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Seylla und Charybdis.
2, als Verstärkung oder Abschwächung durch die mehr oder weniger
grofse Verschiedenheit der mittleren Wasserstände des Ionischen und Tyrrhenischen
Meeres, welche ihrerseits wiederum von den Windverhältnissen bedingt ist.
Dafs die Tideströmungen in der Straße von Messina überhaupt so mächtig
auftreten, trotz der geringen Gröfßse des Fluthwechsels im Mittelländischen Meer,
erklärt sich aus der Verschiedenheit der Hafenzeiten in den nächstgelegenen
Häfen jener beiden Meerestheile: nahezu 6 Stunden. Im Ionischen Meer herrscht
also Niedrigwasser, während das Tyrrhenische Meer Hochwasser hat, und um-
ekehrt.
5 Die von den Einflüssen des Windes verursachten Unregelmäfsigkeiten der
Fluthgröfse, des Eintritts der Tiden, der Fluthkurven und die hiervon abhängigen
Unregelmäfsigkeiten der Strömungen sind dem Anscheine nach geringer, als an
den Mündungen unserer deutschen Nordseeflüsse — zumal es sich um sehr geringe
Pegelunterschiede handelt, bei denen gröfsere Zufälligkeiten leicht das ganze
Bild verändern würden,
Die Fluthgröße beträgt nämlich sogar zur Zeit der Syzygien durchschnitt-
lich nur 33, höchstens 45cm, zur Zeit der Quadraturen durchschnittlich 20,
mindestens Scm. Auch die Schwankungen des mittleren Wasserstandes sind
nicht erheblich. Der gröfste Abstand zwischen Hoch- und Niedrigwasser milfst
etwa 80cm. Charakteristisch ist das rasche Aufsteigen der Fluthkurven in 1 bis
2 Stunden und ihr langsames Abfallen in 10 bis 11 Stunden. Am raschesten
wächst die Fluth bei hohem, am langsamsten bei niedrigem Mittelwasser, dessen
Pegelstand vorzugsweise von dem im Ionischen Meere vorherrschenden Winde
abzuhängen scheint. Da dort im Winter die südlichen, im Sommer die nördlichen
Luftströmungen überwiegen, so treten die höchsten Wasserstände in den Monaten
Dezember bis März, die niedrigsten im August und September auf, das absolute
Jahres-Maximum bei den Springtiden der Frühjahrs-Tag- und Nacht-Gleiche.
Unter sonst übereinstimmenden Verhältnissen verursacht der augenblicklich
herrschende örtliche Wind, wenn er aus Norden kommt, eine raschere und gröfsere
Erhöhung der Fluthkurven, umgekehrt der Südwind ein langsameres und geringeres
Anwachsen. Bei ruhiger Luft wehen die schwachen Winde mit den Strömungen.
Es soll häufig vorkommen, dafs mit dem Wechsel der Stromrichtung der Scirocco
(SE) in Maestro (NW) umschlägt und klarer Sonnenschein Nebel und Wolken
verjagt.
3. Tideströmungen der Meerenge.
Alle mir bekannt gewordenen Beobachtungen stimmen dahin überein, dafs
die Fluthkurven des Hafens von Messina ein getreues Spiegelbild liefern für die
Stärke der Tideströmungen in der Meerenge. Je bedeutender die Fluthgröße,
um so bedeutender sind in der ganzen Strafse, zeitlich allerdings verschieden,
die ein- und ausgehenden Ströme. Ihre Dauer dagegen fällt mit dem Anwachsen
und Abfallen der Wasserstände nicht zusammen, sondern schwankt in geringen
Grenzen um je 6 Stunden. Nur insofern zeigt sich auch hier ein Zusammenhang
mit den Fluthkurven des Hafens, als deren rascheres Anwachsen auf eine kürzere
Dauer des eingehenden Stromes schliefsen läfst, und umgekehrt.
Der eingehende Strom (rema scendente) ist von Norden nach Süden
gerichtet, der ausgehende Strom (rema montante) von Süden nach Norden.
Die Bezeichnungen „scendente“ (herabkommend) und „montante“ (hinaufsteigend)
beziehen sich nur auf die geographische Richtung, nicht aber auf die Wasser-
stände, dürfen also durchaus nicht mit „Ebbe“ und „Fluth“ übersetzt werden,
wie dies irrthümlicherweise von Klöden („Handbuch der physischen Geographie“)
und Nifsen („Italische Landeskunde‘) geschehen ist und zu verkehrten Schlufs-
folgerungen veranlafst hat. Gerade im Gegentheil entspricht die „Scendente“
dem Fluthstrom, die „Montante‘‘ dem Ebbestrom. Jene erhöht, diese erniedrigt
den Pegelstand.
Ebenso unrichtig ist die Anschauung, als ob neben diesen Tideströmen
noch andere Meeresströme, oder als ob neben den Hauptströmungen dauernd
Gegenströmungen seitlich oder in der Tiefe vorhanden seien, wodurch man die
Wirbelbildungen zu erklären versucht hat. Vielmehr nehmen die Triftströme im
Golf von Gioja ihren Verlauf ganz unabhängig von den Strombewegungen in der
Meerenge. Je nach dem Vorherrschen östlicher oder westlicher Winde laufen