Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Winter 1886—87. 323
drei, auf demselben einen nordwestlichen Kurs einhaltenden Schiffe in ganz
zufriedenstellender Weise. „Bertha“, welche auf ihrer Route die ungünstigsten
Winde beobachtete, hatte noch dazu das Unglück, am 31. Dezember in der Nähe
der Mündung des Delaware zu stranden, wobei das Schiff gänzlich zertrümmerte.
„Elisabeth“ erreichte ihren Bestimmungsplatz Tybee am 22. Dezember nach einer
sehr günstigen Reise von 28 Tagen. „„Magdalene‘“ sichtete Sandy Hook am
24. Dezember, „Palme“ ankerte am 27. Dezember auf dem Delaware und „Her-
mann“ am 7; Januar auf dem Mississippl. -
Zu Anfang Dezember trat die nach New-York bestimmte „Anna“ vom
Kanal aus ihre Reise an. Dieselbe ist, da sich zu ihr keine Mitsegler finden,
einzeln zu besprechen. „Anna“ wurde beim Verlassen des Kanals zunächst
ebenfalls durch kräftigen Nordostwind begünstigt, der im offenen Ocean aber
bald veränderlichen, vorherrschend nordwestlichen Winden Platz machte. Diese
letzteren wurden geschaffen durch die Lage und Gestalt des in Karte I ver-
zeichneten Hochdruckgebietes. Da dieselben nicht stürmisch auftraten, konnte
das zum Passatgebiete steuernde Schiff bei ihnen einen ganz befriedigenden Fort-
gang erzielen. In der Nähe von 23° N-Br und 23° W-Lg wurde am 20, De-
zember das Passatgebiet betreten. Der in demselben wehende kräftige Wind, die
Folge der Lage des in den Karten IV und V angegebenen Hochdruckgebietes,
führte das Schiff in rascher Fahrt westwärts, bis dasselbe schliefslich am 4. Januar
wieder zu der in etwa 23° N-Br und 63° W-Lg liegenden nördlichen Passatgrenze
zurückgekehrt war. Nachdem „Anna“ 30° N-Br überschritten hatte, wurden
meistens Westwinde angetroffen, die in mehreren Fällen bis zum Sturme zunahmen.
Der heftigste derselben war jener, der am 17. Januar bei 37,5° N-Br in 72° W-Lg
zu überstehen war. Er kam mit einem sich über Nordamerika nach Nordosten
bewegenden Tiefdruckgebiete, dessen Mittelpunkt am 17. Januar über den grofsen
Binnenseen zu liegen schien. (Siehe Karte VI.) Bei mäfsigem Südwestwinde
erreichte „Anna“ am 21. Januar den Hafen von New-York.
Die Reisen von „Lizzie & Eugenie“, „Port Royal“, „Dora“ und „Friederike“,
den übrigen vier Schiffen, welche im Dezemher den Kanal verliefsen, können in
einer Gruppe behandelt werden. Von ihnen war „Port Royal“ nach New-Orleans,
die anderen drei, auch das Passatgebiet aufsuchenden Schiffe nach New-York be-
stimmt. Im offenen Ocean trafen die beiden zuerst genannten anfangs wenig
günstige Verhältnisse an. Theils infolge von auf Karte III verzeichneten Tief-
druckgebieten, theils hervorgerufen durch die Lage des Hochdruckgebietes in
Karte IV, wehten vorm Kanal westliche Winde, bei denen sich nur ein langsamer
Fortgang erzielen ließ. In den letzten Tagen des Dezember, als „Dora“ und
„Friederike“ den Kanal verliefen, stellten sich mit dem Hochdruckgebiete,
welches Karte V zeigt, kräftige Nordwestwinde ein, welche die Schiffe rasch
südwärts führten. Durch Drehung nach rechts entstand später bei fast allen
Schiffen aus jenem Winde der Passat. Sein Gebiet wurde erreicht von: „Lizzie d-
Eugenie“ in 31° N-Br und 22° W-Lg, wie vom ;,Port Royal“ in 34° N-Br und
20°. W-Lg am 3. Januar, von „Dora“ in 28,4° N-Br und 25,7° W-Lg am 10.
und von „Friederike“ in 29° N-Br und 25° W-Lg am 12. Januar. Der Passat
wehte im Allgemeinen mit befriedigender Stärke und Stetigkeit. Nur bei „Dora“
wurde derselbe am 17. und 18. Januar durch Stille und leisen Zug unterbrochen.
Der Mitsegler „Friederike“, welcher sich beim Ablaufen der Länge etwa 4 Breiten-
grade südlicher hielt als „Dora“, blieb von dieser Störung verschont und war
daher jetzt im Stande, dieses Schiff wieder einzuholen. Am Mittage des 16. Januar
hatte sich „Dora“ in 24,7° N-Br und 43° W-Lg und „Friederike“ gleichzeitig
in 20,7° N-Br und 37,8° W-Lg befunden. Bis zum Mittage des 21. Januar segelte
das erstere Schiff dann nach 22,9° N-Br in 52,3° W-Lg und das letztere nach
18,9° N-Br in 52,9° W-Lg. Vom Passate wurden die drei nach New-York be-
stimmten Schiffe anscheinend begleitet, bis sich „Lizzie & Kugenie‘“ am 23. Januar
bei 30° N-Br in 71° W-Lg, „Dora“ am 25. Januar bei 25,6° N-Br in 66° W-Lg
und „Friederike“ am 24. Januar bei 24° N-Br in 65° W-Lg befand. Auch auf
den von diesen Punkten aus noch zurückzulegenden Reiseabschnitten fanden die
drei Mitsegler verhältniksmäfsig günstige Winde, die nicht sehr stürmisch waren.
Deshalb war auch nur eine kurze Zeit erforderlich, um zum Hafen von New-York
zu gelangen. „Lizzie & Eugenie‘“ ankerte in demselben am 29. Januar, „Dora“