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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

326 Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Winter 1886—87. 
zeigen wollte, benutzte Kapt. Langen die erste sich bietende Gelegenheit, um 
nach Süden abzuhalten. Es wurde dann versucht, in der Nähe von 32° N-Br 
Länge gut zu machen. Doch konnte dies, da auch dort fast nur Westwinde, 
wenn auch von geringerer Stärke, vorherrschten, nur in langsamer Weise erzielt 
werden. Um von 34,5° N-Br in 63,2° W-Lg nach 33° N-Br in 634° W-Lg zu 
gelangen, waren nicht weniger als 10 Tage erforderlich. Nachdem „Otto“ endlich 
für mehrere Tage durch Ostwinde begünstigt worden war, gelang es schließlich 
am 31. März, den Hafen von New-York zu erreichen. Zur Vollendung dieser 
beschwerlichen Reise waren nicht weniger als 81 Tage erforderlich gewesen. 
„Andromedas‘“ Reise, welche einen viel weniger stürmischen Verlauf als die des 
Mitseglers genommen hatte, wurde beendet durch die am 8. März erfolgte An- 
kunft im Hafen von New-York. Auch von diesem Schiffe waren östlich nahe 
bei den Banken an mehreren Tagen Eisberge gesehen worden. 
Die nach „Andromeda“ in der Liste noch angeführten zehn Schiffe: 
„Ariadne‘“, „Hedwig“, ‚Western Chief‘, „Wilhelm“, „Hugo“, „Shakspere“‘, 
„Dakota“, „George Washington“, „Heinrich & Tonio“ und „Maryland“ traten 
ihre Reisen in der zweiten Woche des Februar an. Sie thaten dies vom Kanal 
aus, und alle waren nach einem der nördlichen Häfen der Union bestimmt. Ihre 
Reisen, von denen drei auf der Passatroute ausgeführt wurden, nahmen, mit Aus- 
nahme der Reise des „Wilhelm“, nur einen ziemlich langsamen Verlauf. Alle 
Schiffe wurden während der ersten Tage nach ihrer Abfahrt durch frischen Ost- 
wind, den die ungewöhnliche, sich über ganz Europa erstreckende Lage des 
Hochdruckgebietes der Karte IX bedang, begünstigt. Bei demselben schlugen 
einige, wie „Western Chief“, „George Washington“ und „Maryland“, gleich einen 
zum Passat führenden Kurs ein, während die gröfsere Zahl der direkten Route 
folgte. Bei „Western Chief“, der zusammen mit „/edwig‘“ und „Wilhelm“ am 
8. Februar den Kanal verlassen hatte, hielt jener Ostwind so lange an, daß der- 
selbe später olıne vorhergehende Störung direkt in den Passat überging. Dagegen 
wurden „Hedwig“ und „Wilhelm“ nur bis nach etwa 23° W-Lg vom Ostwinde 
begleitet. Nach dieser Zeit mufsten diese, wie die anderen, der Mittelroute 
folgenden Schiffe sich ihren Fortgang nach Westen gegen Gegenwinde, die sehr 
häufig bis zum schweren Sturme zunahmen, erkämpfen. ‚, Wilhelm“ gewann dabei 
auffallender Weise ganz bedeutend gegen alle Mitsegler. Zum Theil scheint dies 
infolge überlegener Segelfähigkeit wie tüchtiger Führung, vor Allem aber in dem 
ihm zu Theil gewordenen häufigeren Antreffen günstiger Winde geschehen zu 
sein. Am Mittag des 8. Februar hatte sich „Hedwig“ in 49,4° N-Br und 6,7° W-Lg 
and ‚,Wühelm“ in 49,3° N-Br und 7,4° W-Lg befunden, und als am 13. Februar 
Mittags der bis dahin wehende Wind sich bei „Hedwig“ von Südsüdost nach 
Südsüdwest veränderte, befand sich dieses Schiff in 46,3° N-Br und 235° W-Lg, 
„Wilhelm“ gleichzeitig aber schon in 45,5° N-Br und 30° W-Lg. Da der letztere 
auch im ferneren Verlaufe der Reise häufiger als „Hedwig“ günstige Winde an- 
getroffen zu haben scheint, wurde der Abstand zwischen den beiden Schiffsorten 
noch ein gröfserer, so dafs, als „, Wilhelm“ am 10. März nach 30tägiger Fahrt 
die Mündung des Delaware erreichte, sich „Hedwig“ noch in 32,5° N-Br und 
51° W-Lg befand. Wie die Lage dieses Punktes zeigt, hatte auch ‚Hedwig‘, 
nachdem Kapt. Minssen zu der Ueberzeugung gekommen war, dafs auf der 
Mittelroute sich kein befriedigender Fortgang erzielen liels, südlichere Breiten 
aufgesucht. Bevor dies geschah, hatte „Hedwig“ in der letzten Woche des Februar 
einige sehr schwere Stürme zu überstehen gehabt. Der heftigste von ihnen war 
der, welcher am 24. Februar unweit von 42° N-Br in 40° W-Lg beobachtet 
wurde. Das Schiff befand sich damals, wie Karte X zeigt, nördlich und in 
nächster Nähe vom Mittelpunkte eines sich nach Osten bewegenden Tiefdruck- 
gebietes. Der dasselbe begleitende Sturm begann aus Ost, und, indem der Luft- 
druck auf 727 mm sank, erreichte der durch Nord drehende Wind fast orkanartige 
Stärke. Als dieser Sturm sich gemäfsigt hatte, auf ihn aber bald wieder ein 
mehrere Tage anhaltender stürmischer Westwind folgte, entschlofs sich Kapitän 
Minssen, südlichere Breiten aufzusuchen, hoffend, unweit von 32° N-Br günstigere 
Verhältnisse zur Förderung der Reise zu finden. Diese Hoffnung ging indessen 
nicht in Erfüllung. Selbst in dieser Breite traf „Hedwig‘“ fast nur stürmische 
Gegenwinde an, gegen die nur unter den gröfsten Anstrengungen Länge gut 
yemacht werden konnte. Am 4. April, nach einer Fahrt von 55 Tagen, erreichte
	        
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