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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

3924 Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Winter 1886—87, 
am 2. Februar und „Friederike“ am 4. Februar. ‚Port Royal‘ erreichte nach 
sehr günstiger Reise von 35 Tagen die Mündung des Mississippi. 
Während der ersten Woche im Januar trat eine aus den Schiffen: 
„Astronom“, „Georg“, „Olbers“, „Rose“, „Savannah“ und „Ferdinand“ bestehende 
Gruppe die Reise über den Ocean an. Das zuerst genannte Schiff, der „Astronom“, 
that dies vom Norden Schottlands aus, während die übrigen fünf Mitsegler vom 
Kanal oder vom St. Georgs-Kanal herkamen. „Rose“ war nach Laguayra und 
„Ferdinand“ nach Wilmington bestimmt, die übrigen hatten New-York als Ziel. 
Alle, mit Ausnahme von „Astronom“, überschritten den Ocean auf südlich von 
der Mittelroute gelegenem Wege. Am 23. Dezember, dem Tage, an welchem 
„Astronom“ die Elbe verlief, ging von der Weser auch „Savannah“ in See, 
Dieses Schiff schlug trotz der angetroffenen, nicht selien stürmisch wehenden 
Gegenwinde den Weg durch den Kanal ein, während „Astronom“ für Fair Island 
abhielt. Er erreichte diese Insel am 1. Januar, an demselben Tage, als „Savannah“ 
wie auch die Mitsegler „Georg“, „Olbers‘“ und „Rose“ die Länge von Lizard 
überschritten, Nachdem ‚Astronom‘ zunächst mehrere Tage durch stürmische 
Südwestwinde zurückgehalten worden war, stellte sich bei ihm am 5. Januar ein 
heftiger, drei Tage lang anhaltender Südostwind ein, welcher das Schiff bis nach 
19° W-Lg begleitete. Bei den vom Kanal ausgegangenen Schiffen wehte dieser 
Wind nicht, vielmehr herrschte bei diesen gleichzeitig ein anhaltend stürmischer 
Nordwestwind, bei dem sich nur ein langsamer Fortgang nach Südwesten erzielen 
lief. Den Grund für diese Verschiedenheiten zeigt der in Karte V angegebene, 
nach Südosten gerichtete Weg jenes Tiefdruckgebietes, dessen Mittelpunkt am 
4. Januar in geringer Entfernung südwestlich von Island lag. Ueber „Astronom“ 
zog nur das nordöstliche Viertel dieser Erscheinung, und herrschten bei ihm 
daher südöstliche Winde, während die anderen Mitsegler vom südwestlichen 
Viertel berührt wurden und demzufolge nordwestliche, die Schiffe nach Süden 
abdrängende Winde fanden. Nach dieser Zeit wurde aber „Astronom“ durch 
derart ungünstige Verhältnisse zurückgehalten, dafs, um von 554° N-Br in 
21,2° W-Lg nach 52,5° N-Br in 22° W-Lg zu segeln, nicht weniger als 9 Tage 
erforderlich waren. Die dies verursachenden stürmischen Südwestwinde waren 
eine Folge von sich damals in höheren Breiten nach Osten bewegenden Tief- 
druckgebieten. (Siehe Karte VI.) Dagegen stellte sich bei den Mitseglern am 
11. Januar ein kräftiger, durch jenes sich vom 12. bis zum 14. Januar bei den 
Kanarien bewegende Tiefdruckgebiet verursachter Nordostwind ein. Die Folge 
davon war, dafs bis zum Mittage des 18. Januar, als „Astronom“ sich noch in 
525° N-Br und 22° W-Lg befand, „Georg‘ nach 37° N-Br in 188° W-Lg, 
„Olbers‘ nach 27,5° N-Br in 35,7° W-Lg, „Rose“ nach 34,3° N-Br in 21,3° W-Lg, 
„Savannah“ nach 33,6° N-Br in 37,5° W-Lg und „Ferdinand“ nach 31,3° N-Br 
in 25,8° W-Lg vorrücken konnten. Aehnlich ungünstig verlief auch die fernere 
Reise des „Astronom“. Die weiter beobachteten Winde waren fast stets west- 
liche und nahmen häufig bis zum sehr heftigen Sturme zu, während die südlicheren 
Routen folgenden Mitsegler von Stürmen fast ganz verschont blieben und, von 
kräftigen Ostwinden begünstigt, in rascher Fahrt den Ocean überschreiten konnten. 
Der heftigste Sturm, welchen der einmal in 18 Tagen nur 1!/» Grad nach Westen 
yutmachende „Astronom“ überstand, war jener, welcher am 8. Februar in der 
Nähe von 47,5° N-Br und 32,5° W-Lg beobachtet wurde. Er trat in Begleitung 
des Tiefdruckgebietes der Karte IX auf, dessen Mittelpunkt sich am 8. Februar 
bei 50° N-Br in 35° W-Lg verzeichnet findet. Während dieses aus Südsüdost 
beginnenden und aus Westnordwest endenden Sturmes nahm der Luftdruck bis 
auf 737 mm ab. Zur Zeit, als „Astronom“ gegen dieses Unwetter kämpfte, hatten 
die Mitsegler ihre Bestimmungsplätze entweder schon erreicht oder befanden sich 
doch in nächster Näbe derselben. „Savannah“, welche das Passatgebiet nicht 
betrat, wurde auf ihrer meist in der Nähe von 33° N-Br verlaufenden Route 
doch sehr häufig von Ostwinden begünstigt und blieb dabei auch von Stürmen 
fast gänzlich verschont. Als das Schiff am 27. Januar zur westlichen Hälfte des 
Hochdruckgebietes der Karte VII gelangt war, stellten sich dort sehr kräftige 
aus südöstlicher und südwestlicher Richtung vorherrschende Winde ein, welche 
das Schiff bis nach 36° N-Br in 67° W-Lg begleiteten. Bei kräftigem Ostwinde 
erreichte „Savannah“ am 3. Februar den Hafen von New-York. „Georg“ und 
„Olbers“ wurden im westlichen Theile des Passatgebietes, an der Südseite des
	        
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