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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Winter 1886—87. 9295 
die Landwinde, im Süden Frankreichs und Deutschlands sowie in Oesterreich 
durch die Ostwinde und in Südsibirien vermuthlich durch ruhiges Strahlungs- 
wetter um mehrere Grade (1° bis 7°) hinter der normalen Temperatur zurück- 
blieb. In Nordamerika war die Temperatur von Neufundland bis Kap Hatteras 
etwa normal, dagegen in Florida bis zu 3° und in Minnesota bis zu 6° unter 
der Norm, auf den Tafelländern des Westens aber bis zu 4° über derselben. 
Alle drei Karten, welche wir in dieser Rundschau für den Februar 1887 
beibringen, geben das Gebiet hohen Druckes als ein vom Kaspischen Meere bis 
nach Nordamerika sich hinziehendes Band, welches zwischen 30° und 40° W-Lg 
eine bedeutende Einschnürung zeigt, die besonders auf Karte IX und X durch 
auf der Mitte des Oceans auftretende bedeutende Depressionen bedingt wird. 
Natürlich zeigt auch die Karte der Monatsisobaren dieselben Züge. Das Gebiet 
niedrigsten Druckes ist ungefähr dasselbe wie im Januar und wie normal; ihm 
treten aber nun. gegenüber Hochdruckgebiete in Central-Europa (=>"772, 10mm 
zu hoch), südlich von den Bermuden (>770, 4mm zu hoch) und NW von 
Manitoba (=> 768, 6mm zu hoch). Die Abweichungen der Temperatur vom 
Normalwerthe vertheilten sich in Europa nahezu ebenso, wie im Januar; SW- 
Sibirien hatte dagegen nun ebenso, wie Nordeuropa, unternormalen Druck und 
übernormale Temperatur. In Nordamerika waren die Temperaturabweichungen 
anz anders, als im Januar: positiv im Südosten der Union, am meisten an der 
Golf küste (+ 4° C.), und negativ im Nordwesten, von der Pacifischen Küste bis 
zum Missouri, um mehr als 5° C. 
(Schlufs folgt.) 
Kleine Notizen. ) 
1. (D. S.) Seebeben, Nach Veröffentlichung der letzten Berichte über 
Seebeben sind bei der Seewarte noch die folgenden eingegangen. 
a) An Bord der Bark „Ellen Rickmers“, Kapt. W. Neelen, bemerkte 
man auf der Reise von Cardiff nach Singapore im Indischen Ocean auf 43,9° S-Br 
und 39,0° O-Lg am 920. Oktober 1888 um 1* 50" p.m. eine Erschütterung des 
Schiffes von 5 Sekunden Dauer. Der Wind war NNE, beständig; leichter Nebel. 
Die Wasserwärme unverändert. 
b) Auf der Reise von Newcastle N. S. W. nach Iquique in 24,3° S-Br und 
72,9° W-Lg — in etwa 100 Sm Abstand von der südamerikanischen Küste — 
bemerkte man an Bord der deutschen Bark „Balcarry“ am 17. Februar 1889 
ein Erdbeben, worüber Kapt. Rumpff, wie folgt, berichtet: Gegen 11'/a Uhr 
Nachts fühlten wir ein Erdbeben. Es hielt ungefähr 4 bis 5 Minuten an; das 
Schiff zitterte davon wie Espenlaub, und es verursachte dasselbe Gefühl, als 
wenn man mit dem Schiffe über den Grund längs streifte oder als wenn man 
elektrisirt würde, *) 
c) Im Südatlantischen Ocean auf 17,5° S-Br und 242° W-Lg auf der 
Reise von Guayaquil nach Hamburg, schreibt Kapt. J. Kölln an Bord des 
Dreimastschoners „Helene“ am 4. März 1889 in sein Journal: Zwischen 7 und 
8 Uhr Abends verspürten wir mehrere Male leichtes Seebeben. Der Wind war 
E 4. heiteres Wetter, 
d) In Pisagua bemerkte man an Bord des Vollschiffes „Nixe“ ein heftiges 
Erdbeben am 2. Juni 1889, worüber Kapt. H. Fettjuch folgendermafsen be- 
richtet: Vormittags beim Ankerlichten fand ein sehr heftiges Erdbeben statt, 
wodurch an Bord derartige Erschütterungen entstanden, dafs die Kajütslampe 
1) Die mit (D. S.) bezeichneten Notizen sind von der Deutschen Seewarte eingesendet. 
2) Es scheint hier eine Reihe von Stöfsen stattgefunden zu haben, welche wohl insgesamm{ 
den Zeitraum von 4 bis 5 Minuten beanspruchten.
	        
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