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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

3292 Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Winter 1886—87. 
Von den Schiffen, welche den Kanal verlassen hatten, erreichte „Magdalene‘“ auf 
der Passatroute, wie „Wilhelm“ auf der mittleren Route, New-York oder Phila- 
delphia nach kürzester Reise von 30 Tagen. Dagegen gebrauchte „Heinrich & 
Tonio“, um den Ocean auf der Mittelroute zu überschreiten, nicht weniger als 
60 Tage. Aufser den 5, durch die Lage ihres Bestimmungsplatzes zur Ein- 
schlagung der Passatroute veranlafsten Schiffen wählten dieselbe noch 11 der für 
nördliche Häfen segelnden, und mehrere Mitsegler legten den gröfsten Theil der 
Länge zurück, indem sie sich in der Nähe von 35° N-Br hielten. Selbst das 
eine der vom Norden Schottlands kommenden Schiffe sah sich später gezwungen, 
dieses zu thun. Ein grofser Theil der Reisen nahm einen ungewöhnlich stür- 
mischen Verlauf. Bei einigen war dasselbe in solchem Grade der Fall, dafs die 
Kapitäne am Schlusse der Reise bemerkten, dies sei die stürmischste Fahrt 
gewesen, welche sie je erlebt hätten. 
Unter den fünf Schiffen: „Bertha“, ‚Elisabeth‘, „Magdalene‘“, ‚Palme‘ 
und „Hermann“, welche die erste Gruppe in der Liste bilden und die alle noch 
im November ihre Reisen antraten, befinden sich zwei, die nach Tybee oder 
nach New-Orleans bestimmt waren, und eins, welches vom Mittelmeere herkam., 
Alle fünf Reisen wurden auf südlich von der Mittelroute gelegenem Wege zurück- 
gelegt und nahmen einen verhältnifsmäfßsig raschen Verlauf. Die nur 28 Tage 
in Anspruch nehmende Fahrt der nach Tybee bestimmten „Elisabeth“ ist die 
kürzeste von allen in dem Verzeichnisse überhaupt angeführten. Besonders be- 
günstigt durch die gleich zu Anfang ihrer Fahrt angetroffenen, Kräftig durch- 
stehenden Ostwinde wurden „Bertha“, „Elisabeth“ und „Magdalene‘“. Bei den- 
selben steuerten die beiden letzteren Schiffe gleich einen zum Passat führenden 
Kurs, während die an Schnelligkeit gegen die Mitsegler offenbar zurückstehende 
„Bertha‘* sich nördlicher hielt, Die Folge davon war, dafs, nachdem am 25. No« 
vember Mittags „Bertha“ sich in 48,1° N-Br und 10,1° W-Lg, „Elisabeth“ in 
47,8° N-Br und 108° W-Lg und „Magdalene“ in 47° N-Br und 10,5° W-Lg 
befunden hatten, bis zum Mittage des 13. Dezember „Bertha“ nach 31,8° N-Br 
in 46° W-Lg, „Elisabeth“ nach 26° N-Br in 67,5° W-Lg und „Magdalene‘“, welche 
bis dahin bei ununterbrochenem günstigem Winde mehr als 4000 Sm zurückgelegt 
hatte, nach 22,5° N-Br in 65,2° W-Lg segeln konnten. Die beiden letzteren, 
damals schon westlich von der Länge von St. Thomas stehenden Schiffe, hatten 
bis dahin nur frischen Ostwind beobachtet, während „Bertha“ zwar auch meist 
östliche Winde, aber nur von geringer Stärke gefunden hatte. Diese verschiedenen 
Verhältnisse wurden dadurch verursacht, dafs die sich in der Nähe von 35° N-Br 
haltende „Bertha“ sich inmitten des Hochdruckgebietes der Karte I befand, 
‚während die dessen Südrande näher stehenden Mitsegler kräftigere Ostwinde 
fanden. Die ebenfalls nicht die Passatroute aufsuchende „Palme“, welche westlich 
von Gibraltar zunächst auch recht beständigen Ostwind gefunden hatte, wurde 
von demselben bis nach 35° W-Lg hin begleitet. Nachdem diese Länge über- 
schritten worden war, wurden aber vorherrschend westliche Winde angetroffen, 
bei denen sich, weil sie meist aus dem Südwestquadranten wehten, nur ein 
einigermafsen befriedigender Fortgang erzielen lief. „Hermann“ hatte aufserhalb 
des Kanals zunächst Winde aus dem westlichen Halbkreise gefunden. Dieselben 
waren jedoch, weil sie aus raumer nördlicher Richtung kamen, dem Vorrücken 
nach Süden nicht ungünstig, und nach kurzer Zeit stellten sich auch bei diesem 
Schiffe Ostwinde ein. Stürme hatten alle Schiffe dieser Gruppe auf dem ersten 
Theile ihrer Reisen nicht zu überstehen. Wie die Karten I und II zeigen, lagerte 
in der ersten Hälfte des Dezember ein grofses Hochdruckgebiet über der ganzen 
Breite des Oceans, und von Tiefdruckgebieten zeigten sich trotz der winterlichen 
Jahreszeit kaum Spuren. Die Reisen von „Elisabeth“ und „Hermann“, welche 
einen südlich liegenden Hafen als Ziel hatten, wurden durch Stürme überall nicht 
gestört, und die übrigen Mitsegler beobachteten solche nur im westlichen Theile 
des Oceans. Sehr heftig waren indessen auch diese nicht. Der schwerste der- 
selben scheint jener gewesen zu sein, welchen „Magdalene‘“ am 20. Dezember in 
der Nähe von 34° N-Br und 72° W-Lg überstand. Derselbe wehte aus Nord und 
trat in Begleitung jenes flachen Tiefdruckgebietes der Karte III auf, dessen Mittel- 
punkt für jenen Tag in der Nähe von 35° N-Br und 70° W-Lg niedergelegt 
worden ist. An Bord des Schiffes beobachtete man dabei keinen niedrigeren 
Luftdruck als 760 mm. Im Uebrigen verlief auch der letzte Reiseabschnitt jener
	        
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