
nur eine geringe Strecke weiter östlich als „Hedwig“ stand, die Länge von Lizard 
mehrere Tage früher als dies Schiff erreichen konnte, 
Einige Tage vorher, als die beiden eben erwähnten Schiffe den Kanal 
erreichten, hatte dies auch die von Kap Haitien kommende Bark „Johanne‘“ 
gethan. Auch deren Reise war durch angetroffene Ostwinde bedeutend verlängert 
worden, doch waren diese die Folgen anderer Erscheinungen, als die waren, 
welche sich während der Fahrten von „Hermann“ und „Hedwig“ gezeigt hatten. 
Der Nordostpassat, bei welchem „Johanne“ ihre Reise angetreten hatte, begleitete 
das Schiff bis nach 32° N-Br in 67,5° W-Lg. Nördlich von diesem Punkte 
wurden zunächst für mehrere Tage leichte östliche Mallung und Windstille 
beobachtet, und nachdem schließlich westliche Winde eingesetzt hatten, wurden 
auch diese später noch wiederholt von Ostwind unterbrochen. Besonders ver- 
zögert wurde aber die Reise durch jenen vom 16. bis zum 21. Dezember wehen- 
den stürmischen Nordostwind, den das Schiff unweit von 43° N-Br in 22° W-Lg 
überstand. Derselbe begann zu wehen, als jenes Tiefdruckgebiet der Karte 111, 
welches sich von Grönland zur Bai von Biscaya bewegte, mit seinem Mittelpunkte 
südlich vom Schiffe gelangte. Es war dies dieselbe Erscheinung, welche den 
damals vom Kanal nach Süden segelnden Schiffen eine ungewöhnlich günstige 
Gelegenheit gewährte. Auf jenen Sturm folgte westlicher Wind, bei dem der 
letzte Reiseabschnitt in fast ungestörtem Lauf vollendet werden konnte. Am 
27. Dezember gelangte „Johanne‘“ zur Kanalmündung. 
Von den in der Liste enthaltenen, von nordamerikanischen Häfen aus- 
gehenden Schiffen sind aufser den schon erwähnten noch: „, Victoria“, „Doris“ 
und „Emilie“ zu nennen. Ihre Reisen geben zu besonderen Erwähnungen kaum 
Veranlassung. Die während derselben angetroffenen Winde waren vorherrschend 
westliche, doch wurden auch nicht selten Ostwinde beobachtet. Der bei allen 
drei Schiffen verhältnifsmäfsig häufig stürmisch wehende Wind erreichte anschei- 
nend seine gröfste Stärke bei „Emilie“, als dieselbe sich am 9. und 10. Januar 
bei 48° N-Br in 25° W-Lg befand. Dieser aus südöstlicher Richtung beginnende 
und aus Westnordwest endende Sturm nahm fast bis zum Orkane zu. Der Luft- 
druck sank dabei bis auf 737,5 mm. Er wurde geschaffen von jenem auf Karte V 
verzeichneten Tiefdruckgebiete, dessen Mittelpunkt am 10. Januar in der Nähe 
von 50° N-Br und 20° W-Lg lag. Auf den Aufsengründen vor dem Kanal wurde 
nur „Emilie“ durch einen Tag lang anhaltenden Ostwind aufgehalten. ,, Vietoria“ 
gelangte nach Lizard am 11. Januar, „Doris“ am 10. Januar und „Kmilie“ am 
17. Januar. 
Die Brigg „Marie‘“‘, welche den Kanal wenige Tage später als „Emäilie“ 
erreichte, war von Laguna ausgegangen. Als sie am 28. Dezember in 34° N-Br 
den Meridian von 70° West überschritt, befand sie sich schon 20 Tage in See. 
Nach dieser Zeit nahm ihre Reise einen recht günstigen Verlauf. Durch nennens- 
werthe Stürme wurde die Fahrt nicht erschwert und ebenso wenig dieselbe ver- 
längert durch andauernde Ostwinde. Die Lage des Hochdruckgebietes, wie jenes 
flachen Tiefdruckgebietes der Karte V, dessen Mittelpunkt sich am 9. Januar in 
der Nähe von 44° N-Br in 44° W-Lg befand, verursachte durchstehende West- 
winde, bei denen sich ein rascher Fortgang erzielen lief. Ohne nennenswerthe 
Unterbrechung im Verlaufe der Fahrt wurde der Ocean überschritten und am 
19. Januar die Kanalmündung erreicht. 
Zu den im vorliegenden Verzeichnisse angeführten Reisen, welche ostwärts 
über den Ocean unter zum grofsen Theile ähnlichen Verhältnissen ausgeführt 
wurden, gehören auch die der beiden Schiffe „Niagara“ und „Magdalene“, ob- 
gleich das erstere von Savannah und das letztere von New-York ausgegangen 
war. Dieselben nahmen einen besonders günstigen Verlauf, denn „Niagara“ 
überschritt den Ocean in 24 und „Magdalene“ sogar in der aufserordentlich 
kurzen Zeit von 16 Tagen. Der erste Reiseabschnitt stand unter dem Einflusse 
der Wetterlage der Karte VI, welche durch hohen Luftdruck im Süden und das 
Auftreten mehrerer ostwärts ziehender Tiefdruckgebiete im Norden der Route
	        
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